Doping ist erlaubt

Zimmerpflanzen sind im Trend. Damit diese möglichst lange Freude bereiten, sollten diese fünf Tipps beachtet werden.

Plötzlich wieder in: Die Zimmerpflanze. Foto: iStock

Plötzlich wieder in: Die Zimmerpflanze. Foto: iStock

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Man würde es ja nicht denken, aber mit Pflanzen verhält es sich mitunter nicht anders als mit der Mode. Genauso wie ein bestimmter Jeansschnitt mit einem Mal out ist, kann auch eine bestimmte Pflanze plötzlich out sein. Oder eben: plötzlich wieder in. Wie gerade die Zimmerpflanzen.

Sie tun ja auch gut: dem Gemüt und dem Raumklima. Letzteres wird in Form von Sauerstoff- und Wasser­abgabe (die Verdunstung über die Blätter) positiv beeinflusst. Allerdings reicht eine einsame Yuccapalme nicht aus; es gibt aber im Handel eigens dafür gezüchtete Pflanzen.

Apropos Züchtungen: Die Zimmerpflanzen, die man nun wieder lieb hat, weil sie das gerade so populäre Naturflair verströmen, stammen oft aus dem Labor. Die geschlechtliche Vermehrung (das Aussäen) geschieht vor allem noch bei Palmen und Zimmerfarnen, der grosse Teil der Indoorpflanzen jedoch ist vegetativ vermehrt. Das bedeutet, dass eine Pflanze um ein Vielfaches multipliziert wird, indem man Teile der Mutterpflanze – manchmal reichen kleinste Mengen an Gewebe – verwendet. Die Gewebeteilchen werden unter sterilen Bedingungen und auf einem Nährstoffsubstrat unter künstlichem Licht aufgepäppelt. Erst wenn sie gross und robust genug sind, werden sie in eine nicht sterile Umgebung – sprich in einen Topf mit Erde – ins Gewächshaus transferiert. Aber zur Beruhigung all jener, die jetzt erschrecken, weil ihr Grün im Wohnzimmer so gar nicht natürlich entstanden ist, kann festgehalten werden: Die klassische gärtnerische Stecklingsvermehrung wird auch noch praktiziert.

Dummerweise sehen Pflanzen, die gerade ertrinken, oft aus, als wären sie gerade am Verdursten.

Damit aber einer solch sorgfältig und aufwendig gehegten und gepflegten Zimmerpflanze auch ein langes Leben gegönnt ist, sollten ein paar Punkte beachtet werden. Bitte sehr.

1. Mehr Licht!

Zimmerpflanzen leiden am meisten unter zu wenig Licht. Jeder zusätzliche Meter weg vom Fenster hat eine rasante Lichtminderung zur Folge. Mittlerweile sind im Handel zwar ansehnliche Pflanzenlampen erhältlich, die den Zimmerpflanzen das richtige Wellenspektrum zuführen und obendrein wenig Energie verbrauchen. Dennoch reicht es nicht, der armen Pflanze in der dunklen Ecke einfach eine Funzel zur Seite zu stellen. Tageslicht ist immer noch das Beste, und die Lampen sind bloss eine Ergänzung.

2. Nicht ertränken!

Oft stecken die Pflanzen in zwei Töpfen: In einem mit Löchern, der nicht so schön und undicht ist, und deshalb noch in einem zweiten, in einem Übertopf, der hoffentlich schön und hoffentlich 100-prozentig wasserdicht ist. Das ist aber eben auch die Krux: Das Wasser kann nicht wie im Boden abfliessen, und weil viele aus lauter Liebe zu häufig giessen, ertrinken die Pflanzen sozusagen. Dummerweise sieht das dann oft aus, als wären sie am Austrocknen, und es wird noch energischer gegossen. Die verlässlichste Methode, um herauszufinden, ob die Pflanze Wasser benötigt: den Finger in die Erde stecken. Und den Übertopf auf allfälliges Stehwasser kontrollieren. Es gibt zwar Sorten, die ebensolches mögen, aber bei den meisten ist das Gegenteil der Fall.

3. Dünger ist nötig

Weil die Pflanze im Topf und nicht im Boden steht, haben ihre Wurzeln nur sehr begrenzt Raum für die Nahrungsaufnahme. Zudem ist die biologische Aktivität bei Topfpflanzen nahezu inexistent, was bedeutet, dass es in der Erde keine Helferlein namens Mikroorganismen gibt, welche die Nährstoffe in der adäquaten chemischen Form zur Verfügung stellen. Die Pflanze ist deshalb auf Dünger angewiesen. Sehen Sie es so: Eigentlich sind Zimmer­pflanzen wie Haustiere – sie brauchen liebevolle Zuwendung.

4. Wurzelbehandlung

Wenn die Wurzeln den Topf zu sprengen scheinen und der Wuchs merklich kümmerlich wird, sollte umgetopft werden. Hier gilt: Das neue Gefäss sollte im Radius etwa eine Handbreit grösser sein. Beim Umtopfen unbedingt den Wurzelballen aufreissen oder sogar schneiden: Keine Angst, die Pflanze mag das, auch wenn es ein etwas brachialer Akt ist.

5. Der T-Shirt-Faktor

Zimmerpflanzen fühlen sich nur bei T-Shirt-Wetter wohl, da sie ursprünglich vorwiegend in tropischen und subtropischen Klimaregionen beheimatet sind. Das heisst: Im Sommer kann man sie, damit sie auch mal an die frische Luft kommen, auf den Balkon zügeln. Aber Obacht! Man muss sie unbedingt langsam an die neue Umgebung gewöhnen, sonst können sie einen tödlichen Schock erleiden.

Als ich noch ein Greenhorn in Sachen Grün war, habe ich mal eine Aloe vera – zack! – aus dem dunklen Zimmer ans pralle Sommersonnenlicht gestellt, in der Annahme, ich tue ihr was Gutes. Tat ich nicht. Ich schickte sie vielmehr in den sicheren Tod: Die sonst so pralle, aufrechte Aloe hatte sich bereits nach wenigen Stunden in ein braunes, zusammengesun­kenes Häufchen verwandelt, sie wurde nachgerade verbrannt. Darum: Am besten bedeckte Tage wählen oder die Pflanzen beschatten und tageweise, langsam ans direkte Licht gewöhnen. Und schleunigst reinnehmen, wenn Sie draussen im «Tischi» zu frösteln beginnen.

Und jetzt setzen Sie sich hin und lassen das Grün in der Stube auf sich wirken. In diesem Sinne wünsche ich frohe Zimmerpflanzenmeditation!

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.12.2017, 20:11 Uhr

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