Gefährliche Pullis

Der Garderobenklassiker mit Kapuze feiert ein phänomenales Comeback – und zwar auf dem Laufsteg.

Selbst Bloggerinnen tragen Kapuze: Chiara Ferragni im Februar an der Modewoche in New York. Foto: Daniel Zuchnik (Getty)

Selbst Bloggerinnen tragen Kapuze: Chiara Ferragni im Februar an der Modewoche in New York. Foto: Daniel Zuchnik (Getty)

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Er ist ein guter Freund, der Kapuzenpullover. Eigentlich ja immer dann, wenn einem nach Rückzug zumute ist. Mit dem Hochziehen einer Kapuze, ­eingehüllt in Baumwolle, begibt man sich ganz bewusst in die Einsamkeit. Und ­signalisiert nach aussen hin: Allein sein ist erwünscht, und wehe denen, die diese offenkundige textile Grenze überschreiten möchten.

Der Kapuzenpulli, 1930 vom New ­Yorker Sportlabel Champion erfunden, hatte schon viele Leben: Rocky Balboa trug ihn zum Training, Prinz William sonntags hinter dem Steuer seines Privatautos, Rapper Jay-Z beim Konzert. Vor neun Jahren überraschte der junge New Yorker Designer Alexander Wang mit einer Kollektion, die Eleganz mühelos mit Sportlichkeit vermengte. Kapuzen waren Teil dieser frischen Ästhetik.

Seit das Modelabel Vetements letzten Herbst übergrosse Hoodie-Modelle mit einem Schriftzug entworfen hat, der eher an ein Death-Metal-Fanshirt erinnert denn an ein Pariser Luxusmodehaus, ist noch ein weiteres Leben hinzugekommen. Der Kapuzenpulli stand nun auch auf dem Laufsteg mit einem Mal nicht mehr nur für Sportlichkeit. Die angesagte Szene um Chefdesigner Demna Gvasalia integrierte das Kleidungsstück in ihre Sowjet-Punk-Outfits, was das Oberteil nicht nur mit einer gefährlicheren Ausstrahlung versah, sondern auch wieder ultimativ begehrenswert und öffentlichkeitstauglich machte: Musiker Kanye West zum Beispiel tauchte stolz im schwarzen Vetements-Hoodie, der trotz eines Verkaufspreises von rund 1000 Franken schon nach kurzer Zeit vergriffen war, an der exklusiven Modeschau von Dior auf, wo jeweils mühevoll zusammengestellte Looks dominieren.

Auch auf der Strasse war der Kapuzenpulli in den letzten Monaten allgegenwärtig. Die Schweizer Stylistin ­Ursina Gysi, während der Modewochen ein gefragtes Streetstyle-Sujet, kombinierte ihn zu einem Seidenkleid und hohen Absätzen. Die überaus geschäftstüchtige italienische Starbloggerin Chiara Ferragni roch den Braten und spazierte während der New Yorker Fashion Week im Februar in einem neuen, übergrossen Hoodie aus ihrer eigenen Kollektion, mit nackten Beinen und schwarzen Lackstiefeln für die Fotografen durch die Strassen. Wohlgemerkt: Rückzug geht anders. Und gefährlich wirken will gekonnt sein.

Erstellt: 01.05.2016, 18:08 Uhr

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