Ballerinas für den Mann?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema angebrachtes Schuhwerk.

Er hätte Ja gesagt zu Ballerinas: Patrick Swayze in «Dirty Dacing». Foto: PD

Er hätte Ja gesagt zu Ballerinas: Patrick Swayze in «Dirty Dacing». Foto: PD

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Letzthin haben Sie sich wohltuend zum Thema «Strassenschuhe in der Wohnung» geäussert. Gegen Ende der entsprechenden Kolumne haben Sie als Notlösung die Mitnahme von Ballerinas empfohlen. Und welche sind die Ballerinas für den Mann? H. G.

Lieber Herr G.,

Sie haben so was von recht: Der Mann ging bei diesem Vorschlag zur Güte komplett vergessen. Dabei ist die Problematik für den männlichen Mitmenschen ja dieselbe, wir waren da also nachgerade diskriminierend, und das entspricht gar nicht der Art dieser unseren kleinen Rubrik. Wir schämen uns dafür.

Und wollen umgehend Abhilfe schaffen, wofür wir zunächst ein wenig ausholen müssen. Es geht ja um die stets für ausserordentlich viel Aufregung sorgende Frage, ob man vom Besuch verlangen darf, dass selbiger die Schuhe auszieht, beziehungsweise ob man sich als Besucher weigern darf, diesem Wunsch nachzukommen.

Um der überaus deprimierenden Diskussion darüber zu entgehen und vor allem um einem stilistischen Eklat vorzubeugen, nimmt man für den Fall der Fälle die eigenen, selbstverständlich hübsch anzusehenden Pantoffeln mit, wie zum Beispiel Ballerinas (keine Finken! Niemals! Tod den Finken!). Auf diese Weise kommt man der Aufforderung des Gastgebers entgegen, ist also höflich – obschon er es mit seinem Beharren auf Schuhlosigkeit nicht ist –, entgeht aber immerhin dem Schicksal der optischen Entwürdigung, denn Menschen in Strümpfen sehen immer so aus: jämmerlich.

Der Smoking-Slipper sagt: Gunter Sachs. Und das sagt alles.

Jetzt gibt es für den Mann sehr wohl ein Äquivalent zu den Ballerinas. Und zwar den Smoking-Slipper. Diesen trägt man, richtig, zum Smoking; es ist ein Schuh, der nicht geschnürt wird, eine Art Mokassin bestehend aus Samt. Man kann einfach reinschlüpfen, er ist weich und bequem und daher ein fantastischer Hausschuh, zudem macht er was her. Der zusätzliche Clou daran ist der Bruch: das Tragen eines für todschicke Evenements reservierten Schuhs in der profanen Umgebung des Daheims, also dessen unerwartete Zweckentfremdung. Mehr Klasse geht nicht.

Deshalb, lieber Herr G.: Investieren Sie in Smoking-Slippers. Nehmen Sie die mit zu Besuch. Trocknen Sie damit den Gastgeber in seinen Adiletten oder Finken oder Crocs ab, wobei ich nicht davon ausgehe, dass Sie freund­schaftliche Kontakte mit Menschen pflegen, die Sie derart beschuht empfangen würden.

Der Smoking-Slipper sagt: Gunter Sachs. Und das wiederum sagt alles.

Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.08.2017, 19:59 Uhr

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