Kaffeemaschine von Hario

Aparter Apparat

Der Hario Water Dripper macht kalten Kaffee, und das auf so raffinierte Weise, dass es eine Freude ist, ihm dabei zuzuschauen.

Foto: Sabina Bobst

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Nein, der Hario Water Dripper ist keine Apparatur aus dem Chemielabor, sondern eine Kaffeemaschine, genauer gesagt eine für kalten Kaffee. Macht auf den ersten Blick keinen Sinn, schon klar, aber das taten die Sachen, die unser Chemielehrer uns früher vorführte, ja auch nicht auf Anhieb. Er liebte es, irgendwelche Flüssigkeiten zusammenzugiessen und freute sich wie ein Kind, wenn sie sich in eine leuchtende Farbe verwandelten oder in ein dampfendes Etwas oder – noch besser – in ein Explosiönlein. Dafür dunkelte er den Raum ab, damit seine spektakulären Effekte noch besser zur Geltung kamen.

Er wüsste sicher sofort, wie die Behälter des Water Dripper alle heissen, und müsste nicht googeln und raten so wie ich. Das Gefäss zuoberst auf dem gläsernen Podest müsste eine Art kopfstehende Enghalsstandflasche mit einem pipettenähnlichen Verschluss sein, das in der Mitte ein Becherglas und zuunterst ein Mix aus Erlenmeyerkolben und Messbecher.

Das gläserne Design ist so schlicht und luftig-leicht und die Technik so raffiniert, dass eigentlich kein Zweifel daran bestehen kann, wer den Hario Water Dripper erfunden hat: die Japaner natürlich. In den Behälter in der Mitte kommen gemahlene Kaffeebohnen, in den Behälter oben eiskaltes Wasser. Einmal am Regler an der Pipette gedreht, bahnt sich das klare Wasser nun tröpfchenweise den Weg durch das Kaffeepulver, um unten erbräunt aufgefangen zu werden.

Von schnellem Genuss kann aber keine Rede sein; die Japaner mögen ja die Musse (was man von unserem Chemielehrer nicht behaupten konnte). Bei japanischen Teezeremonien muss man sich etwa drei Stunden in Geduld üben, bevor man an der Tasse nippen darf.

Der Water Dripper lässt sich etwa gleich viel Zeit. Weil er so hübsch anzusehen ist, verzeiht man ihm das gerne. Zumal er in der dreistündigen Prozedur angeblich 90 Prozent des Bohnenaromas extrahiert und 70 Prozent der Säure schluckt. Ein paar Eiswürfel dazu, und schon hat man den coolsten kalten Kaffee überhaupt. Ist es draussen zu kühl dafür, macht ihn ein Schuss kochendes Wasser wieder heiss – in Sekundenschnelle.

Erstellt: 13.03.2016, 17:32 Uhr

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