E-Bike, das ist wie Kiffen ohne zu inhalieren

Mit dem E-Bike fährt man Velo, aber eben nicht richtig. Man tut ein bisschen so.

Ein Velo lässt einen dynamischer wirken als ein Töffli: Eine Frau fährt auf einem E-Bike in Genf. Foto: Martial Trezzini (Keystone)

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Im Keller des Mehrfamilienhauses, in dem ich wohne, werden zurzeit massenhaft Elektrovelos für den Winter eingemottet. Ich finde diese Fahrzeuge grauenhaft. Wenn schon Velo, dann trampen. So ein Möchtegern-Velo ist doch stillos. Was meinen Sie? A. E. aus K.

Lieber Herr E., Elektrovelos erinnern mich immer an Bill Clinton. Der sagte, er habe zwar Marihuana geraucht, aber nicht inhaliert. Mit diesen E-Bikes verhält es sich ähnlich: Man fährt Velo, aber eben nicht richtig. Man tut ein bisschen so. Weil ein Velo einen dynamischer wirken lässt als ein Töffli (wer fährt noch Töffli? Eben. Wobei: Wieso eigentlich nicht? Irgendwie haben Töffli was. Ich bin für das Comeback der Töffli!). Man möchte, gerade in der Stadt, so schnell und wendig sein wie die Velofahrer, aber nicht trampen müssen. Das ist natürlich eine einigermassen kuriose Vorstellung, diese Ich-will-alles-aber-nichts-dafür-tun-Haltung. Denn so läuft das nicht, so läuft das überhaupt nie im Leben, wie man ja spätestens nach dem Kindergarten kapiert haben sollte.

Kommt dazu, dass das Erscheinungsbild der Elektrovelos problematisch ist, der Motor lässt sie plump wirken. Irgendwie verströmen diese Fahrzeuge den Charme von Gehhilfen.

Trotzdem wollen wir fair sein. Tägliches Velofahren ist nur dann ein Vergnügen, wenn man sich in der Ebene bewegt. Wer jeden Morgen einen Hügel hinauftrampt und völlig verschwitzt am Arbeitsplatz ankommt, wo er zuerst mal einen Tenüwechsel vornehmen muss: Für den habe ich, die ich der Meinung bin, man sollte körperliche Anstrengung wenn möglich vermeiden, kolossal Verständnis. In diesem Fall ist das E-Bike die perfekte Alternative. Ebenso für weitere Strecken, wenn man abends kaputt ist und nicht in die Pedalen treten mag. Da kann man elegant und entspannt heimgondeln. Das ist doch chic – ganz abgesehen davon, dass man sich dergestalt den Horror des ÖV ersparen kann. Wind im Haar macht zudem fröhlich, und die Haut sieht auch schöner aus, nämlich rosiger. Und das Gefühl, an einer stehenden Kolonne Autos vorbeizuflitzen, ist schlicht unbezahlbar.

Erstellt: 22.12.2014, 18:52 Uhr

Bettina Weber

Die Autorin beantwortet jede Woche Fragen zu Mode und Stil.

Senden Sie uns Ihre Fragen an gesellschaft@tagesanzeiger.ch

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