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Zielscheibe für niederste Instinkte

Weil sich Natascha Kampusch weigert, ein Opfer zu sein, wird sie gehasst.

An ihr wurden schlimmste Verbrechen verübt. Und jetzt sieht sie sich mit Hass im Internet konfrontiert: Natascha Kampusch. Foto: Patrick Runte
An ihr wurden schlimmste Verbrechen verübt. Und jetzt sieht sie sich mit Hass im Internet konfrontiert: Natascha Kampusch. Foto: Patrick Runte

Sie erlebte das Unglück, als Zehnjäh­rige entführt und von ihrem Peiniger jahrelang in einen Kerker gesperrt worden zu sein. Dann hat Natascha Kampusch das Undenkbare getan. Sie trat nach der Befreiung als starke Persönlichkeit an die Öffentlichkeit und erzählte von ihrem Schicksal. Seither wird sie angefeindet.

Befreit wurde Natascha Kampuschim Jahr 2006 – was seither passiert ist, tönt wie der Dreisatz moderner Öffentlichkeit: Klassische Medien streuten Verschwörungstheorien zu ihrer Entführung, es begann ihr Misstrauen und Feindschaft entgegenzuschlagen. Und seit dem Siegeszug der sozialen Medien erlebt die Österreicherin nun die volle Wucht eines Cybermobs, der seine Frustrationen auf Kampusch projiziert.

Man habe sie schon «habgierig, mediengeil, verlogen oder fresssüchtig» geschimpft, schreibt sie in ihrem neuen Buch. Nach ihrer Gefangenschaft, so verriet sie unlängst bei Markus Lanz im ZDF, sei sie in ein Umfeld mit nicht nur einem, sondern vielen Feinden gekommen.

Das ist nicht nur unendlich traurig, es ist auch empörend und ein Armutszeugnis: einerseits für die sozialen Medien, die niederste menschliche Instinkte fördern, für die Techkonzerne, die davon profitieren, und die Justiz, etwa in Deutschland, die übelste Beschimpfungen, wie neulich gegen Renate Künast, als «Beitrag in der Sache» einschätzt. Vor allem aber für jene Menschen, die solche Dinge tun und vermutlich noch Spass daran haben. Auch wenn man ihnen nicht gerade Kellerhaft wünschen mag, sollte man sie doch mit aller Konsequenz zur Verantwortung ziehen.

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