Hintergrund

«Was nicht angeschraubt ist, kommt weg»

Ob Kugelschreiber, Föhn oder Fernseher: Durchschnittlich jeder zehnte Gast lässt etwas aus dem Hotel mitgehen. Basler Hotels beziffern die Schäden auf mehrere Tausend Franken pro Jahr.

Langfinger im Hotel: Durchschnittlich jeder zehnte Gast lässt etwas mitgehen.

Langfinger im Hotel: Durchschnittlich jeder zehnte Gast lässt etwas mitgehen. Bild: Dominik Plüss

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Wenn ein Gast aus einem Hotel auscheckt, hat er oftmals mehr im Koffer als bei seiner Anreise. Bademäntel, Haartrockner, Aschenbecher: Kaum ein Gegenstand in einem Hotelzimmer ist sicher vor diebischen Händen. Werner Schmid, Präsident des Basler Hotelierverbands, spricht Klartext: «Alles, was nicht angeschraubt ist, kommt weg.»

Eine aktuelle Studie bestätigt dies. Die Ferienplattform Lastminute.com hat 500 Hotels befragt. 95 Prozent der Betriebe gaben an, regelmässig Opfer von Diebstahl durch ihre Gäste zu ­werden. Durchschnittlich würde einer von zehn Gästen einen oder mehrere Gegenstände aus dem gebuchten Zimmer mitgehen lassen. Befragt wurden die Hoteliers auch nach den bei Langfingern beliebtesten Objekten. Dabei zeigt sich, dass nicht nur Kleinigkeiten wie Shampoofläschchen, Kugelschreiber und Badeschlappen in den Koffern landen. Auch kostspielige Stücke wie der Föhn, das Telefon oder gar der Fernseher werden heimlich abtransportiert.

«Die Leute meinen, man merkt es nicht»

Auch Schmid weiss von Fällen, in denen ganze Fernsehapparate in den Koffern landeten. «Die Leute meinen, man merkt es nicht.» Im Airport Hotel Basel hat man ebenfalls Erfahrung mit Langfingern. Am häufigsten würden Bademäntel und Handtücher entwendet, sagt Hausdame Joanna Colombo. «Es wurden aber auch schon komplette ­Duvet- und Kissenkombinationen mitgenommen.» Im Best Western Hotel Stücki greifen sich die Besucher immer wieder gerne die Regenschirme. Auch ganze Kosmetikspiegel seien schon ­verschwunden, heisst es auf Anfrage.

Wie die Hotels mit den Langfingern umgehen, ist unterschiedlich. «Die Sache ist natürlich heikel», sagt Schmid. Einige würden die geklauten Bademäntel einfach nachträglich der Kreditkarte des Gastes belasten, andere schreiben den Verlust einfach ab. «Wir belasten nie nachträglich Dinge, da müssten wir den Diebstahl ja beweisen», sagt eine Mitarbeiterin des Hotels Basel. «Vielerorts wird auch darauf geschaut, wie ­lange der Gast im Haus war und wie viel Geld er ausgegeben hat», sagt Schmid. So würde man bei einem Besucher, der drei Wochen in einem Fünfsternehotel residierte, eher ein Auge zudrücken als bei einem, der nur eine Nacht im Businesshotel verbracht hat und dann gleich den Bademantel stibitzt.

Untersetzer aus dem «Trois Rois»

In vielen Fällen sehen die Hoteliers auch über Diebstähle hinweg, weil es sich bei der Beute tatsächlich nur um Kleinigkeiten handelt. So beispiels­weise die Verantwortlichen im «Les Trois Rois»: Im Luxushaus an der Schifflände stecken die Gäste besonders häufig die ledernen Untersetzer mit Logo ein, auf denen in der Bar die Drinks ­serviert werden. «Die Leute nehmen sie als Souvenir mit», weiss Caroline Jenny, Marketing Communications Manager vom «Les Trois Rois». Das sei kein Drama, im Gegenteil: «Für uns ist das sogar Werbung, schliesslich ist ja unser Logo auf den Artikeln.»

Dennoch ist der Klau im Hotel kein Kavaliersdelikt. Laut der Untersuchung von Lastminute.com verursachen diebische Gäste jährlich einen Schaden von durchschnittlich 5500 Euro pro Betrieb. Um die Verluste in Grenzen zu halten, sind mittlerweile in den Gästezimmern fast alle Gegenstände, vom Föhn bis zum Fernseher, fest in der Wand verschraubt. Fernbedienungen beispielsweise, ebenfalls gern gestohlen, werden so programmiert, dass sie nur auf das Gerät im Hotel passen und sich ein Diebstahl nicht lohnt.

Streng genommen Diebstahl

Nicht alles sei aber gleichermassen problematisch, so Schmid. Denn auch wenn man Telefon, Bettdecke und Co. nicht mit nach Hause nehmen darf: Bei den kleinen Seifen und Shampoos sei es meist erlaubt. Schmid: «Die erhalten die Hotels von den Kosmetikfirmen meist zu einem sehr niedrigen Tarif.»

Trotzdem solle man zur Sicherheit in jedem Fall beim Hotelpersonal nachfragen, fügt René Gsell von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt an. Denn auch bei einer mitgenommenen Seife handelt es sich streng genommen um einen Diebstahl – bei einem Deliktwert von bis zu 300 Franken gilt dieser als gering­fügig und wird auf Antrag des Geschädigten verfolgt. Bei einer höheren ­Summe liegt ein Offizialdelikt vor. Ein «versehentlich» mitgenommener Bademantel kann also manchen Gast noch teuer zu stehen kommen.

Erstellt: 11.03.2013, 11:25 Uhr

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