Ein Luxemburgerli für die Ewigkeit

Flugbegleiter Florian Trösch macht aus seinen Reisememoiren Schmuck: New York ist ein Bagel, Bangkok eine Mangofrucht und Zürich ein vergoldetes Luxemburgerli.

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Schmuck mochte Florian Trösch schon immer. Als Bub trug er einen Ohrring, als Teenager drei. Dennoch machte er die Lehre nicht beim Goldschmied, sondern im Reisebüro. Weil er immer schon Sehnsucht nach fernen Orten hatte, wie er sagt. In ein paar Tagen fliegt er nach Bangkok, als Crewmitglied einer Swiss-Maschine. Denn mittlerweile arbeitet der Zürcher Teilzeit als Flight-Attendant und ist bald als Maître de Cabine unterwegs.

Doch zuerst gilt es die neuste Lieferung auszupacken. Filigrane Goldkettchen, die Trösch in Thailand produzieren lässt. Rechtzeitig vor Weihnachten sind 150 Stück im Provisorium Sihlpost eingetroffen. Hier im Laden ­seiner Freundin Claudia Desax verkauft Florian Trösch seine Accessoires. Edle Taschen, Portemonnaies und eben – ganz neu – die Anhänger. Sorgfältig legt er die Schmuckstücke auf eine Weltkarte. Den Kofferfisch-Anhänger auf die Malediven, den Button mit dem Anarchie-Zeichen auf London, die Protea-Blüte auf Kapstadt. «The world as seen by Florian T.», steht auf der Karte. Die Welt, wie sie Florian Trösch sieht. Heimat sei dort, wo sich das Herz befindet, steht da noch. Und so erklärt Florian Trösch seine Kollektion: «Orte, die man ins Herz geschlossen hat, kann man dank meinen Anhängern nun jederzeit auf dem Herzen tragen.»

Die Idee für die Halsketten hatte Florian Trösch schon vor zwei Jahren. Doch die Umsetzung war komplizierter als gedacht. «Ich habe in dieser Zeit die eine oder andere Träne vergossen», sagt Trösch. Wenn es Verständigungsprobleme gab mit dem Produzenten etwa, weil der zuerst nicht verstand, dass jeder Anhänger perfekt nach Vorgabe hergestellt werden muss. «Ein erster Entwurf des Luxemburgerlis sah aus wie ein flach gedrückter Hamburger.» Oder wenn eine ganze Lieferung am Zoll angehalten wurde, weil die Edelmetallkontrolle die Einfuhr verweigerte.

Ein gelber Topas für Kapstadt

Die Suche nach den Motiven gestaltete sich einfacher. Trösch machte eine Umfrage im Freundeskreis: «Was verbindet ihr mit New York?» Zur Antwort kamen Coffee to go, Big Apple, ein Bagel. Das Gebäck wurde es schliesslich. «Immer wenn ich in New York bin, kaufe ich mir auf dem Weg zur Arbeit einen Bagel. ­Bagel ist für mich New York», sagt Trösch. Für Zürich steht das berühmte Luxemburgerli. Drei Varianten davon gibts bei Florian T: Vergoldet mit 18 Karat, Rotgold, Weissgold. Letztere kostet 195 Franken. An der feinen Kette hängt zudem ein kleines Schild, darauf ein­graviert das Logo von Florian T., die ­Koordinaten von Zürich und ein kleiner ­grüner Granat-Halbedelstein. Die Farbe steht für die Klimazone, in welcher sich die Schweiz befindet. Beim Kapstadt-­Anhänger ist der Stein ein gelber Topas, beim Malediven-Fisch ein Rubin.

Als Designer angefangen hat Trösch vor vier Jahren. Auf einer seiner Reisen hat er alte Stoffe entdeckt und daraus Taschenunikate genäht. Die Kollektion traf den Nerv der Zeit, die geliehenen 1000 Franken waren schnell zurück­bezahlt. Den Gewinn investierte er in seinen Traum, eines Tages ganz von seinen Kreationen leben zu können. «Man muss gross denken», sagt Trösch. Gross wäre zum Beispiel, wenn das New Yorker Kaufhaus Bergdorf Goodman seine Bagel-Anhänger (facebook.com/floriantdesign) ins Sortiment aufnehmen würde. Oder die Swiss im Duty-free-Shop über den Wolken. Bald will Trösch eine neue Halskettenkollektion in Auftrag geben. Barcelona und Paris sind geplant. Und irgendwann vielleicht ein eigener Laden. Mit einer riesigen Weltkarte an der Wand, wo kleine Anhänger an all die Orte erinnern, die Florian Trösch ins Herz geschlossen hat.

Erstellt: 19.12.2013, 14:19 Uhr

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Florian Trösch


Der Designer fliegt um die Welt – neun Monate als Flugbegleiter, drei Monate privat.
Seine Kollektion gibts bei Opia im Provisorium Sihlpost.

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