Das hübsche Model ist ein Mann

Andrej Pejic feiert als Mann und als Frau Erfolge auf den Laufstegen dieser Welt.

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Ein neues Model erobert die Laufstege von Paris. Es hat unendlich lange Beine, blonde Haare und einen umwerfenden Blick. Sein sinnlicher Schmollmund ist dezent geschminkt. Grazil wie Gisele Bündchen schreitet es über den Laufsteg. Eigentlich nicht aussergewöhnlich – doch das Model ist ein Mann.

Der 19-jährige Andrej Pejic ist die neue Muse von internationalen Designern wie Jean-Paul Gaultier. Für ihn lief er vor einigen Tagen, in einer Pariser Männermodenschau – jedoch mit äusserst femininer Ausstrahlung. Seit eineinhalb Jahren defiliert er, immer wieder bei den Frauen.

Das Unisex-Model ist Teil einer neuen Modebewegung, der sogenannten Femimen. Sie defilieren im androgynen Look – und das mit viel Erfolg. Léa T. ist das neue Gesicht von Givenchy. Auf dem Titelbild der Februarausgabe des Magazins «Love» knutscht das transsexuelle Model mit Kate Moss. Und der feminine Martin Cohn feiert Erfolge für das italienische Label Gianfranco Ferré.

Androgyner Engel

Bei den Kleidern gelten die Geschlechtergrenzen schon lange nicht mehr: Warum sollen sie bei den Models noch gelten? Schliesslich ist es die Eleganz und Schönheit, die in der Modewelt zählt. Darum macht Gaultier Pejic zum Gesicht seiner Herbst/Winter-Kollektion 2011 und stellt ihn an die Seite seines weiblichen Lieblings Karolina Kurkova. Marc Jacobs setzt den jungen Mann in seiner neuen Werbekampagne ein. Und auch auf die Seiten der italienischen, französischen und türkischen «Vogue» hat es das Model schon geschafft.

Diese Erfolgsstory beginnt 2009 in Australien: Andrej Pejic schickt seine Fotos an die Agentur Chadwick Models in Melbourne. Die Bilder wecken die Aufmerksamkeit von deren Chef Matthew Anderson. Er bestellt ihn sofort zu sich. «Er ist einer der heissesten Models im Moment, Mann und Frau in einem», sagt Anderson über ihn.

Eine Ambivalenz die auch bei der Agentur Storm in London und bei New Madison in Paris gut ankam. Sie entscheiden sich, ihn in Europa zu repräsentieren. Die Schneiderkünstler von Mailand und Paris folgen und buchen das Talent für ihre Shows. Der australischen «Herald Sun» sagt Pejic: «Zuerst versuchten die Fotografen mich männlicher zu machen. Heute akzeptieren sie meinen Look und spielen mit meiner femininen Seite.»

«Die Knaben hielten mich oft für ein Mädchen»

Geboren wurde er in Bosnien als Sohn einer serbischen Mutter und eines kroatischen Vaters. Mit zwei Monaten bricht der Krieg aus. Seine Eltern flüchten zuerst nach Serbien, acht Jahre später dann in einen Vorort Melbournes in Australien. Dort wächst er auf, mit seiner Mutter, seiner Grossmutter und seinem älteren Bruder.

«In der Schule fiel mein Look auf, aber man hat sich nie lustig gemacht über mich», sagt er. «Die Knaben hielten mich oft für ein Mädchen. Das hat mir vor allem ermöglicht, an kostenlose Drinks zu kommen.» Wenn man ihn nach seiner Sexualität fragt, weigert er sich, sie zu definieren. Einem Journalisten, der fragte «Lieben Sie die Männer oder die Frauen?» soll Pejic geantwortet haben: «Ich habe zwei Lieben. Paris und den Wein.»

Erstellt: 27.01.2011, 16:38 Uhr

Andrej Pejic auf YouTube

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