Fernab von allem

Die Liebesgeschichte zwischen Yves Saint Laurent und Marrakesch.

Marrakesch wurde zu seinem Zufluchtsort: Wenn ihm, dem gefeierten Designstar, in Paris alles zu viel wurde, verschanzte sich Yves Saint Laurent hier. Foto: PD/ iStock

Marrakesch wurde zu seinem Zufluchtsort: Wenn ihm, dem gefeierten Designstar, in Paris alles zu viel wurde, verschanzte sich Yves Saint Laurent hier. Foto: PD/ iStock

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Es regnete, eine ganze Woche lang. Die Gäste im Hotel Mamoudia, wo sich 1966 der Hippie-Jetset traf, harrten in ihren Zimmern aus. Auch der 30-jährige Yves Saint Laurent und sein Partner Pierre Bergé, die zum ersten Mal nach Marrakesch gereist waren. Als sich die Regenwolken lichteten, präsentierte sich die Stadt so magisch, dass das Paar aus Paris dem Ort augenblicklich verfiel: «Wir verliebten uns in alles. In die Kulisse, in die Menschen.»

Am Ende ihrer Reise hatten Yves Saint Laurent und Pierre Bergé bereits ein Haus in der Medina, der Altstadt Marrakeschs, gekauft. Zwanzig Jahre später ersteht das Paar den Jardin Majorelle, einen weitläufigen Garten mit kobaltblau gestrichener Villa. Auf Fotos ist die Magie der Anfangszeit gebannt: Der junge Designer steht mit nacktem Oberkörper oder im weissen Kaftan auf der Terrasse oder in Jeans auf dem Jamaa el-Fna.

Yves Saint Laurent hat Marrakesch nie verlassen, selbst wenn er vor neun Jahren verstorben ist.

Saint Laurent, der zuvor in Frankreich nach einem Militäreinsatz einen Nerven­zusammenbruch erlitten hatte, lacht auffällig oft, wirkt gelöst, ja sogar verschmitzt. Die berühmten Gäste, die fortan nach Marrakesch pilgern, sind auch abgebildet: Talitha Getty, Andy Warhol, Loulou de la Falaise, die Jaggers oder Catherine Deneuve.

In Marrakesch entstehen Hunderte Designskizzen, die Saint Laurent danach in seinem Pariser Atelier bearbeitet. Die Farben des Ortes – «Männer und Frauen in rosa, blauen, grünen und violetten Kaftans» – sowie die Berberkultur inspirieren die Kollektionen des grossen Designers zeitlebens. Saint Laurent braucht Marrakesch für seine Arbeit. Aber auch privat. Die Stadt wird zu seiner Ersatzheimat – und zuweilen seinem Zufluchtsort: Wenn ihm, dem gefeierten Designstar, in Paris alles zu viel wird, verschanzt er sich hier, fernab von allem.

Im Herbst wird das Musée Yves Saint Laurent Marrakech eröffnet – ein Grossprojekt mit Tausenden Exponaten. Yves Saint Laurent hat Marrakesch nie verlassen, selbst wenn er vor neun Jahren verstorben ist. Sein Schaffen ist noch immer mit der Stadt verwoben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2017, 18:44 Uhr

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