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Wir müssen die Kinder wehrhaft machen

Wenn Kinder nicht wissen, wie sie Belästiger im Internet blockieren können, haben Eltern und Schulen bei der Aufklärung versagt.

MeinungCatherine Boss

Die Studie «EU-Kids online Schweiz 2019» zeigt, dass Kinder und Jugendliche zunehmend Gefahren im Internet ausgesetzt sind. Bereits Elfjährige schauen sich im Internet Pornos an. Andere treffen sich mit fremden Erwachsenen, die sie in Chats kennen gelernt haben.

Das mag erschrecken. Doch ein anderes Resultat der Umfrage bei über 1000 Schülerinnen und Schülern ist alarmierender: Zu viele Kinder sind nicht darüber informiert, wie sie sich gegen Gefahren wehren können. Unter den Elf- und Zwölfjährigen gaben 18 Prozent an, sie wüssten nicht, wie man einen unerwünschten Kontakt blockiert. Fast jeder Dritte hat noch nie davon gehört, dass man proble­matische Inhalte melden kann.

Kinder erzählen nur von beschämenden Erfahrungen, wenn die Erwachsenen ihnen zuhören und sie nicht verurteilen.

Das deutet darauf hin, dass viele Eltern, aber auch manche Lehrerinnen und Lehrer diese Erziehungsaufgabe vernachlässigen. Wir zeigen den Kleinkindern zwar, wie sie einen Fussgängerstreifen sicher überqueren können. Möglichst einprägsam erklären wir ihnen auch, dass sie auf keinen Fall in ein fremdes Auto einsteigen dürfen.

Und dann? Dann werden diese Knirpse älter, schnappen sich unser Tablet für ein Game oder kriegen ihr erstes Smartphone. Und schon sind sie in einer Welt, die unendlich viele Chancen bietet – aber auch Gefahren. Doch viele Kinder sind nicht oder nur ungenügend darauf vorbereitet.

Man darf von Eltern aber erwarten, dass sie sich die Zeit nehmen, um sicherzustellen, dass ihre Kinder wissen, wie sie Belästiger blockieren können und dass sie allerhöchstens dann einen Fremden treffen dürfen, wenn sie zuvor eine Drittperson darüber informiert haben. Auch ist es von Schulen nicht zu viel verlangt, dass sie solches mit den Kindern und Jugendlichen einmal im Jahr besprechen. Die wichtigste, aber schwierigste Vorkehrung aber ist eine Gesprächskultur, in der sich die Kinder getrauen, über ihre Erlebnisse zu reden. Sie erzählen von peinlichen, vielleicht sogar beschämenden Erfahrungen nur, wenn die Erwachsenen ihnen zuhören und sie nicht verurteilen.

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