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Harte Kirchenbänke und ein brennendes Grosi

Zu Weihnachten gehören Geschenke und volle Teller. Alles ist wie immer – nur jedes Mal anders. Die Redaktion erinnert sich.

Die Kugel der Schande

Yann Cherix, Leiter «Züritipp»/Wochenende
Foto: Seeger-Press
Foto: Seeger-Press

Fluoppp. Die Knetmassekugel machte beim Aufprall auf dem Boden ein seltsames Geräusch. Aus dem Publikum war ein einzelnes, unterdrücktes «Oh!» zu hören, ansonsten blieb es still. Alle meine Verwandten beobachteten nun gebannt, wie ich die Show unterbrach, die heruntergefallene Kugel aufhob und die flachen Stellen, die entstanden waren, umständlich zurechtkneten musste. Es vergingen unendlich lange Sekunden, bis ich mein Wurfmaterial wieder in Form gebracht hatte. Ich, der stolze Jongleur, wagte nicht aufzublicken. Da oben auf dem dritten Treppenabsatz des elterlichen Hauses lernte ich in diesem Moment die Einsamkeit des gescheiterten Showstars kennen.

Wenn ich heute an dieser Stelle auf der Treppe vorbeigehe, erinnere ich mich gut an diesen Moment der kindlichen Scham während des Weihnachtsfests. Natürlich wurde ich nach der Show von allen für meine Jonglierkünste gelobt. «Trois balles, pas mal!», sagte mein Onkel aus Lausanne. Aber ich war doch schon alt genug, um Aufmunterung von Bewunderung zu unterscheiden. Ich begann mit elf Jahren auch zu ahnen, dass die Jonglierdarbietungen, die ich in den letzten zwei Jahren da oben auf der Treppe vor der 30-köpfigen Verwandtschaft präsentiert hatte, vor allem eines waren: herzig. Wollte ich der Jongleur der Herzen sein? Nein. Ich wollte vor allem eines: ernst genommen werden. Mit drei Bällen aus farbiger Knetmasse, die eher unbeholfen in die Luft geworfen werden, würde das schwierig werden.

So beschloss ich, ich erinnere mich genau, in diesem Jahr meine Karriere als Jongleur vorzeitig zu beenden. Dieser Entschluss hatte einen zartbitteren Geschmack. Denn er bedeutete das Ende eines kindlichen Traums und war gleichzeitig ein Akt der Maturität. Befreit von der Last der Knetkugel, fühlte ich mich plötzlich sehr erwachsen. So sehr, dass ich heimlich aus dem Glas des welschen Onkels trank. Der Vin Blanc machte mich zum Mann. Zumindest fühlte sich das damals so an.

Keine Chance für die Blockflöte

Philipp Loser, Redaktor Inland
Foto: Constance Bannister (Getty Images)
Foto: Constance Bannister (Getty Images)

Weihnachten war für uns immer ein bisschen wie Ostern, katholisch gesprochen. Auf Sühne folgt Erlösung, auf Dunkelheit das Paradies. Heiligabend, Vaterseite: Blockflöten-Cousinen, eine Stunde Kirchenlieder, trockene Biskuits, abgelaufenes Rivella Blau, ein kratzender Pullover von der Grossmutter, Mitternachtsmesse. Uff.

Weihnachtstag, Mutterseite: Zum Zmorge ein paar Salzstängeli und Chips, begleitet von einem grossen Glas Cola. Es ist knapp nach Mittag, und alle Cousinen und Cousins stecken schon in ihren neuen Pyjamas. Im Kinderzimmer steht der Fernseher, und in den nächsten acht Stunden werden wir uns nur noch von hier wegbewegen, wenn irgendjemand aus dem Erwachsenenzimmer «Dessert!» schreit. Wir schauen James Bond und Indiana Jones und Bud Spencer und irgendetwas in der Wüste und im Dschungel und auf einer Burg. Wir schauen und schauen und schauen. Eine Pause gibt es nur, wenn einer der Cousins seine neue Sega-Konsole anschliesst und wir einen komischen Igel durch eine Wüste, den Dschungel oder eine Burg jagen. Im Nebenzimmer jassen sie seit kurz nach Mittag den Coiffeur, der Strich einen Fünfliber, dazu rauchen alle wie die Türken und trinken Schnäpse aus kleinen Gläsern. Den Znacht gibt es am Jasstisch, ab jetzt betteln wir Kinder um jede zusätzliche halbe Stunde, und wenn die Erwachsenen unter Flüchen mit ihrem Spiel aufhören, wird es schon Stephanstag sein. Uff.

