Wann gibts Sakkos ohne Rückenschlitz?

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Ich würde meinen Kleidungsstil als «smart casual» bezeichnen, also meistens Jeans in allen Farben, Hemd, Sakko. Leider wird es immer schwieriger, passende Sakkos zu finden, da ich der Ansicht bin, dass zu diesem Stil Sakkos mit aufgesetzten Taschen (kein grosses Problem) und ohne Rückenschlitz gehören (sehr grosses Problem). Ich habe mal gehört, dass der doppelte Rückenschlitz für das Reiten erfunden wurde. Nun, ich habe kein Pferd und die meisten anderen Sakkoträger auch nicht. Kann ich darauf hoffen, dass in absehbarer Zukunft wieder Casual-Sakkos ohne Rückenschlitz produziert werden bzw. in Mode kommen?
E. B.

Lieber Herr B.,
Sie stellen Fragen! Ehrlich gesagt habe ich mich noch nie mit dem Rückenschlitz von Sakkos auseinandergesetzt; es gibt Dinge, die gehen vollkommen an mir vorbei. Es verwirrte mich auch, dass die doppelt sein sollen, ich kam ganz durcheinander. Wenn ich jetzt aber, nachdem ich meine schändliche Bildungslücke geschlossen und unzähligen Männern in Blazern hinterhergestarrt habe, so darüber nachdenke, dann mag ich sie, diese Rückenschlitze.

Ich finde nämlich, dass der Blazer dann eindeutig besser fällt. Und mein Verdacht ist, dass der Rückenschlitz genau deshalb erfunden worden ist: man wollte ja eine Gattung machen so hoch zu Ross. (Allerdings gebe ich Ihnen recht: Der doppelte Rückenschlitz ist weniger kleidsam. Der macht nämlich, zumindest so von hinten betrachtet, ein breites Becken. Das ist nicht gut.)

Dennoch: Sie sollten sich von dieser Pferdesache nicht allzu sehr beeindrucken oder irritieren lassen; denken Sie sich als alternatives Ross einfach das Velo. Und überhaupt: Die meisten Kleider haben ihre Herkunft ganz woanders, als man heute denken würde. Der Trenchcoat etwa wurde eigens für den Schützengraben entwickelt («trench» heisst wortwörtlich Schützengraben), und kein Mensch käme heute auf die Idee, dass man diesen Klassiker nur dann tragen sollte, wenn man sich in feindlichen Gebieten aufhält oder gar dort, wo geschossen wird.

Bitte sehen Sie mir meine Offenheit nach, lieber Herr B., aber ich finde, Sie sind zu streng. Mit sich und mit diesen Sakkos mit den Rückenschlitzen. Sie schränken sich ein, Sie verkomplizieren die Mode. Das ist nicht gut. Die Sache mit der Mode sollte man unbedingt pragmatisch angehen, sonst macht sie einen unfroh.

Erstellt: 03.11.2014, 17:55 Uhr

Bettina Weber

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