Starbucks expandiert auf Schweizer Schienen

Rollendes Café mit happigen Preisen: Nach fast zwei Jahren Projektarbeit präsentieren Starbucks und die SBB einen «neuen Meilenstein der Bahngastronomie». Wie viel sie dafür ausgegeben haben, bleibt geheim.

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Die SBB hat ihren gemäss eigenen Angaben «neuen Meilensten der Bahngastronomie» präsentiert: Ein Speisewagen, der zu einer Starbucks-Filiale umgebaut wurde. Das in Naturtönen gehaltene Kaffeehaus soll den Passagieren Wohnlichkeit vermitteln. Die Preise sind allerdings wie für Starbucks üblich happig.

Fast zwei Jahre lang arbeiteten die SBB und die amerikanische Kaffeehaus-Kette an diesem Projekt. Wer wie viel Geld investierte, wollen die Unternehmen nicht bekannt geben. Für Starbucks ist es die erste rollende Filiale weltweit und gleichzeitig gute Werbung.

Die SBB will mit dem Projekt «Innovation in die eher traditionelle Bahngastronomie bringen», wie SBB-Sprecher Stephan Wehrle sagte. Man wolle damit aber nicht die bisherigen Speisewagen verdrängen, sondern vielmehr den Passagieren etwas Neues bieten.

«Wir sind überzeugt, dass es funktionieren wird», sagte Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr, vor den Medien in Zürich. Die Pendler wollten am Morgen nicht unbedingt ein Menu essen, sondern wünschten vielmehr einen Kaffee und ein Gipfeli. Mit dem Starbucks-Wagen reagiere die SBB auf die Bedürfnisse der Leute.

Portionen grösser, Preisvergleich schwierig

Amerikanischen Kaffee gibt es im Starbucks-Zug aber nicht nur im zweistöckigen Restaurantbetrieb, sondern auch an der Elvetino-RailBar. Das «Wägeli» in diesem Intercity-Zug schenkt künftig ausschliesslich Starbucks-Kaffee aus.

Ein Preisvergleich mit dem bisherigen Speisewagen- und Minibar-Angebot ist schwierig. Zwar kostet der Café Creme im Starbucks-Wagen mit 4.70 Franken 10 Rappen mehr als im Speisewagen - der Passagier erhält aber auch etwas mehr Kaffee.

Auch beim restlichen Angebot sind Vergleiche kaum möglich, weil die Starbucks-Becher generell grösser sind als die Becher im Speisewagen und bei der Minibar. Ein Milchkaffee der kleinsten Grösse kostet im Starbucks-Wagen 5.90, also 40 Rappen mehr als im Speisewagen. Ein Espresso kostet 4.60. Generell entsprechen die Preise jenen in den Filialen und sind entsprechend eher hoch.

Zweiter Wagen im Frühling 2014

In Betrieb genommen wird der Intercity-Wagen am 21. November. Ab dann wird er auf der Strecke Genf-St. Gallen verkehren. Ein zweiter Starbucks-Wagen folgt im Frühling 2014. Ob weitere Speisewagen umgebaut werden, hängt vom Erfolg ab. In den Zügen ohne Starbucks-Wagen bleibt das Gastro-Angebot unverändert.

Die Starbucks-Kooperation ist nicht der erste Versuch der SBB, mit einem Partner aus der Gastronomie zusammenzuarbeiten. Anfang der 1990er Jahre verkehrten zwei McDonald«s-Speisewagen auf dem Schweizer Schienennetz. Das rollende Fast-Food-Restaurant entwickelte sich jedoch zum Flop nicht zuletzt wegen des Friteusen-Geruches, der sich im ganzen Zug ausbreitete. (ami/sda)

Erstellt: 14.11.2013, 13:11 Uhr

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