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Prothesen aus dem Drucker

Ein Amerikaner konnte im Südsudan einem verletzten Teenager helfen. Er besorgte ihm Prothesen – mit einem 3-D-Drucker.

Der 14-jährige Daniel Omar hat im März 2012 durch eine Bombenexplosion beide Hände verloren.
Der 14-jährige Daniel Omar hat im März 2012 durch eine Bombenexplosion beide Hände verloren.
Not Impossible/Project Daniel
Mit der Prothese kann der Junge erstmals seit zwei Jahren wieder selbstständig essen.
Mit der Prothese kann der Junge erstmals seit zwei Jahren wieder selbstständig essen.
Not Impossible/Project Daniel
Not Impossible/Project Daniel
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Der 14-jährige Daniel Omar hat im März 2012 in den südsudanischen Nuba-Bergen Kühe gehirtet, als über ihm eine Antonow-Maschine Bomben fallen liess. Daniel flüchtete hinter einen Baum, umfasste mit beiden Armen den Stamm. Der Stamm schützte zwar den Körper des Jungen, doch die Explosion zerfetzte ihm beide Hände. Daniel wusste um die Bürde, die er seiner Familie aufgrund seiner Verletzung bereitete: «Ich kann gar nichts machen, niemandem helfen», sagte er einem «Time»-Reporter, wenn er wählen könnte, wäre er bei der Explosion lieber gestorben.

In Los Angeles las Mick Ebeling vom Schicksal des Jungen, berichtet der «Guardian». Der Kalifornier ist der Gründer eines amerikanischen Start-ups namens Not Impossible Labs – einer Non-Profit-Organisation, die sich mit frei zugänglichen Geräten für Menschen mit unüberwindbaren körperlichen Behinderungen einsetzt. Im vergangenen November setzte sich der Kalifornier in den Flieger und reiste für einen Monat in den Sudan – er wollte Daniel Oman finden und ihm einen neuen Arm schenken.

Simple Mechanik

Ebelings Innovation ist ein 3-D-Drucker, der Plastikteile herstellen kann. Ausgerüstet mit Drucker, Plastik und Kabel erreichte er die Nuba-Berge im Südsudan. Obschon die durch den 3-D-Drucker gemachten Prothesenteile fast schon wie Hightech aussehen, basiert der resultierende Arm auf einer simplen Mechanik: Bewegungen triggern Kabel, die durch die Prothese laufen. Bewegt also der Benutzer seinen Armstumpf, spannen sich die Drähte, was wiederum die Finger an der Hand bewegen lässt.

Das Projekt hiess von Anfang an Project Daniel – trotzdem war ungewiss, ob Ebeling und sein Team Daniel je finden würden. Der mittlerweile 16-jährige Junge lebt in den Nuba-Bergen, einem umstrittenen Territorium, das in der Vergangenheit immer wieder von Bomben und kriegenden Gruppierungen heimgesucht wurde.

Ebeling fand schliesslich Daniel. Dieser war erst sehr skeptisch gegenüber dem Projekt, doch als die Prothese sass und er erstmals seit zwei Jahren wieder selbstständig essen konnte, änderte sich seine Einstellung. «Es war unglaublich zu sehen, was dieser Moment bei Daniel auslöste», sagte Ebeling.

90 Franken das Stück

Der Philanthrop – hauptberuflich ist Ebeling Filmproduzent – hatte noch ein anderes Ziel: Doktor Tom Catana treffen. Denn der im «Time»-Artikel ebenfalls erwähnte Arzt ist der einzige qualifizierte Amputierer in der Umgebung und sollte ihm bei der Verbreitung seiner 3-D-Drucker-Technologie helfen. Catana willigte ein – seither wird jede Woche eine Prothese mit zwei Druckern produziert. Dies meistens bei Nacht, wenn die Temperaturen genügend kühl sind. Die Maschinen müssen geschont werden. 90 Franken kostet das Stück. Acht ausgebildete Einheimische setzen die gedruckten Teile anschliessend zusammen und passen sie den Bedürfnissen der Träger an.

Noch ist Ebelings Innovation nicht ganz ausgereift: «Es muss mindestens ein Armstumpf vorhanden sein, dass unsere Lösung greift», sagt Elliot Kotek, Co-Gründer von Not Impossible Labs, darum könne man momentan Menschen, die ihren Arm komplett verloren haben, nicht helfen.

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