Was tun gegen Stinker?

Die Antwort auf eine Stilfrage zur Wahrnehmung des Eigengeruchs.

Die Hitparade unserer kleinen Rubrik wird angeführt von der olfaktorischen Aggression: Demonstration einer pragmatischen Lösung. Foto: BrianKhoury (Flickr)

Die Hitparade unserer kleinen Rubrik wird angeführt von der olfaktorischen Aggression: Demonstration einer pragmatischen Lösung. Foto: BrianKhoury (Flickr)

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Ich bin seit drei Jahren bei einer Tanzgruppe, die von der Pro Senectute (ab 60. Altersjahr) als Kurs angeboten wird. Mit Ausnahme von zwei Männern nehmen vor allem Frauen daran teil. Aus diesem Grund müssen einige Frauen den Männerpart übernehmen. Wir sind eine fröhliche, lustige Gruppe, nur ist seit Januar eine Frau dabei, die leider alles andere als angenehm riecht. Sie mag wohl gefärbtes Haar und lackierte Nägel haben, nur mit dem Waschen der Kleider oder auch von sich selber liegt es leider im Argen. Mit ihr zu tanzen, ist eine Zumutung, und wir haben schon überlegt, wie wir das Problem lösen können. Haben Sie einen guten Rat, wie wir das der Frau sagen, ohne sie zu verletzen?
A. S.

Liebe Frau S.,
ich bin ja ein grosser Fan der Natur. Die hat viele Dinge, also eigentlich fast alles, grandios eingerichtet. Wo ich jetzt aber noch einen Verbesserungsvorschlag hätte: die Sache mit der Wahrnehmung des Eigengeruchs. Die ging irgendwie total vergessen. Das funktioniert einfach nicht.

Eventuell ist das evolutionsbedingt, weil der Höhlenbewohner darauf verzichten konnte oder ihm so ein rustikaler Eigengeruch auf der Jagd oder der Brautschau gar entgegenkam, in der modernen Welt jedenfalls erweist es sich als überaus hinderlich. Beziehungsweise als sehr ärgerlich. Denn ich sage Ihnen, liebe Frau S., die Hitparade unserer kleinen Rubrik wird angeführt von just diesem Sujet, also der olfaktorischen Aggression durch den sich der Körperpflege verweigernden Mitmenschen (im Nachgang melden sich dann jeweils Männer, die erklären, sie würden niemals ihren Eigengeruch übertünchen, denn wer das tue, sei total degeneriert, und wer sich daran störe, erst recht; ich bin immer erleichtert, dass die per Mail kommunizieren).

Es gibt nur eines: Nase zu und durch.

Jemanden auf so etwas aufmerksam zu machen, ist unangenehm. Und zwar für beide; für Sie, weil Sie jemandem sehr nahe treten, und für die Dame, weil sie deswegen beschämt sein wird.

Trotzdem gibt es nur eines: Nase zu und durch. Nehmen Sie die Dame diskret zur Seite. Machen Sie ihr zunächst ein Kompliment, man muss sich da sozusagen emotional anschleichen. Dann sagen Sie, was Sache ist, aber verwenden Sie liebe Wörter (also «nicht so gut riechen» statt «stinken»), und lächeln Sie dazu. Und denken Sie daran: Beim Tanzen kommt man sich nicht nur nahe, man braucht auch Luft. Ihre Performance wird für immer leiden, wenn Sie nur so hektisch flach atmen können.


Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tagesanzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2017, 08:22 Uhr

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