Mode für alle

Hinz und Kunz sitzt schon bald neben Anna Wintour: Givenchy verlost Tickets für die kommende Modenschau.

Da wars noch exklusiv: Die Show der aktuellen Herbst-/Winterkollektion des Modehauses Givenchy.

Da wars noch exklusiv: Die Show der aktuellen Herbst-/Winterkollektion des Modehauses Givenchy. Bild: François Mori /Keystone

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An einer Modenschau in der ersten Reihe mit Kanye West und Kim Kardashian plaudern, Anna Wintours nach dem morgendlichen Tennistraining in Form geföhnten Bob mal von nahem betrachten – das wärs. Auf Twitter ging letzte Woche mit einigen Usern schon mal die Fantasie durch. Denn ausgerechnet das exklusive Pariser Modehaus ­Givenchy hatte verkündet, dass für die Präsentation der kommenden Frühlings-/Sommerkollektion 1200 Gratis­tickets für die breite Öffentlichkeit bereitgestellt worden seien.

Und tatsächlich: Auf der Website www.givenchynyfw15.com werden seit letzten Montag 820 Tickets verlost. Weitere 280 Billette sind laut Givenchy für Modestudenten reserviert; 100 Billette gehen an die Anwohner der noch unbekannten New Yorker Lokalität, in der die Show dann stattfinden wird.

Die Ticketvergabe an jedermann kommt nicht nur überraschend, sie ist eine Sensation. Modenschauen waren bis vor kurzem Anlässe, die nur einem exklusiven Zirkel von Modejournalistinnen, Einkäufern und Prominenten vorbehalten war. Bis der inzwischen verstorbene Alexander McQueen beschloss, seine neuen Kleider nicht nur den Gästen im Raum, sondern via Livestreaming auch den Fans zu Hause an den Computern in Echtzeit zu zeigen. Das war vor sechs Jahren. Und angesichts der von Bloggern – den schnellsten Bericht­erstattern, seit es die Modekritik gibt – initiierten Demokratisierung von Mode eine logische Entwicklung. Givenchy macht nun aber den radikalen Schritt hin zu «Mode ist für alle da».

Zwei Fliegen auf einen Schlag

Die Idee ist gut, sehr gut sogar. Die Givenchy-Show findet am 11. September statt. Dass gerade an diesem Tag der Bevölkerung New Yorks dermassen freundlich und einladend begegnet wird, ist schön. Gegenüber dem Branchenblatt «Women’s Wear Daily» sagte Givenchy-Chefdesigner Riccardo Tisci: «Das ist ein sehr sensibles Datum für Amerika, deswegen wird die Show die Themen Familie und Liebe behandeln.»

Noch besser ist die Idee aber, weil sie zwei Fliegen auf einen Schlag trifft. ­Einerseits sammelt Givenchy mit dem Projekt Sympathiepunkte. Andererseits werden in vier Tagen mindestens 1100 aufgeregte Givenchy- und Modefans vor den Türen zur Show stehen. Fans, die Geld für Flüge und New Yorker Hotelzimmer zusammengekratzt haben, um einmal im Leben eine echte Modenschau zu sehen. Sie werden begeistert via Instagram, Snapchat und Twitter verbreiten, weshalb Givenchy so toll ist.

Riccardo Tisci ist ein cooler Typ, der es schon immer aussergewöhnlich gut verstand, den entspannten Stil von der Strasse in seine Kollektionen zu transportieren. Tisci ist aber auch clever. Mittels einer wahren Social-Media-Armee lässt sich prima Öffentlichkeitsarbeit betreiben – und erst noch auf effizientere und glaubwürdigere Weise als Modehäuser wie Chanel oder Hugo Boss, die seit Jahren ideenlos ganz Hollywood in ihre ersten Reihen oder auf den Laufsteg verpflanzen.

Und wie wenn das alles nicht schon genug wäre: Inszeniert wird die Show von niemand Geringerem als Performancekunst-Übermutter Marina Abramovic. Bei Givenchy weiss man wirklich, was intelligente PR ist.

Erstellt: 07.09.2015, 04:50 Uhr

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