David Bowies modisches Vermächtnis

Bei den aktuellen Männermodeschauen wird mit Würdigungen nicht gegeizt.

Hellblau wie Bowies Anzug sowie eine schriftliche Hommage bei Gucci. Foto: Jason Lloyd Evans

Hellblau wie Bowies Anzug sowie eine schriftliche Hommage bei Gucci. Foto: Jason Lloyd Evans

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Gestern Abend sind die Männermodewochen in London, Mailand und Paris zu Ende gegangen. Es sind Shows, die schon seit ein paar Jahren kein Randgruppendasein mehr fristen: Im vergangenen Jahr hatte die Männermode ein Wachstum der Verkäufe von rund 24 Prozent zu verzeichnen. Sie wird also sehr wohl wahrge­nommen. Und bedankte sich für den kommenden Herbst wieder mit auffällig trendweisenden, zeitgeistigen Ent­würfen.

Auffallend war auch, dass der Anfang Januar verstorbene Musiker David Bowie in den Schauen der Designhäuser immer wieder Thema war. Nicht dass das erstaunen würde. Bowie ist ein vielgerühmtes Stilvorbild, und so war abzusehen, dass es während der Männermodewochen nicht an Würdigungen mangeln würde.

Bowie war bis zuletzt modeinteressiert. Vor drei Jahren etwa klinkte er sich in die damals gerade wieder losgetretene – und von ihm Jahrzehnte zuvor schon lancierte – Genderdebatte ein und verpflichtete für sein Musikvideo «The Stars (Are out Tonight)» Models wie die androgyne Saskia de Brauw und das Transgender-Model Andrea Pejic. Frauen, die ihm, David Bowie, verblüffend ähnlich sahen.

Die Art, wie Bowie nun in den Männerkollektionen geehrt wurde, ist interessant. Die Nachricht seines Todes erreichte die Branche am zweitletzten Tag der Londoner Modewoche. Damit war die Stadt gezwungen, spontan und mit einfachen Mitteln auf die Schocknachricht zu reagieren. Designer Paul Smith eröffnete an jenem Tag gerade eine ­eigene Ausstellung. Im Hintergrund liess er Bowies Platte «Aladdin Sane» spielen und platzierte ein kleines gerahmtes Foto im Raum. Bei Burberry entschied man sich am nächsten Tag kurzfristig für glitzernde Make-up-Details. Eines der Models kritzelte in Eigeninitiative «David Bowie» auf seine Handflächen.

Den Mailänder und Pariser Modehäusern blieb da mehr Zeit: für gut durchdachte David-Bowie-Soundtracks oder um Würdigungen auf plakative Art in Kollektionen zu verweben wie bei Gucci.

Impulsiv und kunstvoll

David Bowie wusste früh um die Durchschlagskraft einer Kostümierung, aber auch um den Überraschungseffekt der konstanten modischen Neuerfindung, womit er Mode als wichtigen Teamplayer der Popkultur festigte.

Das hat nicht nur Designer wie Karl Lagerfeld, Marc Jacobs oder Miuccia Prada geprägt – auch Alessandro Michele, Chefdesigner bei Gucci. Der hellblaue Anzug, das dem Modell aus dem Bowie-Video «Life on Mars» ähnelt, wurde nach der Todesnachricht in Windeseile extra angefertigt. Der «Bowie»-Schriftzug ist eine Hommage an Bowies Art, Mode kunstvoll, impulsiv und kompromisslos ins Rampenlicht zu rücken. Es braucht keine roten Vokuhila-Perücken und Plateauschuhe, um zu ­zeigen, was der Brite für die Mode war.

Die Liebeserklärungen flauen noch nicht ab. Während der kommenden Männerwoche in New York wird es bestimmt noch mehr Tribute regnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.01.2016, 18:28 Uhr

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