Einmal in all den Jahren hat eine Cousine am Weihnachtstag tatsächlich ihre Blockflöte ausgepackt. Der Vortrag (ein Weihnachtslied) dauerte wenige Minuten, der Applaus war durchaus freundlich. Danach hat Grossvater die Karten in die Hand genommen und zu mischeln begonnen.

Das Licht täuscht

Beat Metzler, Redaktor Hintergrund/Zürich
Foto: Maskot, Plainpicture
Foto: Maskot, Plainpicture

Es gibt wenig Verheissungsvolleres, als im Dezember, wenn es eindunkelt, von einem Hügel Richtung Tal zu gehen. Durch die laublosen Äste der Waldbäume – schwarze Scherenschnitte, die sich knapp vom schwarzblauen Himmel abheben – leuchtet die Zivilisation hoch, all die Strassenlampen, Scheinwerfer und Fenster. Sie künden von der Gemütlichkeit, die einen erwartet.

Schon früher sagten die Eltern auf solch weihnächtlichen Spaziergängen, dass noch früher, als sie selber jung waren und mit den eigenen Eltern auf den gleichen Hügeln spazieren gingen, das Tal damals nur halb so stark geleuchtet habe, dass die hellen Nester kleiner waren, dass mehr Dunkelheit die Menschen bedrängte.

Dieses Gespräch wiederholt sich von Jahr zu Jahr, solange sich der spät gestartete Weihnachtsspaziergang wiederholt. Denn jedes Mal strahlt das Tal heller, scheinen Hunderte von Lichtpunkten mehr auf und machen die Rückkehr noch verlockender.

Eine fiese Täuschung. Bei Tageslicht entpuppen sich die Lichtquellen als Einfamilienhäuser, Reihenhaussiedlungen oder Gewerbehallen, planlos über das Land gestreut. Man nennt das Zersiedelung, unbeirrt breitet sie sich aus, kaum jemand findet sie schön, auch jene nicht, die selber dazu beitragen. Nur aus eindunkelnden Weihnachtswäldern betrachtet, entwickelt sie eine ganz seltsame Anziehungskraft.

Esspapier mit Heiligenbildli

Paulina Szczesniak, Redaktorin Kultur

Wenn Polen Weihnachten feiern – oder, in unserem Fall: Exilpolen, von der Swissness schon zünftig geschliffen, aber dafür en gros: 15, 20 Leute könnens schon mal sein – wenn also Polen feiern, dann gibts einen Katalog an Regeln zu befolgen. Nicht, dass wir dran glauben, was weiland die Babcia (die Oma) kolportierte, dass nämlich das Gelingen des Fests für das gesamte Folgejahr matchentscheidend sei. Aber man kann ja nie wissen.

Also, erstens: Du sollst nicht feiern, bevor der erste Stern am Himmel steht. (Wolken? Achte auf dein «sterniges» Bauchgefühl.)

Zweitens: Du sollst dich aufbrezeln. Schliesslich wird hier nicht irgendein Geburtstag gefeiert, sondern jener von Jesus. (Alle längst aus der katholischen Kirche ausgetreten? Egal. Da kann schliesslich Jesus nichts dafür.)

Drittens: Fondue chinoise, Braten und überhaupt alles Fleischige kannst du vergessen, weil: Dies ist, offiziell, ein Fastentag. Zum Glück kann dieses kulinarische Hindernis durch umso üppigeren Fischverzehr – warmer Fisch! kalter Fisch! Fisch in Aspik! gebratener Fisch mit und ohne Haut! Fisch an Rahm- und Apfelsauce! – umschifft werden.

Viertens: Decke immer für einen Esser mehr auf, als du Gäste erwartest (und koche für fünf mehr). Du magst den Polen, der an diesem durchstrukturiertesten Tag des Jahres spontan aufkreuzt, für einen Mythos halten – tus trotzdem.

