Das Land, in dem die Klimaanlagen nonstop laufen

An rund 360 Tagen im Jahr scheint in Katar die Sonne. Dennoch liegt der Anteil Solarenergie im Gastgeberland der Klimakonferenz bei rund null Prozent. Schuld daran ist auch der Staub.

Alles ist von einer feinen Staubschicht überzogen: Glastürme in Doha. (Archivbild Reuters)

Alles ist von einer feinen Staubschicht überzogen: Glastürme in Doha. (Archivbild Reuters)

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Dank schier unendlich erscheinender Öl- und Gasvorkommen gibt es für Katar bislang kaum einen Anlass, Solarenergie zu nutzen. Doch als Gastgeber der Weltklimakonferenz in der Hauptstadt Doha will die Regierung dies nun ändern. Bis 2018 sollen 16 Prozent des Strombedarfs aus Sonnenenergie gewonnen werden.

Nur wenige hundert Meter vom Kongresszentrum entfernt befindet sich die neue Solar-Testanlage auf dem Gelände des Qatar Science and Technology Parks. Mitten auf einer staubigen Freifläche reihen sich dicht an dicht die Solarmodule.

Forschungseinrichtung eingeweiht

Alles wirkt noch etwas improvisiert, Strassen führen ins Nirgendwo, nur ein paar Container stehen auf dem Gelände. Erst am Sonntag wurde die Forschungseinrichtung, die gemeinsam von dem Erneuerbare-Energien-Unternehmen Green Gulf und einer Tochter des US-Konzerns Chevron betrieben wird, eingeweiht. Pünktlich zur zweiten Woche der Klimakonferenz auf der anderen Strassenseite.

Katar ist – gemessen am Pro-Kopf-Einkommen – eines der reichsten Länder der Welt. Verantwortlich für den Reichtum sind vor allem die Öl- und Gasvorkommen, die unter dem Wüstenstaub schlummern. 1938 wurde das erste Öl gefördert, seit den 1990er Jahren investiert das Land zudem massiv in die Herstellung von Flüssiggas.

Höchster Treibhausgasausstoss pro Kopf

Die Schattenseite des Reichtums ist die Klimabilanz: Katar ist weltweit das Land mit dem höchsten Treibhausgasausstoss pro Kopf. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) stiess jeder Katari 2010 knapp 40 Tonnen Kohlendioxid aus, wenn auch mit sinkender Tendenz.

In einem Land, in dem 50 Grad im Sommer keine Seltenheit sind und die Klimaanlagen rund um die Uhr laufen, ist dies kein Wunder. Ein Übriges tut die Tatsache, dass Benzin zum Schleuderpreis zu haben und Autofahren daher günstig ist.

Doch der Energiebedarf des Landes scheint unersättlich zu sein. Die Regierung hofft darauf, mit Solarenergie Meerwasserentsalzungsanlagen betreiben zu können, um den Wasserbedarf des Landes decken zu können. Der Grundstein hierfür soll nun mit der Testanlage gelegt werden.

«Die Idee ist, die beste Technologie für den Standort hier zu finden», erklärt der Präsident der katarischen Chevron-Tochter, Carl Atallah. Mehr als 35 verschiedene Entwicklungen werden daher hier getestet. Es ist die bislang erste Anlage dieser Art in Katar.

Nur das erst kürzlich fertiggestellte Kongresszentrum selbst und Studentenheime der Universität nutzen derzeit überhaupt Solarstrom. Der Anteil der Solarenergie liegt bei rund null Prozent.

«Die grössten Herausforderungen sind Staub, Hitze und Feuchtigkeit», erläutert Amer Al-Rayahi, Energieingenieur bei Chevron. Zu beobachten ist dies in ganz Doha, auch die schicken Glastürme in der Innenstadt sind von einer feinen Staubschicht überzogen.

Die Ingenieure sprechen vom «Staubkuchen», der den Wirkungsgrad der Module erheblich beeinträchtigt, wie Atallah erläutert. Gerade sorgt ein Trupp von Putzleuten dafür, dass zumindest ein Teil der Solarmodule wieder in tiefem Blau erstrahlt.

Energie zu Schleuderpreisen

Allerdings sind die technischen Herausforderungen nicht der einzige Grund, warum es mit den Erneuerbaren Energien in Katar nicht voran geht. Atallah verweist darauf, dass Energie im Emirat einfach zu billig ist. Für Privathaushalte ist der Strom kostenlos und selbst die Industrie zahlt kaum mehr.

«Der einzige Weg ist eine Strategie der Regierung», sagt Atallah, gesteht dem Emir von Katar, Hamad bin Khalifa al-Thani allerdings immerhin «grossen Ehrgeiz» zu. Der bezeichnet den Klimawandel als «eine der grössten Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen» und verweist auf die Folgen für die ganze Welt.

Die Entscheidung der UNO für Katar als Gastgeber der Klimakonferenz erscheint vielen als widersprüchlich. Beobachter der Verhandlungen klagen über die mangelnde Kreativität der Kataris bei der Konferenzführung.

Dennoch hoffen aber viele immer noch darauf, dass der Ölstaat eine Führungsrolle in der Region einnehmen und vor allem ein Gegengewicht zu Saudiarabien schaffen könnte.

Bislang hat Katar noch keine Ankündigung zur Senkung des Treibhausgasausstosses gemacht, erwartet wird dies allerdings in dieser Woche noch. (mw/sda)

Erstellt: 05.12.2012, 23:46 Uhr

Konferenz dauert noch bis Freitag

In die UNO-Klimakonferenz in Doha ist vor dem Abschluss am Freitag Bewegung gekommen. Deutschland und weitere Staaten kündigten an, sie würden in den kommenden Jahren zusätzliche Mittel für den internationalen Klimaschutz bereitstellen. «Beim Kyoto-Protokoll geht es vorwärts», sagte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard zu den Verhandlungen über eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll. Schwieriger sei die Situation allerdings etwa bei den Gesprächen über einen Fahrplan für ein neues umfassendes Klimaabkommen. (sda)

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