Was ist von Polohemden zu halten?

Diese «Chrägli-Tischis» sind weder Fisch noch Vogel, sie wollen mehr sein, als sie sind. Das ist irgendwie unehrlich.

Was ist von Polohemden zu halten? Modeshow von Lacoste, der Ur-Marke des Kleidungsstücks. Foto: Keystone

Was ist von Polohemden zu halten? Modeshow von Lacoste, der Ur-Marke des Kleidungsstücks. Foto: Keystone

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Da ich – abgesehen von Uhr und Ehering – keinen Schmuck trage und mir auch keine «Tüechli» oder Sonstiges um den Hals hänge und nun Ende 40 bin, sind mittlerweile wohl eher Kleidungsstücke mit Kragen angesagt. Das wären einerseits Blusen, bei Polo-shirts bin ich mir aber immer wieder unsicher. Irgendwie kommen sie für mich bünzlig daher. Aber vielleicht liege ich ja völlig falsch; praktisch sind sie ja, vor allem bügeltechnisch. Aber zu welchem Anlass soll man sie tragen? In der Freizeit oder auch im Büro? Und sind eher Modelle mit Aufdrucken oder Kroko-Emblem angezeigt – oder doch eher uni bzw. «no name»? C. M.

Liebe Frau M., ich fühle mich ein klein wenig schlecht, weil ich befürchte, Sie in Ihrem Enthusiasmus bremsen zu müssen. Sie ahnen es schon: Ich bin nicht sehr entflammt für Poloshirts. Also eigentlich würde ich sogar sagen: Ignorieren Sie Poloshirts. Machen Sie einen Bogen um sie. Sie mögen ja praktisch sein, aber Praktikabilität ist in der Mode kein Argument, sondern ein Synonym für hässlich.

Sehen Sie, die machen irgendwie nichts her, diese «Chrägli-Tischis». Die sind weder Fisch noch Vogel, die sind eine Art aufgemotztes T-Shirt, die wollen mehr sein, als sie sind. Das ist irgendwie unehrlich. Und wieso soll man etwas tragen, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will? Hinzu kommt, dass diese Modelle oft an Männern zu sehen sind, die zu viel Gel im Haar haben und sich den Pulli über die Schultern legen; das ist so ein Muster, dass sich weltweit beobachten lässt, es verblüfft mich immer wieder, wie derselbe Typ Mann sozusagen global eine Vorliebe für dieselbe Kombination an den Tag legt. Und dafür, den Autoschlüssel auf dem Tisch zu deponieren.

Liebe Frau M., seien Sie jetzt angesichts meiner schnöden Ablehnung bitte nicht betrübt. Oder gar betupft. Denn ich habe auch gute Nachrichten, nämlich eine Alternative. Auf die sind Sie ja bereits selbst gekommen, und ich kann Sie darin nur bestärken: Tragen Sie Blusen. Weisse Blusen, Seidenblusen, Schluppenblusen. Oder Hemden. Männerhemden. Jeanshemden. Flanellhemden. Tragen Sie diese hochgeschlossen oder aufgeknöpft mit einem schicken Unterhemd. Eine Bluse ist ein Statement, ein Hemd genauso. Ein Poloshirt ist ein Kompromiss. Kompromisse mögen im Bundeshaus in Ordnung sein, in der Mode sind sie es nie.

Erstellt: 08.12.2014, 19:04 Uhr

Bettina Weber

Die Autorin beantwortet jede Woche Fragen zu Mode und Stil.

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