«Vogue Italia» ohne Fotos – fürs Klima

Die italienische Ausgabe der Modezeitschrift publizierte Illustrationen statt eigener Fotostrecken. Ist das wirklich nachhaltiger?

Eine Premiere für das Magazin: Es ist kein Foto auf dem Cover. Insgesamt sieben verschiedene Titelseiten gestalteten Kunstschaffende für die Januarausgabe.

Eine Premiere für das Magazin: Es ist kein Foto auf dem Cover. Insgesamt sieben verschiedene Titelseiten gestalteten Kunstschaffende für die Januarausgabe. Bild: Vogue Italia

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«No photoshoot production was required in the making of this issue» – «Für die Herstellung dieser Ausgabe war kein Fotoshooting nötig». Wer sich die erste Ausgabe der «Vogue Italia» im neuen Jahr kaufte, hat bemerkt: Da ist kein Foto auf dem Cover. Das sei eine Premiere für sein Magazin, sagte Emanuele Farneti, Chefredaktor der italienischen Ausgabe des Hefts. Es sei wohl das erste Mal überhaupt in der Geschichte der «Vogue», dass ein Magazin ohne Fotos erscheine, seit es Anfang des 20. Jahrhunderts Fotografien in seine Seiten aufgenommen habe, schreibt die Herausgeberin, das Medienhaus Condé Nast, in einer Mitteilung.

Nicht nur das Foto des Covers wurde weggespart, auch die fotografierten Modestrecken. Stattdessen blättert man durch Illustrationen verschiedener Künstlerinnen und Künstler. Die «Vogue Italia» möchte damit nachhaltiger werden, denn ihre Fotoshootings belasteten die Umwelt.

Für die jeweils besonders aufwendige September-Ausgabe 2019 rechnete Chefredaktor Farneti nach: «150 involvierte Personen. Rund 20 Flüge und etwa ein Dutzend Zugfahrten. 40 Autos auf Standby. 60 internationale Sendungen. Nonstop brennende Lichter für mindestens 10 Stunden am Tag, teilweise angetrieben durch Benzingeneratoren. Food-Waste durch die Catering-Firmen. Plastikverpackungen der Kleider. Elektrizität, um die Telefone und Kameras aufzuladen …»

Material- und CO2-Schlacht

Im November unterzeichnete Condé Nast als erstes Medienunternehmen die «UN Fashion for Global Climate Action»-Initiative. Im Dezember 2019 bekannten sich alle 26 Condé-Nast-Publikationen, inklusive der «Vogue», zu einem «Mission Statement» fürs neue Jahr – für mehr Diversität und Nachhaltigkeit.

Mit ihrer illustrierten Januar-Ausgabe will die «Vogue Italia» nun zeigen, dass Bildwelten in der Mode auch ohne Abfall, Versand und Reisen kreiert werden können. Unterstrichen wird dies mit dem Artikel zu «wiedergeborenen» Kleidern, die aus wiederverwerteten Materialien hergestellt wurden. Das Geld, das durch die weggefallenen Fotostrecken eingespart wurde, wird an die Fondazione Querini Stampalia in Venedig gespendet. Das Museum wurde während des letzten grossen Hochwassers zerstört.

Die besagte Ausgabe der «Vogue» fand weltweit Beachtung in den Medien. Doch obwohl dank der Spende ans Museum ein (sehr) kleiner Teil der Folgen des Klimawandels kompensiert und dank der Illustrationen eine gewisse Menge CO2 und Ressourcen eingespart werden konnten: Wirklich nachhaltig ist die «Vogue Italia» damit noch lange nicht.

Auf den Illustrationen tragen die Mannequins Mode grosser Luxusmarken: Dior, Versace, Prada, Gucci. Diese sind allesamt nicht für besonders ethische oder umweltfreundliche Produktion bekannt. Das Magazin erscheint weiterhin auf Hochglanzpapier. Fotostrecken anderer Anbieter sind zu sehen. Und die Mode, die verkauft wird, wechselt auch weiterhin in schnellem Rhythmus.

Zudem liessen sich Emissionen auch reduzieren, ohne dass man ganze Fotoshootings abbläst – denn dies wird das Magazin eher nicht konsequent über das ganze Jahr hinweg fortsetzen. Regulär könnte man also vor Ort fotografieren und dabei nachhaltige und ethische Mode präsentieren. Kleider und Accessoires kann man statt in Plastik in Papier oder Kartonschachteln verpacken. Gegen Food-Waste gibt es zahlreiche Massnahmen: Tupperware, Gemeinschaftskühlschränke, Tafeln. Generell können Produktionen weniger aufwendig gestaltet werden – weniger Strom, weniger Personal.

Immerhin denken die Leserinnen und Leser der «Vogue Italia» und der Medien, die über die Aktion berichten, vielleicht eher über das Thema Nachhaltigkeit in der Mode und deren Vermarktung nach.

Erstellt: 16.01.2020, 14:54 Uhr

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