Reportage

Terminal der Superlative

Der Flughafen Dubai hat am Sonntag das erste exklusive A380-Terminal eröffnet. Dabei liess Emirates-Präsident Tim Clark auch kurz in seine Schweiz-Pläne blicken. Tagesanzeiger.ch/Newsnet war vor Ort.

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Die in Dubai beheimatete Airline Emirates wächst rasant auf dem ganzen Erdball. In den kommenden Jahren vergrössert sie allein ihre Airbus-A380-Flotte von heute 31 Flugzeugen auf 90. Schon heute ist die Fluggesellschaft, gemessen an internationalen Flügen, die grösste der Welt. Das schreit nach mehr Platz an den Flughäfen, insbesondere an der Heimatbasis Dubai. Dort wurde kürzlich das erste Terminal eröffnet, an dem ausschliesslich A380-Maschinen andocken.

Weil die Riesenflugzeuge immense Passagierladungen mit sich bringen, braucht es für diese entsprechend Platz im sogenannten «Concourse A». Auf der Besichtigungstour mit Journalisten aus aller Welt entpuppt sich das Terminal als gigantisch: Die Gebäudefläche von insgesamt 528'000 Quadratmetern auf 11 Stockwerken entspricht dem 15-fachen des Docks B am Flughafen Zürich. Als Besucherin aus der kleinen Schweiz fühlt man sich angesichts der schieren Grösse des Komplexes förmlich erschlagen.

Langes Anstehen an der Passkontrolle

Wegen der überdimensionalen Masse des Concourse A gestalten sich auch die Wege endlos. Wer meint, der Flughafen Zürich sei bereits gross, wird am Flughafen Dubai eines Besseren belehrt. Nach einem Halbmarathon durch das Gebäude folgt das lange Warten bei der Einreiseprozedur. Sogar Passagiere der Business- und First Class müssen sich trotz eigener Schnellspuren teils anderthalb Stunden gedulden, bis sie einen Grenzbeamten zu Gesicht bekommen. Das ist unerfreulich, besonders wenn man – wie viele Passagiere in Dubai – um Mitternacht ankommt.

Flughafen-Chef Paul Griffiths ist sich des Problems bewusst, wie er gegenüber den Medien einräumt. Die Flughafenbetreiberin arbeite eng mit den Einreisebehörden zusammen, um die Situation zu verbessern. Man investiere 100 Millionen Dirham (knapp 25 Millionen Franken) in die Verbesserung der Einreiseprozedur, unter anderem für elektronische Passkontrollen.

«Wie im Restaurant eines Kreuzfahrtschiffs»

Konstruiert für die Massen sind auch die Lounges für Business- und First-Class-Passagiere im neuen Concourse A. Die Erstklass-Lounge ist mit Platz für 1500 Leute momentan eine der grössten weltweit – und die Kapazität kann laut Flughafen-Chef Griffiths noch verdoppelt werden. Wegen des sehr grosszügigen Platzangebots in den Lounges witzelten zwei Journalisten, sie würden einander vor ihrem Abflug nach Europa ja gar nicht mehr finden. Griffiths rechtfertigt die Grösse der Lounges mit der Anzahl Passagiere, die stets im Wachsen begriffen sei. «Da müssen wir gewappnet sein und ein entsprechend grosses Loungeangebot zur Verfügung stellen.»

Die beiden Lounges sind nicht nur riesig, sondern wirken trotz warmer Brauntöne steril. Auch der gelegentliche goldene Glanz an Lampenständern oder Schriftzügen vermag diesen Eindruck nicht zu verjagen. Kaum zu erkennen ist der Unterschied zwischen Business- und First-Class-Lounge. Das Personal bedient die Besucher hingegen sehr zuvorkommend, und die Qualität von Essen und Trinken stimmt. Nicht jedermanns Geschmack entspricht die stetige Hintergrundmusik, die ein deutscher Journalist als «Gedüdel» bezeichnet. Ein anderer kommt sich wegen des wilden Teppichmusters vor wie im Restaurant eines Kreuzfahrtschiffs.

Kommt Emirates mit dem A380 in die Schweiz?

Von Dubai aus wächst Emirates in die ganze Welt. In Kürze soll Barcelona neu mit dem A380 aus Dubai angeflogen werden. Auch das schottische Glasgow steht auf dem Radar der arabischen Airline, wie der ebenfalls anwesende Aviatikexperte Kurt Hofmann aus verlässlicher Quelle weiss. Und wie steht es mit Zürich, das derzeit mit einer Boeing 777 von Emirates bedient wird? Der Einsatz eines Emirates-A380 nach Zürich sei nur noch eine Frage der Zeit, so der Österreicher. «Es hängt davon ab, wann genügend Flugzeuge zur Verfügung stehen. Emirates erhält laufend A380-Maschinen ausgeliefert.»

Auch Emirates-Präsident Tim Clark bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet den möglichen A380-Einsatz nach Zürich. Wann ist es so weit? «Bald», meint Clark lächelnd und eilt auf einen Flug.

Die Reise nach Dubai erfolgte auf Einladung von Emirates Airlines.

Erstellt: 12.02.2013, 18:43 Uhr

Concourse A: Zahlen und Fakten

Der Concourse A am Flughafen Dubai ist das weltweit erste Terminal, das exklusiv für Flugzeuge des Typs Airbus A380 gebaut wurde. Insgesamt können deren 20 an den Gates andocken und 19 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden. Das Gebäude ist mit 645 Metern Länge, 90,8 Metern Breite und 42 Metern Höhe von einer immensen Grösse. Auf einer Fläche von 528'000 Quadratmetern und 11 Etagen verteilen sich unter anderem:


  • ein Fünfsternhotel mit 32 Zimmern

  • ein Viersternhotel mit 170 Zimmern

  • 14 Restaurants

  • 11'000 Quadratmeter Shoppingfläche

  • 12'400 Quadratmeter First-Class-Lounges

  • 16'600 Quadratmeter Business-Class-Lounges

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