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Wo die Scheidungsrate am höchsten ist

Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind erstaunlich: Während sich im Appenzell Innerrhoden nur jedes fünfte Ehepaar scheiden lässt, halten es im Spitzenreiterkanton 60 Prozent nicht mehr miteinander aus.

Vier von fünf Ehepaaren in Appenzell Innerrhoden bleiben zusammen, bis dass der Tod sie scheidet. Nur 19 Prozent beträgt hier die Scheidungsziffer – so tief ist sie in keinem anderen Schweizer Kanton. Das zeigt eine kantonale Auswertung des Bundesamtes für Statistik für das Jahr 2009. Zum Vergleich: In Zürich werden 50 Prozent der Ehen geschieden, in Neuenburg gar 60 Prozent.

«Ich glaube nicht, dass Paare bei uns weniger Probleme haben», sagt Martin Weidmann von der Sozialberatung Appenzell gegenüber der Zeitung «Sonntag». Ihn besuchen Eheleute, deren Beziehung in der Krise steckt. «Vielleicht lässt man sich bei uns nicht so schnell scheiden, weil viele hier katholisch sind und Werte wie die Treue noch zählen.»

Katholisch oder reformiert

Die Wissenschaft bestätigt seine Vermutung. Caroline Arni lehrt an der Universität Basel Geschichte, sie hat sich im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit mit Ehe und Scheidung im 20. Jahrhundert auseinandergesetzt. «Tendenziell lässt sich sagen, dass in katholischen Gebieten weniger geschieden wird. Hier ist die Ehe aus religiöser Perspektive ein ‹unauflösliches Sakrament›, während die protestantische Reformation das Scheidungsrecht eingeführt hat.»

Der reformierte Kanton Appenzell Ausserrhoden bestätigt dieses Bild: Hier werden über 50 Prozent der Ehen geschieden. Noch höher liegt die Ziffer im Kanton Neuenburg. Die Scheidungsquote, die auf dem Vergleich mit der Anzahl der Frischvermählten im selben Jahr basiert, beträgt in diesem Kanton 60,3 Prozent – das ist Schweizer Rekord.

Bei der kantonalen Eheberatung in Neuenburg herrscht Ratlosigkeit. «Wir leben in einer Zeit, in der alles sehr schnell geht. Viele geben heutzutage auf, wenn sie Eheprobleme nicht sofort lösen können.» Betroffenheit zeigt das kantonale Büro für Familienpolitik. «Die hohe Scheidungsquote ist nicht einfach eine Zahl. Die zahlreichen Trennungen haben Folgen: Viele alleinerziehende Mütter rutschen in die Sozialhilfe ab.»

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