Airline-Pleiten: Kreditkartenzahler im Vorteil

Fluggesellschaft bankrott, Geld weg – das muss nicht sein. Wer seinen Flug mit der Kreditkarte bezahlt oder eine Pauschalreise gebucht hat, kommt oft glimpflich davon.

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Der Pleitegeier kreist über der Luftfahrtbranche. Allein seit Anfang Jahr sind etwa 30 Airlines in Konkurs gegangen. Der Chef von British Airways, Willie Walsh, rechnet damit, dass wegen der hohen Treibstoffkosten bis Ende Jahr nochmals so viele vom Himmel verschwinden werden. Zwar waren bisher vor allem bei uns unbekannte Gesellschaften wie XL Airways, Zoom oder Maxjet betroffen. Doch auch bei bekannteren Namen rumort es gewaltig. «In Europa fliegen praktisch alle kleinen und mittleren Airlines in sehr dünner Luft», konstatiert der Aviatik-Experte Sepp Moser. «Bei Alitalia und der griechischen Olympic würde ich auf ein halbes Jahr hinaus kein Ticket kaufen.» Nah am Abgrund fliegen laut Fachleuten zum Beispiel auch die skandinavische SAS, die österreichische AUA, die polnische Lot und die ungarische Malev.

Mosers Vorsicht ist begründet. Denn wer direkt bei einer Fluggesellschaft ein Ticket kauft und bar zahlt, hat in aller Regel Pech gehabt, wenn der Airline noch vor dem Abflug der Sprit ausgeht. Das Geld ist verloren, Swissair selig lässt grüssen. Nicht viel besser sieht es aus für Kunden, die ihr Ticket bei einem Reisebüro gekauft haben. Doch es gibt auch Flugreisende, die bei einem Grounding kaum leer ausgehen:

Passagiere, die mit ihrer Kreditkarte bezahlt haben. Wer sein Flugbillett mit einer Visa- oder Mastercard von Postfinance, UBS oder Viseca bezahlt hat, hat gute Chancen auf eine Rückerstattung. In einer TA-Umfrage gaben diese Kartenherausgeber an, dass sie belastete Beträge im Konkursfall wieder gutschreiben können, sofern dem Kunden kein gleichwertiger Ersatzflug angeboten wurde. «Wenn der Kunde sich richtig verhält, kann er den Betrag zurückfordern», bestätigt etwa Postfinance-Sprecher Marc Andrey. Richtiges Verhalten heisst, dass der Kunde zuerst bei der Fluggesellschaft schriftlich sein Geld zurückverlangen muss. Nützt das nichts, kann er der Kartenfirma innert 30 Tagen ab Rechnungsdatum ein Beanstandungsformular schicken samt Korrespondenz mit der Airline, Buchungsbestätigung und - bei unbekannten Fluggesellschaften - einer Konkurs- oder Grounding-Anzeige aus Zeitung oder Internet.

Strenger geben sich die Kartenfirmen Cornèrcard, GE Money Bank und Swisscard. Sie verweisen auf ihr Kleingedrucktes, wonach der Konsument seine Kreditkartenrechnung auch dann zahlen muss, wenn der Anbieter seine Leistung nicht erbracht hat. Immerhin versuchen aber auch sie in einem Konkursfall auf Gesuch hin «ein Storno durchzusetzen», wie Cornèrcard-Direktor Alessandro Seralvo dem «Tages-Anzeiger» schreibt.

Passagiere, die bei einem solventen Codeshare-Partner gebucht haben. Codesharing bedeutet, dass ein Flugzeug für mehrere Airlines eine bestimmte Strecke bedient. Je nach Datum und Flugzeit kommt eine Maschine der einen oder anderen Airline zum Einsatz. Die Fluggesellschaft Swiss beispielsweise hat mit 26 Partnern solche Abkommen geschlossen - unter anderem mit den eingangs erwähnten Lot, AUA und SAS.

Angenommen, jemand hat bei der Swiss einen Flug von Zürich nach Wien gebucht, der von der österreichischen AUA durchgeführt werden soll, die aber vorher Konkurs macht. Dann muss laut dem Reiserechtsspezialisten Rolf Metz die Swiss als Vertragspartnerin des Kunden dafür sorgen, dass dieser ans Ziel kommt. «Wenn sie keinen gleichwertigen Ersatzflug anbieten kann, muss sie dem Kunden den Ticketpreis zurückerstatten und zusätzlich eine Entschädigung von bis zu 250 Euro zahlen.» Der Fall sei dann als Annullierung im Sinne der EU-Verordnung zu werten (siehe Info-Box).

Passagiere, die eine Pauschalreise gebucht haben. Fein raus ist auch, wer ein ganzes Arrangement inklusive Flug gebucht hat. Denn das Pauschalreisegesetz enthält für Programmänderungen strenge Regeln.

Stellt die Airline ihren Betrieb schon vor Reisebeginn ein, muss der Reiseveranstalter für einen Ersatzflug sorgen. Oft ändern sich damit auch die Flugzeiten: Die Abreise erfolgt zum Beispiel statt morgens erst abends oder die Rückreise einen Tag früher. «Falls die Verschiebung bei einem Wochenend-Trip mehr als ein paar Stunden ausmacht, kann der Kunde die Reise absagen und sein Geld zurückverlangen», erklärt Rolf Metz. Bei dreiwöchigen Australien-Ferien müsse man hingegen auch eine Verschiebung des Abflugs auf den nächsten Tag hinnehmen, ohne dass man deswegen auf die Reise verzichten könne. Ein Trost bleibt allerdings: «Reisende, deren Ferienzeit durch die Verspätung wesentlich verkürzt wird, haben Anspruch auf eine anteilmässige Rückerstattung des Reisepreises», so Metz.

Geht die Airline erst während der Pauschalreise bankrott, muss der Reiseveranstalter ebenfalls eine Ersatzlösung suchen. Sind damit Mehrkosten verbunden - etwa weil er One-Way-Tickets zum Normaltarif kaufen muss -, darf er diese nicht auf seine Kunden überwälzen. Falls die Reise wegen der Programmänderung einen Minderwert aufweist, muss er diesen vergüten. Dies gilt auch, wenn die Reise ganz abgebrochen werden muss.

Passagiere, die im Reisebüro schlecht beraten wurden. «Wenn Reisebüros Billette von Fluggesellschaften wie Alitalia vermitteln, die nahe am Bankrott sind, müssen sie ihre Kunden über das Risiko eines Ausfalls aufklären», sagt Rolf Metz. «Tun sie das nicht, sind sie haftbar, wenn die Airline Pleite macht.» Auch bei einem überraschenden Konkurs haben Reisende einen Hoffnungsschimmer: Möglicherweise hat das Reisebüro der Airline das Geld noch gar nicht überwiesen und kann es dem Kunden ohne Aufhebens zurückzahlen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2008, 11:18 Uhr

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