Bericht

Für acht Franken an der Warteschlange vorbei

Premiere in der Schweiz: Der Flughafen Genf schleust Passagiere gegen einen Aufpreis schneller durch die Sicherheitskontrolle. Wie das ankommt und was man in Zürich-Kloten davon hält.

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Sommerferien bedeuten Passagiermassen am Flughafen. Alles dauert länger, vom Check-in über die Bordkarten-, Pass- und Sicherheitskontrolle bis hin zum Boarding. Zumindest bei der Sicherheitskontrolle kommen Passagiere am Flughafen Genf nun schneller durch, sofern sie 8 Franken dafür bezahlen. Ende Juni wurden dafür sogenannte Priority Lanes eingeführt. «Von den 14 Sicherheitsscannern stehen zwei den Passagieren mit Priority-Lane-Buchungen zur Verfügung», erklärt Aline Yazgi, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit des Flughafens Genf, auf Anfrage.

Buchbar ist der neue Service für alle Abflüge ab Genf mit Ausnahme des französischen Sektors und des Charter-Terminals. Spätestens am Tag vor dem Flug kann auf der Website des Genfer Flughafens unter «Vorzugsreihe» die Benützung der Priority Lane gebucht und mit Kreditkarte bezahlt werden. Per E-Mail erhält man einen Code, den man bei der Sicherheitskontrolle vorweist.

Höchstens zehn Minuten Wartezeit

Was, wenn es einen Ansturm auf die bevorzugte Behandlung gibt und es zu Staus kommt? Dem wirkt der Flughafen Genf entgegen, indem die Reservationen nur in beschränktem Mass zugelassen werden. «Unser Ziel ist, dass kein Passagier länger als zehn Minuten bei der Sicherheitskontrolle warten muss – auch derjenige, der nicht in der Priority Lane wartet», so Yazgi. «In Ausnahmefällen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Im Jahresdurchschnitt liegt die Wartezeit jedoch unter zehn Minuten.» Diejenigen mit Reservationen sollen jedoch auf jeden Fall schneller durchkommen als die übrigen Reisenden. Wie viele Buchungen für die Expressschlange zugelassen werden, wird laut der Flughafen-Sprecherin noch abgeklärt. «Wir beobachten die Situation laufend.»

Laufen Priority-Lane-Passagiere nicht Gefahr, wegen des zeitsparenden Service zu knapp an den Flughafen zu kommen? Yazgi sieht kaum ein Risiko: «Wir machen die Passagiere allgemein darauf aufmerksam, sich rechtzeitig am Flughafen einzufinden. Zudem wissen die meisten, dass sie für die Anreise und all die Prozesse am Flughafen genügend Zeit einplanen müssen.» Es sei ja auch im Interesse der Reisenden, dass sie ihren Flug nicht verpassen.

Gute Nachfrage in Genf

Bisher seien die Erfahrungen gut gewesen. «Es gibt zwar keine Lawine an Buchungen, aber die Nachfrage ist auf jeden Fall da», weiss Yazgi. «Das zeigten auch schon Kundenumfragen des Flughafens Genf.» Nachdem bisher First- und Business-Reisende in den Genuss von Priority Lanes gekommen seien, bekunde auch mancher Economy-Passagier das Bedürfnis danach, so die Sprecherin. Buchungszahlen nennt sie jedoch nicht. Ob die neue Dienstleistung eher von Ferien- oder Geschäftsreisenden nachgefragt wird, finde man in den nächsten Monaten heraus.

Der neue Service tangiert Passagiere im Rollstuhl oder mit eingeschränkter Mobilität übrigens nicht. Sie können bei der Sicherheitskontrolle nach wie vor einen für sie reservierten Durchgang benützen.

Heutiges System bewährt sich in Zürich

Am Flughafen Zürich sind die Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle ähnlich wie in Genf. Dennoch sind keine Fast Lanes geplant. «Die Wartezeiten sind generell niedrig und die Wege kurz. Es gibt selten Anschlussprobleme», sagt Jasmin Bodmer, Sprecherin des Flughafens Zürich, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Aus diesem Grund benötigen wir auch keine Fast Lanes.» Am Flughafen Zürich gibt es laut Bodmer bei der Bordkarten- und der Sicherheitskontrolle separate Zutrittslinien für First- und Business-Reisende und für Economy-Passagiere. Dieses System habe sich im Betrieb gut bewährt, es gebe keine längeren Wartezeiten.

Ausserhalb der Schweiz betreiben bereits mehrere Flughäfen Priority Lanes bei der Sicherheitskontrolle, die nicht nur First- und Business-Passagieren vorbehalten sind: So führte man bei der Luftfahrt-Drehscheibe Frankfurt vor rund einem Jahr die Priority Lanes für diejenigen Passagiere ein, deren Weiterflug unmittelbar bevorsteht. «Es war höchste Zeit dafür», sagt Hansjörg Bürgi, Chefredaktor der Aviatikzeitschrift Skynews.ch. Das Umsteigen sei in Frankfurt sehr mühsam. Vor der Einführung der Priority Lanes wartete Bürgi geschlagene 45 Minuten bei der Sicherheitskontrolle und verpasste beinahe den Anschlussflug. Er begrüsst es auch, dass Paris ein solches System für die Umsteigepassagiere eingerichtet hat. «Am Flughafen Charles-de-Gaulle ist das Umsteigen extrem kompliziert. Dort habe ich deswegen schon einen Weiterflug verpasst.» Weitere europäische Flughäfen mit Priority Lanes bei der Sicherheitskontrolle sind etwa Liverpool, London-Luton und Marseille. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.07.2013, 11:31 Uhr

Umfrage

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