Style-Report

Das It-Girl intellektuell

Reklame statt Reclam, Yves Saint Laurent statt Jean-Paul Sartre und Styling statt «Die Verwandlung»: Alles papperlapapp! Der Fashionistas neustes Accessoire, ein Taschenbuch.

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Belesen will es sein, das gemeine Fashion-Girl. Die dicke Hornbrille auf dem Näschen ist längst passé, der neuste Schrei sind Täschchen getarnt als Buchumschlag. Da kriegt der Begriff Taschenbuch gleich noch mal eine neue Dimension.

Mann unterm Arm

Böse Zungen mögen behaupten, die modeinteressierte Frau habe beim Durchblättern der mit Werbung zugepflasterten Hochglanzfashionmagazine das Lesen sowieso verlernt. Dass dem nicht so ist, versuchen Chloë Sevigny, Clémence Poésy und Konsorten gerade zu beweisen: Zum Outfit passend klemmen sie sich Nabokov, Salinger oder Mann unter den Arm – in Buchform mit güldenem Zierverschluss.

Die modische Kulturrevolution?

Erfunden hat den praktischen Wälzer für unterwegs die umtriebige Designerin Olympia Le-Tan. Die gebürtige Londonerin ist fester Bestandteil der Pariser Szene um «Purple Magazine»-Gründer Olivier Zahm. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Tochter des französischen Illustrators Pierre Le-Tan mit ihrer eigenen kreativen Ader aufwartet. So geschehen vor knapp drei Jahren: Aus Liebe zur Literatur und aus Hingabe zur Stickerei («Das Talent habe ich von meiner Grossmutter geerbt»), kreierte sie ihre ersten Accessoires. Das Handwerk hat sie sich dabei selbst beigebracht – autodidaktisch, das gehört zum gutem Ton.

Ein kurzer Blick auf Net-a-Porter genügt und man erkennt: Die Minaudières erfreuen sich grosser Beliebtheit. Dass sie mit über 1'385 Franken zu Buche schlagen, scheint die passionierte Leserin auf der Suche nach dem gewissen modischen Statement (man könnte es ja auch mal so sehen!) nicht zu stören. Und prägen sich ein paar junge Mädchen die Werke der alten Herren ein (nebst den gängigen wie YSL, LV oder D&G) – dem Buch als solches sei es nicht vergönnt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.04.2012, 14:22 Uhr

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