Vor allem aber und also fünftens: Wage es nicht, dich an den Esstisch zu setzen, bevor du nicht dem Brauch des Oblatenteilens gefrönt hast. Das geht so: Jede und jeder Anwesende erhält eine Oblate – ein etwa handygrosses Stück Esspapier mit Heiligenbildli-Prägung – in die Hand gedrückt. Dann steht man immer zu zweit zusammen, bricht ein Stück der Oblate des jeweils anderen ab und bedankt sich für alles, was der einem im ausgehenden Jahr Gutes getan hat, und wünscht ihm alles Liebe für das kommende. Und das macht, notabene, jede mit jedem. Man rechne. Natürlich wirds rasch mal ergriffen-überschwänglich und letztlich tränenreich; als Kind wunderte man sich jeweils, als Teenager schämte man sich furchtbar fremd. Und dann begann man das Ganze plötzlich zu schätzen. Sollte ich je Kinder haben – ich werde sie so was von zum Oblatenteilen zwingen.

Jetzt, sechstens, darfst du zu trinken beginnen. Na zdrowie!

Wenn das Grosi brennt

Christian Brüngger, Redaktor Sport

Als an Weihnachten nicht nur die Kerzen bei uns brannten, sondern auch das Grosi, gerieten wir in ein Dilemma. Die Gute hatte sich beim Bücken beziehungsweise beim Geschenke-unter-dem-BaumHervorklauben zu nahe an eine Kerze gewagt. Der Gestank war ähnlich imposant wie die Reaktion meiner Schwester. Während der Rest noch das haarige Feuerwerk bestaunte, brachte sie das Brennen mit einem beherzten Handgriff unter Kontrolle.

Aber eben, das versengte Grosi, das letzte unserer Familie, stimmte uns nachdenklich: Müssen wir künftig wirklich den geliebten Baum mit Elektrokerzen verschandeln – oder zumindest Feuerlöscher prominent dazustellen, fragten wir uns? Wir einigten uns in Abwesenheit der Grossmutter auf unsere Schnelligkeit, also die Tradition, sprich: Naturkerzen ohne Feuerlöscher. Mittlerweile sind die Wachsleuchten trotzdem ersetzt, weil Kinder dazugekommen sind. Und beim Nachwuchs geht Sicherheit über Tradition! Davon aber hat das Grosi nichts mehr erfahren.

Foto: Lambert (Getty Images)
Foto: Lambert (Getty Images)

Wer hat Angst vor Knickebein?

Alexander Kühn, Gastrokritiker «Züritipp»

Weihnachten war für mich als Kind vor allem eines: das Fest des Zasters. Freudig erregt öffnete ich die finanzielle Segnungen verheissenden Päckchen aus Deutschland. Ich wusste, meine Grossmutter und meine Grosstanten würden das nach Geld und Playmobil-Raffzügen im Franz Carl Weber dürstende Kind im fernen Langnau am Albis nicht im Stich lassen. Da war aber noch etwas in den Päckchen: Niederegger-Marzipan, wenn man Glück hatte, und teutonische Schokoweihnachtsmänner, wenn man Pech hatte. Unter Letzteren jeweils eine ganze Reihe mit der Aufschrift «Knickebein». Was bedeutete, dass sie mit einem Mix aus Schokoladencreme, Frucht- und Eierlikör gefüllt waren.

Das Wort «Knickebein» galt uns Kindern bald als Synonym für «ekelhaft», und wir versuchten uns mit einer Mischung aus Faszination und Ekel daran, einen Knickebeinweihnachtsmann in seiner ganzen Grösse zu verspeisen. Zur Sicherheit taten wir das stets in unmittelbarer Nähe eines Abfalleimers, in den wir das Knickebeinzeugs notfalls spucken konnten. Der Notfall war natürlich der Normalfall. Als sich allmählich die Erkenntnis durchsetzte, dass es mit uns und dem Knickebein nichts werden würde, drängten wir die suspekten Weihnachtsmänner Fürsorge heuchelnd den Erwachsenen auf. Fast noch freudiger als beim Auspacken der Geschenke verfolgten wir, wie Papa, Mama, Onkel und Tanten in die schauerliche Ware bissen, überzeugt, auch ihnen würde ob des Knickebeins das – Verzeihung! – Kotzen kommen.

