Scheiden ohne unnötigen Steuerärger

Bei einer Scheidung können auch die Steuern zum Problem werden. Wer aber einige Regeln beachtet, kann zusätzlichen Stress vermeiden. Ratsam ist dies vor allem, wenn beide Ehepartner arbeiten und sie Kinder haben.

Kinder verkomplizieren die Trennung aus steuerlicher Sicht: Meinungsverschiedenheiten bei der Scheidung.

Kinder verkomplizieren die Trennung aus steuerlicher Sicht: Meinungsverschiedenheiten bei der Scheidung. Bild: Fotolia

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Wer sich scheiden lässt, hat schon genug Probleme am Hals und möchte sich nicht auch noch mit Steuerfragen herumschlagen. Dennoch ist es empfehlenswert, einige Regeln zu beachten, um sich unnötigen Ärger zu ersparen. So ist es wichtig, zu wissen, dass Ehegatten bei einer Scheidung für das laufende Jahr separat besteuert werden. Massgebend sind die Verhältnisse vom 31. Dezember. Das heisst, sie werden im darauffolgenden Jahr je eine individuelle Steuererklärung ausfüllen, die als Grundlage für die definitive Veranlagung und die Schlussabrechnung dient (siehe Box).

Dabei muss es nicht zwingend eine Scheidung sein: Auch nach einer Trennung können Ehepartner unabhängig voneinander veranlagt werden. Dies aber nur, wenn die Trennung auch gelebt wird – das heisst, wenn die bei-den je einen eigenen Haushalt führen.

Offene Steuerrechnungen

Oft sind zum Zeitpunkt der Trennung oder Scheidung noch nicht alle Steuern des laufenden Jahres bezahlt. Für die noch offenen Rechnungen werden beide Partner im kommenden Jahr individuell veranlagt. In diesem Jahr bereits bezahlte Rechnungen oder Schulden aus den Vorjahren tragen sie je anteilsmässig. Die getrennten Partner können sich die ausstehende Steuerrechnung des laufenden Jahres aber auch beliebig aufteilen. So kann zum Beispiel auch bei zwei Einkommen eine Person freiwillig die gesamte Schuld übernehmen. Dafür sollten Sie möglichst vor der Schlussabrechnung im Folgejahr bei der Steuerverwaltung einen Antrag einreichen.

Wer zahlt, kann abziehen

Für die Zeit nach der Scheidung hängt fast alles vom Unterhalt ab. Grundsätzlich gilt: Wer Unterhaltszahlungen leistet, kann diese vom steuerbaren Einkommen abziehen. Wer das Geld erhält, muss es als Einkommen deklarieren. Das gilt auch, wenn ein Ehegatte dem anderen seinen Anteil am gemeinsamen Wohneigentum überlässt – den entsprechenden Marktwert kann er als Unterhaltszahlung abziehen. Genau gleich ist es, wenn ein ehemaliger Partner Schuldzinsen oder Liegenschaftsunterhalt des anderen bezahlt. Das gilt aber nur bis zum 18. Altersjahr des Kindes. Danach können Unterhaltsleistungen nicht mehr abgezogen werden – auch wenn weiterhin Geld fliesst. Das volljährige Kind muss die Beiträge auch nicht versteuern.

Mit Kindern kann es steuertechnisch ein wenig komplizierter werden. Bei geschiedenen Paaren orientiert sich die Steuerverwaltung an der Vereinbarung, die ein Gericht oder eine Vormundschaftsbehörde genehmigt hat. Vom steuerbaren Einkommen können die darin aufgeführten Unterhaltsbeiträge abgezogen werden. Je nachdem ob die Kinder minderjährig sind oder nicht, hat das für die Steuerpflichtigen unterschiedliche Folgen. Für jedes Kind bis zum 18. Altersjahr können Eltern im Kanton Bern 6500 Franken vom steuerbaren Einkommen und 18 000 Franken vom Vermögen abziehen. Abziehen darf diese Beträge jener Elternteil, in dessen Obhut das Kind ist. Teilen sich die Eltern das Sorgerecht, können sie je die Hälfte abziehen.

Wenn minderjährige Kinder bereits ein Vermögen besitzen oder ein Einkommen erzielen, so muss dies auch jener Elternteil versteuern, der den Kinderabzug vornehmen kann. Auch hier halbieren sich die Beträge bei geteiltem Sorgerecht. Lohn aus einer Erwerbstätigkeit muss ein Kind aber selber versteuern.

Volljährige Kinder

Für Kinder ab 18 Jahren ist der Kinderabzug nur während der Erstausbildung und solange sie unterstützungsbedürftig sind, erlaubt. Als unterstützungsbedürftig gelten Kinder, deren eigenes Nettoeinkommen 24 000 Franken pro Jahr nicht übersteigt. Die Erstausbildung kann auch eine höhere Fachschule einschliessen, wenn der Entscheid dazu vor der Mündigkeit gefallen ist. Einkommen und Vermögen müssen volljährige Kinder stets selber versteuern.

Wer zum Kinderabzug berechtigt ist, kann seine Steuerlast bei minderjährigen wie auch bei volljährigen Kindern mit folgenden weiteren Abzügen reduzieren: Abzug für Alleinstehende mit eigenem Haushalt – wenn das Kind im gleichen Haushalt lebt (1200 Fr., nur Kantonssteuer), für externe Betreuung bis zum 14. Geburtstag (maximal 3100 Fr., Kanton), für Ausbildung (6200 Fr., Kanton), Versicherung (700 Fr. Kanton, 600 Fr. Bund) und zusätzlicher Abzug bei kleinem und mittlerem Einkommen (variiert nach Einkommenshöhe). Abziehen können Eltern zudem behinderungsbedingte Kosten und Krankheitskosten (soweit diese mit den übrigen Krankheitskosten 5 Prozent des Einkommens übersteigen). Bei geteiltem Kinderabzug ist auch bei allen weiteren Abzügen nur die Hälfte erlaubt.

Erstellt: 19.07.2011, 12:00 Uhr

Ehepaare

Die Gesellschaft ist im Wandel, je länger, je mehr bleiben beide Ehegatten berufstätig. Trotzdem werden sie heute immer noch gemeinsam veranlagt. Wenn es eine grössere Differenz zwischen beiden Einkommen gibt und wenn beide selber Geld sparen wollen, sollten die Ehepartner für eine korrekte Aufteilung der Steuerlast die Progression berücksichtigen.

Wenn sie das nicht tun und stattdessen gemäss ihrem Lohnanteil aufteilen, so bezahlt einer zu viel. Ein Internetrechner, wie ihn die Eidgenössische Steuerverwaltung auf ihrer Website anbietet, berücksichtigt die Progression. Sie kann gewisse Hinweise auf eine angemessene Verteilung der Steuerschuld geben. Eine exakte Berechnung ist aber nicht möglich.

Eine Individualbesteuerung, mit der Ehegatten separat veranlagt werden, würde dem gesellschaftlichen Wandel besser Rechnung tragen als die gemeinsame Veranlagung. Entsprechende politische Bestrebungen sind von einer Umsetzung aber noch weit entfernt.

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