Der «Sklaven»-Schuh von Adidas

Adidas hat in den USA für einen Skandal gesorgt: Der deutsche Sportartikelhersteller hat einen Turnschuh kreiert, der an die Unterdrückung der Afroamerikaner erinnert.

«Sneakers so heiss, dass man sie am Knöchel festbinden muss»: Der umstrittene Turnschuh von Adidas.

«Sneakers so heiss, dass man sie am Knöchel festbinden muss»: Der umstrittene Turnschuh von Adidas.

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«Verschärfe deinen Style – mit Sneakers so heiss, dass man sie am Knöchel festbinden muss.» Mit diesem Slogan warb der deutsche Sportartikelhersteller Adidas auf Facebook für seine neuste Kreation: einen Turnschuh mit Fussfesseln.

Der sogenannte JS Roundhouse Mid und seine leuchtend orangefarbenen Fussfesseln wurden von Adidas zwar aus dem Verkehr gezogen. Doch zu spät – die dunklen Wolken des Shitstorms waren bereits aufgezogen. In mehr als zweitausend Kommentaren haben Facebook-User ihrem Unmut Luft gemacht. Die Firma hat offenbar das sensible Verhältnis der US-Amerikaner zu ihrer Geschichte unterschätzt.

Kann ein Schuh rassistisch sein?

Die erzürnten Facebook-User fragten sich nicht, weshalb ein Schuh überhaupt Fussfesseln benötigt. Vielmehr diskutierten sie darüber, ob ein Turnschuh rassistisch sein kann oder nicht. Der Schuh wurde damit wohl eher unfreiwillig zum Sinnbild der noch immer tief greifenden ethnischen Spannungen in den USA.

Kurz nachdem Adidas das Foto auf seiner Facebook-Seite platziert hatte, riefen bereits erste erzürnte User in Kommentaren unter dem Bild dazu auf, die deutsche Firma und ihre Produkte zu boykottieren: «Der Schuh beschwört das Bild von Sklaverei herauf und ist damit eine Provokation gegenüber allen Afroamerikanern», zitierte die «New York Post» aus den Kommentaren. «Sklaverei ist kein Fashion-Statement», schrieb ein Nutzer und forderte gar, alle an der Entwicklung Beteiligten fristlos zu entlassen. Und ein Kommentator fragte: «Wie würde sich ein Jude fühlen, wenn Nike sich im Namen der Mode entschliesst, einen Schuh mit einem Hakenkreuz zu versehen?»

Schadenbegrenzung

In einer schriftlichen Mitteilung an den US-Sender Fox News schrieb Adidas schliesslich: «Der JS Roundhouse Mid ist Teil der Herbst/Winter-Kollektion und aus einer Zusammenarbeit von Adidas und dem Designer Jeremy Scott entstanden.» Das Aussehen des Schuhs habe überhaupt nichts mit Rassismus zu tun. Es tue dem Unternehmen leid, wenn sich Menschen durch das Design beleidigt gefühlt haben sollten. Adidas hat den Schuh aus dem Verkehr gezogen und alle Fotos auf Facebook gelöscht.

Der verantwortliche Designer Jeremy Scott arbeitet seit 2003 für den deutschen Sportartikelhersteller. Laut der «Süddeutschen Zeitung» gilt er als «Pop-Ikone» der Modeindustrie. Zu seinen Kunden gehören die isländische Sängerin Björk, Madonna und Lady Gaga. Der Designer vermeldete auf Twitter etwas naiv am Montag: «Meine Arbeit wird von Cartoons, Spielzeug und meiner Kindheit beeinflusst.» Damit half er Adidas mit seinem Multikulti-Image nicht wirklich weiter.

Erstellt: 20.06.2012, 13:23 Uhr

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