Zurück in die Zukunft

Der Rummel um das Smartphone-Spiel «Pokémon Go» ist nicht übertrieben. Es erlaubt einen Blick in die Welt von morgen.

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Wer über 25 ist, ist ratlos. Seit einer Woche spricht (und schreibt) alles über «Pokémon Go», ein Computerspiel für das Smartphone. Laut einer gängigen Anleitung funktioniert es so: «Sobald ein Pokémon auftaucht, vibriert ‹Pokémon Go›. Jetzt sollte man möglichst nah zu dem Wesen gehen und es anklicken. Dann öffnet sich die Kamera, und das Pokémon erscheint im Kamerabild. Gleichzeitig ist unten in der Mitte der Pokéball zu sehen. Den wirft man mit einer Wischbewegung auf das Pokémon.» Wer über 25 ist, bleibt auch nach dieser Lektüre ratlos.

Dabei spielen bereits Millionen «Pokémon Go». Auch in der Schweiz, wo es offiziell noch nicht zu haben ist, wurden schon Spieler beobachtet. Sie sind daran zu erkennen, dass sie mitten auf der Strasse ihr Smartphone hochhalten und sich im Kreis drehen. Das Spiel ist wie eine Sucht: Betroffene verhalten sich absurd und ziehen sich in eine Welt zurück, in der sie sich nur mit anderen Pokémon-Jüngern austauschen. Der Rummel hat innert Tagen weltweit ein Ausmass erreicht, das man nicht für möglich hält. Ausser man erinnert sich an den Rubik-Würfel, die Panini-Bilder der letzten 15 Welt- oder Europameisterschaften und – Überraschung! – an die alten Pokémon-Sammelkarten der 90er-Jahre, als Kinder mühelos Hunderte von Figuren auseinanderhalten und benennen konnten.

Was man daraus lernt? Auch dieser Rummel wird als blasse – und für manche peinliche – Erinnerung enden. Das ist aber nur die eine Hälfte der Lektion. Die andere geht so: Dem Hersteller Nintendo ist es gelungen, seine Erfindung aus der hohen Zeit der Spielkonsolen in die schöne neue Welt des allzeit und überall verfügbaren Internets zu übertragen. Es ist die erste massentaugliche Anwendung von Technologien, die es sonst noch nicht recht über die Labors von Silicon Valley hinaus geschafft haben. So krud die Algorithmen und Grafiken von «Pokémon Go» noch sind: Das Spiel ist ein Vorgeschmack auf eine Zukunft, in der virtuelle und computergestützte Realität so alltäglich ist wie heute ein iPhone. Auch um dieses «Gadget» war einst der Rummel gigantisch, und sein baldiges Ende wurde vorausgesagt.

Erstellt: 15.07.2016, 21:58 Uhr

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