In den Ferien vom Hund gebissen – was tun?

Der herzige Welpe vom Strand kann tödlich sein. Aber das gefährlichste Tier ist keinen Zentimeter gross.

Streicheln kann töten – wenn der Hund mit Tollwut infiziert ist, was in vielen Feriendestinationen durchaus der Fall sein kann. <nobr>Foto: Mike C / Getty Images</nobr>

Streicheln kann töten – wenn der Hund mit Tollwut infiziert ist, was in vielen Feriendestinationen durchaus der Fall sein kann. Foto: Mike C / Getty Images

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Manche sind winzig, aber nicht zu unterschätzen. Andere so herzig, dass man sie knuddeln möchte. Oder so furchterregend, dass man in Panik gerät – und sich prompt falsch verhält. Was bei Tierbegegnungen daheim und im Ausland wichtig ist:

«Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei töten einen Menschen» – das ist Unsinn. Es brauchte mindestens mehrere Hundert Stiche, damit ein Mensch durch das Gift dieser Hautflügler zu Tode kommt. Gefährlich sind die Stiche von Bienen, Wespen & Co. nur in zwei Situationen: wenn jemand schwer allergisch reagiert. Oder wenn das Insekt im Mund oder im Rachen sticht. Dann kann die Schwellung zur Atemnot führen. In beiden Fällen sollte Erste Hilfe geleistet werden. Der Patient braucht sofort Notfallmedikamente (Adrenalin, ein Antihistaminikum, Kortison).

Zwei kleine, rote Punkte an der Hand: Katzenbisse sehen oft harmlos aus. Doch die Zähne dieses Miniraubtiers dringen oft viel weiter ein als vermutet. Sie können mehrere Gewebeschichten durchstechen. Je nach Studie verursachen etwa 30 bis 80 Prozent der Katzenbisse eine Wundinfektion, häufiger, als Hundebisse dies tun (bis 18 Prozent). Der Grund dafür ist nicht, dass die Bakterien im Maul der Katze gefährlicher sind, sondern dass das Risiko unterschätzt wird, das von den Stubentigern ausgeht. Im Jahr 2017 kostete die Behandlung eines Katzenbisses im Schnitt fast 1700 Franken. Noch teurer waren die (oft auch unterschätzten) Menschenbisse mit 2400 Franken.

Zwiebel auflegen

«Die Mücke ist das gefährlichste Tier – weltweit gehen die meisten Todesfälle auf ihr Konto», sagt Jan Fehr, Leiter des Zentrums für Reisemedizin an der Universität Zürich. Die Plagegeister können so bedrohliche Krankheiten übertragen wie Malaria, Zika, Chikungunya, Dengue-, Gelb- oder West-Nil-Fieber.

Plagegeister: Die asiatischen Tigermücken sind vor wenigen Jahren in die Schweiz eingewandert, doch die Gefahr einer Krankheitsübertragung ist zurzeit noch nicht hoch. Foto: Science Photo Library / Getty Images

Im Inland ist von den 36 Mückenarten (inklusive der eingewanderten asiatischen Tiger- und Buschmücken) bislang kaum etwas zu befürchten – ausser jemand reagiert allergisch oder der Stich infiziert sich. Dann sollte man zum Arzt. In exotischen Gegenden aber ist Mückenschutz – wo nötig auch Malaria-Prophylaxe – unabdingbar: Moskitonetz über dem Bett, helle, langärmlige Kleidung, Hosen und Socken tragen und Repellentien benützen. Am wirksamsten sind DEET, Permethrin oder Picaridin (Saltidin, Icaridin). Kratzen nach einem Stich ist übrigens falsch, weil das den Mückenspeichel in der Haut verteilt und es noch stärker juckt. Ein altes Hausmittel: halbierte Zwiebel auflegen.

Auch Streicheln kann töten. Vielen Reisenden sei nicht bewusst, wie verbreitet die Tollwut in vielen Ländern noch sei, warnt Aristomenis Exadaktylos, Klinikdirektor am Universitären Notfallzentrum des Berner Inselspitals. Weltweit stirbt etwa alle zehn Minuten ein Mensch an Tollwut. Hunde übertragen sie am häufigsten, sei es durch Speichel, der in eine (kleine) Hautwunde gerät, oder durch einen Biss. Einmal ausgebrochen, endet die Tollwut fast immer tödlich. Deshalb sollte man – auch wenn sie noch so herzig sind – Abstand halten zu Hunden, Katzen, Füchsen und anderen Wildtieren. Ein «Hotspot» ist Südostasien, besonders gefährdet sind Velotouristen. Personen mit erhöhtem Risiko wird die vorbeugende Impfung empfohlen. Auch wo es keine tollwütigen Hunde gibt, sollte man Hundebisse ernst nehmen, denn im Hundemaul tummeln sich allerhand Bakterien.

Schweiz fast tollwutfrei

Touristen werden nicht selten «vom Affen gebissen», im wahrsten Sinn. Vor allem, wenn sie gefüttert werden, benehmen sich diese Tiere oft ziemlich dreist. «Ein Kratzer auf der Haut und etwas Speichel vom Affen genügen – und schon stellt sich die Frage, ob eine Tollwut-Prophylaxe nötig ist», sagt Fehr. Wer sich vor der Abreise nicht hat impfen lassen, benötigt dann auf die Schnelle mindestens vier Impfungen und spezielle Antikörper, die im Ausland oft schwierig zu beschaffen sind. Hinzu kommt zur Sicherheit ein Medikament gegen Herpesviren vom Affen und eine Tetanusimpfung, falls nötig. Und das alles wegen ein bisschen Popcorn oder anderer Affenleckereien ...

