Kann es auch zu viel Parfüm sein?

Wer zu stark duftet, muss darauf hingewiesen werden, dass er andere stört. Direkt, aber freundlich.

Ja, es gibt Menschen, die definitiv zu viel Parfüm auftragen. Sie sind eine olfaktorische Herausforderung. Bild: Tina M. Steele (Flickr)

Ja, es gibt Menschen, die definitiv zu viel Parfüm auftragen. Sie sind eine olfaktorische Herausforderung. Bild: Tina M. Steele (Flickr)

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Wie bringt man jemandem stilvoll bei, dass er oder sie zu viel Parfüm benutzt? Darf man dazu überhaupt etwas sagen, und wenn ja, wie geht man das am höflichsten an? S. P.

Liebe Frau P., oh, ein Klassiker: die olfaktorische Belästigung. Durch zu viel Parfüm. Auch unschön: zu viel Rasierwasser. Und das Verheerende ist ja, dass sich immer ausgerechnet diejenigen total euphorisiert bestäuben und benetzen, die ein Stink-produkt verwenden. Es gibt Unmengen von Kopfweh-Parfüms, also solche, bei deren Einatmen sich sofort ein Stechen in den Schläfen bemerkbar macht. Grausam. Ein Nachbar von mir verwendet ein äusserst zweifelhaftes Rasierwasser, jedenfalls muss ich immer niesen, wenn er vor mir den Lift benützt hat. Ich überlege mir seit Jahren, einen Zettel anzubringen mit der Bitte, sich doch mal nach einer Alternative umzusehen, weil ich nämlich auch glaube, dass er so mehr Freunde hätte.

Denn natürlich darf man etwas sagen. Man muss sogar, finde ich. Nichts ist so demütigend, wie wenn sich alle das Maul über jemanden zerreissen, aber gleichzeitig zu feige sind, das mit dem Parfüm-Abusus derjenigen Person mitzuteilen, die es am meisten angeht. Ich meine, so werden Menschen einsam und zerbrechen sich den Kopf, was wohl an ihnen niemand mag, dabei liegt es bloss an ihrem Eau de Toilette oder an ihrer Ausdünstung.

Ich bin daher für radikale Direktheit. Das ist ein Akt der Gnade. Einigermassen freundlich formuliert werden sollte das Ganze natürlich, Grobheit ist nie empfehlenswert, aber man muss da fadengerade auf den Punkt kommen und sagen, was Sache ist, dieses Herumschwurbeln bringt rein gar nichts. Am Ende versteht Ihr Gegenüber Bahnhof, und Sie müssen in seiner Anwesenheit weiterhin flach atmen und damit rechnen, dass Ihr Hirn chronisch unterversorgt ist mit Sauerstoff, was auf Dauer wiederum Ihrer Performance im Büro abträglich sein wird.

Genauso unmissverständlich sollte man übrigens mit jenen umspringen, die stinken, weil sie nichts von der Erfindung der Dusche oder des Deos halten. Denen muss man das klar und deutlich sagen. In diesem Zusammenhang sei insbesondere Menschen mit einer Shampoo-Aversion gesagt: Selbst wenn die Frisur in ungewaschenem Zustand noch einigermassen passabel aussehen mag – glauben Sie mir: Riechen tun die Haare trotzdem. Das wollte ich schon lange mal schreiben.

Erstellt: 01.12.2014, 20:33 Uhr

Bettina Weber

Die Autorin beantwortet jede Woche Fragen zu Mode und Stil.

Stilfrage

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