Porträt

Die Claudia Schiffer der Fitnesshefte

Kim Strother macht ein paar Dutzend Liegestützen, ohne dass ihr Make-up verschmiert. Darf es auch nicht: Die Amerikanerin ist das beste Fitness-Model der Welt.

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Kim Strother ist es leid, den Leuten ihren Beruf zu erklären. Alle denken dann sogleich an mit Stereoiden vollgepumpte Muskelfrauen. Solche, die man auf den Titelseiten der Bodybuilder-Heftchen sieht – doch mit denen will Strother nichts zu tun haben.

Als Fitnessmodel ist sie auch nicht irgendein Busenwunder, das sich an Turngeräten räkelt, um diese zu verkaufen. Wenn überhaupt, müsste man von Hochleistungs-Räkeln sprechen. Denn Kim Strother muss in ihrem Job ganz schön Ausdauer haben. Allein 84 Mal sprang die Amerikanerin an einem Shooting für «Women’s Health» in die Luft. Meist hört sie aber irgendwann mit Zählen auf. Die Bewegungen sind zu repetitiv.

Mit Strass und ohne Brust-OP

In den letzten Jahren wuchs das Interesse an Gesundheits- und Ernährungsthemen konstant. Lifestyle-Magazine zum Thema begannen die Ständer der Kioske zu füllen. Und Sportartikel-Ketten eröffneten eine Filiale nach der anderen.

Noch zu Beginn dieser Phase, etwa 2001, stieg Kim Strother ins Geschäft ein. Das erste Vorsprechen brachte sie zum Weinen. «Sie sagten mir, ich sei zu klein, ich müsse Gewicht verlieren und sie würden meine Kleidung nicht mögen.» Lieber setzte man auf eine brustoperierte Schönheit.

Dann änderte sich der Trend, es schlug die Stunde der Fitnessmodels. Gutaussehende, erfahrene Sportler, die nicht wie Arnold Schwarzenegger aussahen, wurden immer gefragter. Schon bald machte sich Strother einen Namen. Sie wurde sozusagen zur Claudia Schiffer der Fitnessstudios. Heute ist sie bei der Agentur Ford unter Vertrag, wie einst das australische Topmodel Elle Macpherson. Mit ihren 1,72 Metern Grösse setzte Strother den Massstab für den neuen Typ Model. Fashionmodels sehen neben Fitnessmodels oft wie Kleiderbügel aus. Während erstere grazil über die Laufstege defilieren, müssen letztere auch mal richtig rennen.

Hanteln stemmen und Lächeln

Viele Fitnessmodels sind ursprünglich Yogalehrerinnen oder Personaltrainerinnen von Beruf. Dem Online-Magazin «Slate» schildert Strother ihren Arbeitsalltag. «Oft wollen sie, dass du lächelst während du zwei Minuten eine Hantel hältst. Es beisst dich, und du versuchst deine Stellung zu halten. Manchmal vergisst du das Lächeln.»

Und manchmal muss man nachhelfen. «Ich schwitze nicht so viel. Ich weiss nicht warum.» Damit ihre Haut trotzdem glänzt, muss schon mal mit Wasser oder Babyöl nachgeholfen werden. Und ganz ohne Sex verkauft sich das Ganze nicht. In ihren Videos turnt Strother in knallengen, kurzen Höschen rum.

Jenseits des Scheinwerferlichts ist das anders. «Wenn man ein Mädchen in einem Magazin so zeigen würde, wie ich mich fürs private Training kleide, dann wäre das wenig schmeichelhaft», sagt sie und fügt an: «Es würde nicht einmal so aussehen als würde ich trainieren.» In ihren lumpigen T-Shirts würde sie oft gar nicht wiedererkannt, und das, obwohl sie dank ihres Model-Vertrags zu den wenigen gehört, die von ihren Engagements leben könnten. Sonst sind die Gagen in der Branche tief: Mehr als 250 Dollar pro Shooting springen selten raus.

Insbesondere bei den Videos kommt es auf das sportliche Talent der Models an. Da lässt es sich nicht tricksen. Zumal die Fitnessvideos über Youtube und iPad verbreitet, einen erneuten Boom erleben. Wie Jane Fonda in den Achtzigern, ist Kim Strother auf dem Weg zur Fitness-Ikone zu werden.

Erstellt: 07.02.2011, 15:20 Uhr

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