Ittigen

In der Luft war sie Mädchen für alles

Die frühere Stewardess Emily Salz-Schneider gehörte zu den Pionieren der Schweizer Luftfahrt.

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Sie wird bald 90 Jahre alt. Blickt Emily Salz-Schneider aus Ittigen BE zurück, tauchen in ihrem Lebenslauf bewegte Jahre auf: Als junge Frau lebte die Stewardess zwischen Himmel und Erde. Sie gehörte zu den Pionieren der Schweizer Luftfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg, und die Leute bei der Swissair nannten sie «das tapfere Schneiderlein».

Mädchen für alles

Mai 1945: Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Deutschland liegt in Trümmern. Die internationale Luftfahrt beginnt. Die US-Langstreckenbomber hatten nicht nur ihre tödliche Fracht abgeworfen, sondern der Zivilluftfahrt auch neue Perspektiven vermittelt.

Die Wiederaufnahme des zivilen Flugverkehrs weckte in der damals 24-jährigen Emily «Miggi» Schneider den Traum, in die Fussstapfen von Nelly Diener, der ersten Swissair-Stewardess, zu treten. Nelly Diener kam 1934 beim Absturz der Curtiss-Condor bei Tuttlingen ums Leben.

Die im Zürcher Unterland aufgewachsene Emily Schneider war 1945 als Dienstmädchen für eine Winterthurer Familie tätig. Ihr Trumpf: Als Tochter eines Schweizers und einer Amerikanerin war sie nach einem Welschlandaufenthalt dreisprachig. Von den Absagen auf zwei Bewerbungen liess sie sich nicht abschrecken. Beim dritten Anlauf klappte es: Zwei Monate nach dem Vorstellungsgespräch war sie in einer Douglas DC-3 als Swissair-Stewardess unterwegs.

Die Uniform war anfänglich kein Aushängeschild, sondern rein zweckmässig. «Wir waren im Oktober 1945 erst zu zweit. Die Passagiere, reiche Geschäftsleute, Stars und Politiker, betreuten wir in braven Krankenschwesterschürzen», erinnert sich Emily Salz-Schneider.

In den ersten Monaten waren die beiden Frauen noch «Mädchen für alles». Abwechslungsweise war die eine Stewardess in der Luft, während die andere sich in Dübendorf um die Verpflegung für die Passagiere und das Bodenpersonal kümmerte.

Höhepunkt der Laufbahn von Emily Schneider war 1947 der erste Transatlantikflug der Swissair. Weil die Piste in Dübendorf zu kurz war, hob die Douglas DC-4 am 2.Mai kurz nach Mitternacht in Genf ab. Es sollte ein unruhiger Flug werden. Stürmische Winde und Schauer rüttelten am Flieger und sorgten unter den Passagieren für einen hohen Verbrauch an Papiertüten.

Der Jungfernflug war wie verhext: Das miserable Wetter zwang die Besatzung zu einer Zwischenlandung in Neufundland. Die Reise endete nach über 22 Stunden nicht in New York, wo Nebel die Landung verhinderte, sondern in Washington. Fluchtartig verliessen die Passagiere die DC-4. «Bei der Swissair kannte man mich fortan als tapferes Schneiderlein», erinnert sich die Flugbegleiterin 63 Jahre später.

Auf ihren Einsätzen hatte Emily Schneider stets ein Bordbuch mitgeführt, in das sich einstige Berühmtheiten wie Lord Louis Mountbatten, Zarah Leander oder der Startenor Richard Tauber verewigt haben. An Verehrern fehlte es der charmanten Dame nie. Kennen gelernt hat sie ihren Mann, Claude Salz, dann aber nicht in der Luft, sondern am Boden – am Flughafen Dübendorf. Er war dort für die Luftpost zuständig.

Kleinerer Aktionsradius

Die Heirat im Jahr 1948 bedeutete für Emily Salz-Schneider den Abschied vom Leben zwischen Himmel und Erde. Seit 1954 lebt das Paar in einem Haus in Ittigen. Der Aktionsradius der bald 90-jährigen Frau ist kleiner geworden. Aber sie nimmt weiterhin Anteil am Weltgeschehen.

Seit rund 30 Jahren pflegt sie ein Hobby: Dank ihrer künstlerischen Ader und des Zeichnungstalents ihres Sohnes sind seither zwölf bis zu drei Quadratmeter grosse Gobelins mit Szenen aus Gedichten entstanden. «Jetzt arbeite ich an der Nummer 13. Dieser Gobelin dürfte mein letzter sein.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.12.2010, 14:41 Uhr

Emily Schneider vor einer Swissair-Maschine im Jahr 1945. (Bild: zvg)

65 Jahre später: Emily Schneider vor einem ihrer Wandteppiche in Ittigen. (Bild: zvg)

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