Doch es ereignete sich nichts dergleichen. Wir kamen also zur Überzeugung, dass Erwachsensein vor allem auch bedeutete, anderen etwas vormachen zu müssen. Denn die Geschichte mit Maria und der Unbefleckten Empfängnis schien uns ebenfalls wenig glaubwürdig.

Fuss verloren, jedes Jahr

David Hesse, Redaktor Hintergrund

Es braucht keinen Baum, versichert sich die Familie jedes Jahr. Nur ein paar Kerzen sollen es sein, ein paar Tannenäste; grosses Fest, dezent markiert. Man muss nicht jede Altvätersitte endlos weitertreiben. Bei fortschreitendem Advent dann aber fehlt etwas. Und zuletzt muss der Vater doch los und ein Last-Minute-Tännchen erwerben, weil es ohne eins nicht richtig Weihnacht würde. Jedes Jahr. Es ist stärker als wir.

Oft geschieht der Baumkauf erst am 24. Dezember, wird die Tanne bei zwielichtigen Holzhändlern an der Autobahnausfahrt oder in der traurigen Do-it-Abteilung einer Migros erstanden. Egal, am Ende steht das Gewächs daheim in der Stube. Das heisst, es lehnt noch, weil jedes Jahr der verflixte Fuss fehlt – der antike, ererbte, mit Wasser zu befüllende flaschengrüne Christbaumständer mit all seinen Frankensteinschrauben und metallenen Halterungen. Wo nur haben wir ihn versorgt letztes Jahr, nachdem der vertrocknete Ex-Baum aus dem Fenster und vor die Haustür bugsiert war? Im Estrich, diesem dunkel wuchernden Durcheinander aus Kinderverkleidungen, Skischuhen und Aktenkartons? Oder im Treppenhaus, in einem dieser beunruhigend tiefen Schrankkästen?

Jedes Jahr von neuem durchsucht die Familie das vermeintlich übersichtliche Mehrfamilienhaus nach dem Tannenbaumfuss. Das schweisst zusammen: Eingespielte Suchtrupps übernehmen etablierte Routen, nachrückender Nachwuchs wird laufend integriert. «Frankenständer!» ruft aus, wer fündig wird. Die Beute wird ins Wohnzimmer getragen wie ein erlegtes Tier. Der Sieg ist unser, auch dieses Jahr. Das ist wie Weihnachten.

Foto: Nehring (Getty Images)
Foto: Nehring (Getty Images)

Die Revolution der Mutter

Claudia Schmid, Redaktorin Gesellschaft

Seit meine Eltern vor ein paar Jahren das Haus verkauft, sich vom Familienplunder befreit haben und in eine kleine Wohnung gezogen sind, gibt es keine Rückkehr in die Kindheit mehr. Dort, wo meine Eltern jetzt wohnen, sind nur sie zu Hause. Es gibt kein Kinderzimmer, keine alten Tagebücher, keine vertrauten Gerüche mehr und nur noch wenig bekannte Möbel. Dafür zwei neue, weisse Ledersofas; unbequem und rutschig. Nicht mal an Weihnachten bin ich in der fremden Heimat. Etwa zwei Jahre nach der Auflösung des Elternhauses kündigte meine Mutter nämlich die nächste Revolution an: Ab sofort gebe es keine gemeinsame Weihnachtsfeier mehr. Die Tatsache, dass mein Bruder und ich beide einen Partner und mittlerweile auch Kinder haben, schien für sie der perfekte Zeitpunkt, um sich von diesem Ritual zu befreien. Wir hatten nichts dagegen. Seither fahren meine Eltern gerne in die Berge. Was mein Bruder macht, bekomme ich manchmal gar nicht mit.

Ich selber denke immer erst in letzter Minute daran, etwas zu organisieren, weil ich mich noch immer nicht daran gewöhnt habe, dass ich an Weihnachten nicht nach Hause muss. Einen Christbaum zu kaufen, käme mir nie in den Sinn, zum Kochen bin ich an den Festtagen zu faul. Deshalb lade ich mich gerne selber ein – bei den Eltern meines Freundes, den Eltern meiner vietnamesischen Schwägerin, die grossartig kochen, bei Freunden.

