Die Problemzone der Wirtschaftselite ist der Fuss

Viele Manager treten am WEF so auf wie auf den Trottoirs von Davos: Mit Schuhen, die eine Beleidigung für das Auge sind.

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Es gibt viele Ärgernisse am WEF: die Schlangen vor den Sicherheitskontrollen, die langen Fussmärsche in der Eiseskälte, das Limousinenchaos. Und dann gibt es da noch die Enttäuschung über nicht erfüllte Erwartungen an den wichtigsten Wirtschaftsanlass des Jahres. Man stellt sich beispielsweise vor, dass die Weltelite der internationalen Businesswelt optisch genauso überdurchschnittlich daherkommt wie intellektuell. Man freut sich im Stillen darauf, fünf Tage von Managern in gut geschnittenen Ermenegildo-Zegna- oder Brioni-Anzügen umgeben zu sein, die ein Hauch von Terre d’Hermès umweht.

Die Realität ist eine andere: Es wimmelt im Kongresszentrum nur so von schlecht angezogenen Herren. Die grösste Problemzone lag dieses Jahr unter der Gürtellinie – am Fuss. Rahmengenähte, elegante schwarze Schnürschuhe aus Kalbsleder? Leider nicht das modische Statement vieler Chefs am Kongress 2019.

Die Hose hat keine Chance, elegant über derartige Monsterschuhe zu fallen.

Stattdessen schien sich die breite Masse der Teilnehmer auf ein Fusskleid im Stile von Luis Trenker eingeschossen zu haben. Wo man hinsah in den Foyers: Bergschuhe, klobige, verdreckte Boots und Mokassins mit Profilsohle dominierten die Szenerie. Gepaart mit einem Anzug sah das bei den meisten Trägern so aus, als wären sie in die Breite und in die Tiefe gegangen, weil die Hose natürlich keine Chance hat, elegant über derartige Monsterschuhe zu fallen.

Dem Davoser Wetter die Schuld an dem Desaster zu geben, greift zu kurz. Natürlich war es letzte Woche auf den Trottoirs des Kurorts eisig und gefährlich. Wer unbeschadet im Kongresshaus ankommen wollte, musste zwingend winterfestes Schuhwerk montieren. Doch eine Teilnahmegebühr von 27'000 Franken verpflichtet irgendwie zu einem würdigen Auftritt. Das heisst konkret: Bei solchen Witterungsverhältnissen gehören nicht nur Akten und iPad ins Gepäck, sondern auch ein zweites Paar Schuhe, das an der Garderobe im Kongresszentrum eingewechselt werden kann.

Wen überrascht es, dass die 22 Prozent Frauen, die am WEF teilnahmen, dieses Credo mehrheitlich befolgten und die Moonboots im Forum sofort gegen elegante Pumps tauschten? 

Der Aufwand scheint zu gross

Den Männern kam indes mal wieder ihr Pragmatismus in die Quere: Soll man bei Minustemperaturen nicht Energie sparen und aufs Umziehen verzichten? Lohnt sich der Aufwand überhaupt, wenn die Zahl der anwesenden Damen ­sowieso unterirdisch klein ist? ­Fragen wie diese scheinen ihre ­Entscheidungen beeinflusst zu haben. Das WEF 2019 – ein wahrer Fehltritt.

Erstellt: 28.01.2019, 00:08 Uhr

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