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Die 23 Giga-Jachten

Sie verbindet Freiheitsgefühl mit Bombast: Die Giga-Jacht ist das ultimative Spielzeug für Superreiche – aus verschiedenen Gründen.

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Es war ein toller Tag für den Reichsten aller Schweizer, den Genfer Multimilliardär Ernesto Bertarelli. Diese Woche schipperte seine neue Luxusjacht Vava II, das grösste britische Motorboot der Geschichte, durch den Ärmelkanal und die englische Presse überbot sich mit Superlativen. Doch obwohl sein vielbewundertes Boot imposante 96 Meter lang ist, gehört Bertarelli damit knapp nicht zu jenem exklusiven Zirkel, der sich das ultimative Spielzeug leistet: die Giga-Jacht.

Arabische und russische Milliardäre

Als Giga-Jachten gelten jene Privatschiffe, die über 100 Meter lang sind (Mega-Jachten sind über 60 Meter lang), wobei pro Schiffsmeter Baukosten von mindestens einer Million Dollar anfallen. Zur Ausstattung gehören etwa Schwimmbecken, Fitnessraum, Kino, Disco, Sonnendeck oder Landeplätze für Helikopter. Bisweilen rüsten die Besitzer ihre Jacht auch mit kostspieligen Waffensystemen oder einem begleitenden U-Boot auf.

Heute gibt es rund um den Globus 23 Giga-Jachten, wobei der Grossteil der Schiffe arabischen und russischen Milliardären gehört. Unter den Besitzern finden sich vor allem diskrete Unternehmer, die nur Wirtschaftskennern ein Begriff sind, vereinzelt aber auch Figuren des öffentlichen Lebens wie Musikproduzent David Geffen oder der russische Tycoon Roman Abramowitsch, der als Inhaber des englischen Spitzenklubs FC Chelsea international bekannt wurde.

Abramowitsch ist es auch, der mit Eclipse (Stapellauf 2010) die grösste Giga-Jacht überhaupt besitzt. Die Eclipse ist 163 Meter lang und damit pikanter- und kaum zufälligerweise exakt einen Meter länger als das zweitgrösste Schiff dieser Klasse, die 2006 gebaute Dubai des Premierministers der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Muhammad bin Rashid al-Maktum. Abramowitsch liess sich den Bau der Eclipse gewaltige 850 Millionen Euro kosten.

Eine Art Raumschiff

Die Eclipse wirkt auf den gemeinen, baff staunenden Normalbürger wie eine Art Raumschiff. Der Reiz, sich ein solches Monument bauen zu lassen, ist wohl zwiespältig. Da wäre einerseits der offensichtliche, banale – jener des Prunks: Mein Schiff ist länger, grösser und schöner als deins.

Vielleicht gibts aber noch einen weiteren, unterschwelligen, eskapistischen Beweggrund. Denn Multimilliardäre wie Abramowitsch haben sich längst von der Lebenswelt ihrer Mitbürger abgelöst; mit der Zivilgesellschaft ihres Heimatlands haben sie kaum noch was zu tun, und mit dem Fiskus spielen sie Katz und Maus. Die Giga-Jacht als träge treibende Luxus-Insel ermöglicht es ihrem Besitzer, sich dem Zugriff des Staates und dem Neid und den Forderungen der schlechter situierten Mitbürger zu entziehen, vor allem symbolisch, aber durchaus auch konkret (internationale Gewässer).

Solange der Rubel rollt...

Zwar gibt es seit Jahren heftige Kritik an den Mega- und Giga-Jachten. So sind die Riesenschiffe grosse Umweltsünder, weil ihr Schweröl eine besonders dreckige Ölvariante ist, und ihr sinnloser Prunk erscheint angesichts der gegenwärtigen ökonomischen Verwerfungen als blanker Hohn.

Doch solange der Rubel rollt, so lange werden sich die Neureichen dieser Welt wohl schwerlich der Verlockung dieser gleichermassen primitiven wie mondänen Gelddemonstration entziehen können. Derzeit plant laut der «Daily Mail» ein monegassischer Unternehmer eine 155-Meter-Jacht, welche dann auch die Euro-Preisgrenze von einer Milliarde knacken könnte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.11.2011, 12:04 Uhr

Video (Quelle: Youtube)

Eine Amateur-Aufnahme der Eclipse.

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