Distanz wahren: Schon nur ein Kratzer auf der Haut und etwas Speichel vom Affen genügen, um sich möglicherweise mit dem Tollwutvirus anzustecken. Foto: Roberto Westbrook / Getty Images

Die Schweiz ist seit 1998 zwar frei von terrestrischer Tollwut. Dennoch gab es auch hier 2017 einen Fall, verursacht durch eine tollwütige Fledermaus, die einen Spaziergänger biss. Fledermäuse können weltweit mit Tollwut infiziert sein. Wer Kontakt mit ihnen hat oder sich in Höhlen aufhält, sollte sich vorbeugend impfen lassen. Der Staub in Höhlen kann Tollwutviren aus dem Fledermauskot enthalten.

Etwa alle fünf Minuten stirbt ein Mensch an einem Schlangenbiss.

«Ruhig Blut!», lautet die erste Regel nach einem Schlangenbiss. Denn Aufregung befördert die Ausbreitung des Gifts. «Das Tier ist genauso im Ausnahmezustand wie der Gebissene. ‹Hühnert› man herum, beisst es unter Umständen noch mal zu», warnt Jan Fehr. «In der Schweiz ist weder das Gift der Kreuzotter noch das der Aspisviper in der Regel lebensgefährlich.» Trotzdem wird empfohlen, einen Arzt zu konsultieren, falls man gebissen wird.

Und im Ausland? Etwa alle fünf Minuten stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an einem Schlangenbiss. Für Touristen ist das Risiko zwar klein, eine Taschenlampe nachts, um den Weg auszuleuchten, und feste Schuhe sind aber trotzdem sinnvoll. Denn die meisten der rund 600 Giftschlangenarten sind nachtaktiv. Wichtig ist, genau hinzuschauen, bevor man sich irgendwo hinsetzt oder hineingreift. Zudem sollte man nicht direkt auf dem Boden schlafen und kein Essen neben dem Schlafplatz aufbewahren. Das lockt Mäuse an, die wiederum Schlangen anziehen.

Weit verbreitet: Das Risiko gebissen zu werden, ist für Touristen zwar klein. Doch solche Klapperschlangen leben in ganz Amerika, von Kanada bis Argentinien. Foto: Hal Beral / Getty Images

Kommt es zum Biss, sollte man die Körperstelle ruhig stellen (etwa in einer Armschlinge) und rasch zum Arzt. Die Wunde weder aussaugen noch aufschneiden und ausbluten lassen oder gar abbinden. «Das Abbinden schadet zusätzlich», warnt Fehr. «Wichtig ist, sofort Ringe und enge Kettchen abzuziehen, da es zu starken Schwellungen kommen kann.»

Ein unbedachter Griff in eine Felsspalte – und schon ist es passiert: Schätzungsweise etwa 3000 Menschen sterben jährlich an einem Skorpionstich. Die drei im Süden der Schweiz vorkommenden Skorpionarten können etwa so schmerzhaft zustechen wie eine Wespe. Ratsam ist, dort, wo giftige Skorpione (oder Giftspinnen) heimisch sind, Schuhe und Kleidung vor dem Anziehen gut auszuschütteln, nicht barfuss zu laufen und vorsichtig zu sein beim Anheben von Steinen oder anderen Gegenständen, unter die sich die wehrhaften Spinnentiere gern zurückziehen.

Qualle & Co: So schützen Sie sich vor Tieren im Wasser. Video: mp

Erstellt: 21.07.2019, 19:28 Uhr

Die wichtigsten Massnahmen

Wenn möglich sowohl das verursachende Tier als auch die Wunde fotografieren. Wunden sofort mehrere Minuten lang gründlich mit Wasser ausspülen, anschliessend desinfizieren.Den Verletzten beruhigen, betroffene Extremität nach Möglichkeit hochlagern und ruhig stellen.

Hohes Infektionsrisiko bergen Bisswunden an der Hand, nahe an Knochen, Sehnen, Gelenken (oder Gelenksprothesen) sowie Wunden, bei denen viel Gewebe zerstört ist. Spätestens bei ersten Anzeichen einer Infektion den Arzt konsultieren. Solche Zeichen sind: Rötung, Wärme, Schwellung, eitriger Ausfluss, Schmerzen, eingeschränkte oder schmerzhafte Gelenkbewegung, Fieber oder Lymphknotenschwellungen (etwa in der Achsel nach Katzenbiss an der Hand).

Wer schon einmal stark allergisch reagiert hat, sollte seine Notfallmedikamente immer mitführen. Wunden können als Eintrittspforte für Wundstarrkrampf(Tetanus)-Bakterien dienen. Deshalb die Tetanusimpfung à jour halten. Nach einem Biss oder anderen Wunden mit hohem Risiko wird eine Auffrischimpfung empfohlen, falls die Person 26 bis 64 Jahre ist und die letzte Tetanusimpfung zehn Jahre oder mehr zurückliegt. Alle anderen und alle mit geschwächtem Immunsystem sollten sich spätestens nach fünf Jahren erneut impfen lassen.

Bei Menschenbissen (durch Kleinkinder, beim Sex oder bei Auseinandersetzungen) auch an die Möglichkeit einer Infektion mit Hepatitis oder HIV denken. Im Zweifelsfall ärztlichen Rat einholen.

Personen mit reduzierter Immunabwehr oder chronischen Krankheiten sollten nach Verletzungen durch Tiere stets zum Arzt gehen. Oft benötigen sie eine besondere Behandlung, etwa ein Antibiotikum. Bezüglich Tollwut-Prophylaxe und anderer reisemedizinischer Fragen: Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten. (mfr)

Quellen: «Deutsches Ärzteblatt», «Kinder- und Jugendmedizin», «Jama», «The Lancet», «Injury Prevention», «Schweizerisches Medizin-Forum», Suva, Beratungsstelle für Unfallverhütung, WHO.

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