Manchmal läuft auch gar nichts. Am 24. Dezember vor zwei Jahren hatte ich nicht mal eingekauft. Mit meinem Freund ass ich ein aufgetautes Moitié-Moitié-Fondue aus dem Tiefkühler mit altem Brot. Das Fondue machten wir in der Pfanne, weil wir das Caquelon nirgends finden konnten. Geschenke gabs keine. Es waren trotzdem die schönsten Weihnachten: In der Krippe im Wohnzimmer lag unsere zehn Tage alte Tochter.

Die Hoffnung aus dem Welschland

Lynn Scheurer, Produzentin

Ich war ein geschenkgeiles Kind. Vor meinem Geburtstag fragte ich mich jeweils, ob alle meine Päck­­li in unseren Briefkasten passen werden. Die Sorge erwies sich als unbegründet. Trotzdem blieb da diese Angst: Was, wenn der Pöstler einen Teil meiner Geschenke wegen Platzmangel wieder mitnimmt? Zu dieser Fixierung kommt schlechtes Timing: Mein und Jesu Geburtstag liegen vier Tage auseinander. Die Anspannung eines langen, geschenklosen Jahres entlud sich also jeweils innerhalb weniger Tage.

Man könnte denken, dass ich nach dieser orgiastischen Dezemberwoche in eine Art postnatale Depression verfallen sei. Das Einzige, was nach dem Weihnachtsfest blieb, war ja die Aussicht auf ein weiteres langes, geschenkloses Jahr. Dass ich trotzdem nicht verzweifelte, verdanke ich einem gütigen Mann aus dem Welschland. Er heisst Père Noël, und er legt am Morgen des 25. Dezembers ein allerletztes kleines Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Jedes Jahr.

Wenn meine Brüder und ich also nach dem Weihnachtsfest unsere Beute sortierten (jeder in einer anderen Ecke der Stube), dann war da zwar eine Traurigkeit, weil nun alles aufgerissen und aufgefressen war, doch immer auch ein Funke Hoffnung und Zuversicht. Morgen kommt ja noch der Père Noël! Schnell ein Paar Schuhe aus dem Keller holen und unter den Baum stellen. Vergisst man das, kriegt man nichts, da kennt Père Noël keine Gnade. Das letzte Ritual am Abend des 24. Dezembers ist für meine Brüder und mich immer gleich –auch heute noch: Schuhe unter den Baum, ins Bett gehen, und sich darüber freuen, dass man vom Geschenktrip noch nicht sofort runter muss. Und dass Weihnachten noch nicht ganz vorbei ist.

Foto: John Dominis (Life, Getty Images)
Foto: John Dominis (Life, Getty Images)

Weihnachten im Hotel

Edgar Schuler, Ressortleiter Hintergrund

Weihnachten im trauten Heim? Klar überschätzt. Das Warenhaus Globus ist auf der richtigen Spur, wenn es seine Vorweihnachtsverkaufssonderpromotionsaktion unter das Motto «Weihnachten im Grandhotel» stellt: Die festlichen Tage sind einfach massiv entspannter, wenn sich ein Sonderkommando von Portiers, Köchen, Kellnern, Gouvernanten und Zimmermädchen rund um die Uhr um einen kümmert. Keine Frage. Nicht gerade im Palace oder im Kronenhof, aber doch in einem behaglichen Haus mit 500 Quadratmetern Wellnesslandschaft und Sechsgang-Festtagsmenü verbringe ich seit ein paar Jahren Weihnachten mit der Familie. Nicht einfach aus Bequemlichkeit, sondern wegen der betagten Schwiegermutter im fernen Österreich.

Und tatsächlich: Die Weihnachten der Jugendjahre, die ja immer auch etwas Bemühtes hatten, verblassen in der Erinnerung neben dem Glanz eines sorgenfreien Hotelaufenthalts. Kein stundenlanges Christbaumdekorieren, kein Panikeinkauf von Brennstoff fürs Fondue-chinoise-Rechaud in letzter Minute, kein schlechtes Gewissen, wenn man – statt der bereits leicht gereizten Hausfrau in der Küche beim Präparieren der Nährbeilagen zu helfen – schon mal kräftig dem Apéro zuspricht.

Und nachher, weil ja kein Abwasch droht, bleibt vielleicht Zeit für tatsächlich Besinnliches. Etwa für den Gang bei Glockengeläut unterm besternten Himmel zur Mitternachtsmesse.

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