Auch faule Läufer leben länger

Wer joggen geht, stärkt sein Herz. Verausgaben muss man sich dabei nicht.

Die Joggingschuhe schnüren lohnt sich gesundheitlich auf jeden Fall. <nobr>Foto: Burst (Pexels)</nobr>

Die Joggingschuhe schnüren lohnt sich gesundheitlich auf jeden Fall. Foto: Burst (Pexels)

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Mögen sich pubertierende Kinder ruhig über das gemächliche Joggingtempo ihrer Erzeuger lustig machen. Soll der Partner doch von dem Bekannten schwärmen, der mit Ende 50 den Marathon in dreieinhalb Stunden absolviert, obwohl man selbst nach dreieinhalb Kilometern schlappmacht. In beiden Fällen gilt: Nicht entmutigen lassen, weitermachen – Hauptsache laufen, denn Joggen ist in jeder noch so geringen Dosis gesund. Zu diesen Ergebnissen kommen australische Sportwissenschaftler und Mediziner im «British Journal of Sports Medicine».

Zwar gilt es unter Ärzten wie Laien als unbestritten, dass Sport – insbesondere Ausdauertraining – etliche Krankheiten verhindern und damit die Lebenserwartung verlängern kann. Über die optimale Dosis und Frequenz gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Ein Team um Zeljko Pedisic von der Victoria University in Melbourne hat deshalb in einer Metaanalyse untersucht, wie sich die Häufigkeit und Intensität des Laufens auf die Sterblichkeit auswirkt. Dazu haben sie die Daten von mehr als 230'000 Erwachsenen aus 14 Studien ausgewertet, in denen die Teilnehmer bis zu 35 Jahre nachbeobachtet wurden.

Schon die kleinste Dosis Bewegung bringts

Auch wer nur ab und zu seine Joggingschuhe schnürt, tut sich demnach Gutes, denn er kann mit einer um 27 Prozent verminderten Sterblichkeit rechnen. Die Sterblichkeit an Herzkreislaufleiden wie Infarkt oder Schlaganfall wird durchs Laufen sogar um 30 Prozent reduziert, jene an Krebserkrankungen immerhin um 23 Prozent. Sterben müssen zwar alle Menschen irgendwann, in der Epidemiologie bezeichnet die Sterblichkeit jedoch die Anzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum.

Der überraschendste Befund der umfangreichen Untersuchung ist jedoch, dass sich bereits eine geringe Dosis Sport äusserst günstig auf die Gesundheit auswirkt. Selbst wer nur einmal die Woche oder noch seltener joggt, dabei nur eine halbe Stunde läuft und in einem langsamen Tempo von weniger als acht Kilometern pro Stunde, profitiert von der Bewegung. Umgekehrt haben die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung nicht feststellen können, dass eine intensivere Belastung besser vor Krankheiten und frühem Tod schützt.

Hobbyläufer sollten ohne Überforderung zehn Kilometer bewältigen können.

«Jede Strecke, die man läuft, ist besser, als nicht zu laufen», schreiben die Autoren. «Eine höhere Dosis führt in unserer Studie aber nicht zu einer stärkeren Senkung der Sterblichkeit und ist deshalb nicht zwangsläufig besser für die Gesundheit.»

Aus medizinischer Sicht gilt es als optimal, sich zwei- bis dreimal pro Woche schweisstreibend zu bewegen und dabei auf mindestens 150 Minuten Ausdauertraining zu kommen, egal ob es sich um Laufen, Rudern, Walking, Schwimmen oder Radfahren handelt.

Eine Faustregel unter Sportmedizinern besagt, dass Hobbyläufer ihren Herzen, Gefässen und anderen Organen Gutes tun, wenn sie ohne Überforderung zehn Kilometer laufen können. Eine Steigerung auf 20 Kilometer oder gar bis zur Marathondistanz geht hingegen nicht mit zusätzlichen Vorteilen für die Gesundheit einher. Womöglich ist sogar die Zehn-Kilometer-Regel zu ambitioniert.

Mehr laufen – länger leben

Statt im Trainingsplan langjähriger Läufer die Kilometer-Zeit von sechs auf viereinhalb Minuten zu senken oder weitere Teilnehmerrekorde bei Marathonveranstaltungen anzustreben, wäre es medizinisch sinnvoller, jene Menschen, die sich bisher gar nicht sportlich betätigen, dazu zu motivieren, sich regelmässig zu bewegen. Pedisic verspricht sich davon erstaunliche Wirkungen: «Unabhängig von der Dosis würde es die Gesundheit der Bevölkerung verbessern und die Menschen länger leben lassen, wenn mehr von ihnen laufen würden.»

Erstellt: 14.11.2019, 15:20 Uhr

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