Die längste Schnellzugstrecke der Welt

Die Dimensionen sind gewaltig: 230 Milliarden Dollar Kosten, 7000 Kilometer lang. Von Peking nach Moskau soll die Reise nur noch zwei statt sechs Tage dauern, so neuste Pläne.

Rast er schon bald nach Moskau? Hochgeschwindigkeitszug in China.

Rast er schon bald nach Moskau? Hochgeschwindigkeitszug in China.

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Russland und China erwägen einem Medienbericht zufolge den Bau einer Schnellzugstrecke zwischen ihren Hauptstädten Moskau und Peking. Die Fahrtzeit zwischen den beiden Metropolen könnte so von sechs auf weniger als zwei Tage reduziert werden, berichteten chinesische Medien am Freitag. Es wäre die längste Schnellzugverbindung der Welt und ein starkes Symbol für den Schulterschluss beider Nationen.

Chinas Regierungschef Li Keqiang hatte Anfang der Woche Moskau besucht, wo er von seinem Kollegen Dmitri Medwedew und Präsident Wladimir Putin empfangen wurde. Bei dem Besuch hätten beide Seiten ein Memorandum unterzeichnet, in dem China sein Interesse am Bau einer Schnellzugtrasse zwischen Moskau und Kasan bekundet, berichtete der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV. Putin hatte bereits im vergangenen Jahr eine Schnellzugstrecke in die Hauptstadt der ölreichen Republik Tatarstan angekündigt. Doch dann versandeten die Pläne wegen zu hoher Kosten.

33 Millionen Dollar pro Kilometer

Sollte nun China die rund 800 Kilometer lange Strecke errichten, könnte dies die erste Etappe der mehr als 7000 Kilometer langen Strecke von Moskau nach Peking werden. Derzeit fahren pro Woche zwei Züge auf der 1954 eröffneten Direktverbindung zwischen beiden Hauptstädten. Dabei rollen die Züge über die Strecke der transsibirischen Eisenbahn, die sich im Osten aufteilt. Ein Gleis führt weiter in die russische Pazifikmetropole Wladiwostok. Ein anderes führt über die mongolische Hauptstadt Ulan Bator in Richtung Süden nach China.

Binnen fünf Jahren könnte der Bau zu schaffen sein, schrieb die «Beijing Times» unter Berufung auf den Eisenbahnexperten Wang Mengshu. Einer Studie zufolge würde der Streckenkilometer etwa 33 Millionen Dollar kosten, berichtete die Zeitung. Die gesamte Strecke würde demnach mit 230 Milliarden Dollar zu Buche schlagen.

Im Land der Hochgeschwindigkeitszüge

China ist das Land mit dem grössten Netz an Schnellzugverbindungen weltweit und will das Streckennetz bis zum Jahr 2020 auf 16'000 Kilometer ausbauen. Mit mehr als 2000 Kilometern ist derzeit die Verbindung zwischen Peking und Guangzhou die längste Schnellzugverbindung der Welt. Mit seiner Schnellzugkompetenz ist China ein echter Konkurrent für westliche Firmen wie Siemens, Alstom und Bombardier, denn auch Peking will die Technologie ins Ausland exportieren.

Eine Strecke quer über den eurasischen Kontinent passt da ins Bild. Putin hatte in diesem Jahr für mehrere Tage China bereist und dabei umfangreiche Kooperationsabkommen unterzeichnet. Die Nachbarstaaten sind wirtschaftlich zunehmend eng verknüpft. Der verstärkte Ostkurs des Kreml wurde auch als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts interpretiert. Peking wiederum findet in Russland einen Partner mit gigantischen Ressourcen, aber ohne Neigung, Pekings innere Angelegenheiten öffentlich zu kritisieren.

(cpm/AFP)

Erstellt: 17.10.2014, 12:56 Uhr

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