Surreal bis in die Fasern

Am Sonntag startet die dritte Staffel von «Twin Peaks». Die neue Kostümdesignerin hat einen schweren Stand: Die Mode der Serie ist legendär.

Der Look der Fünfzigerjahre: Audrey Horne (Sherilyn Fenn) in «Twin Peaks» (1990). Foto: ABC Photo Archives/Getty Images

Der Look der Fünfzigerjahre: Audrey Horne (Sherilyn Fenn) in «Twin Peaks» (1990). Foto: ABC Photo Archives/Getty Images

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Womöglich haben faule, aber gewiefte Freunde der Popkultur schon mal das eine oder andere der folgenden Outfits für eine Kostümparty in Betracht gezogen: beige Grosspapi-Wolljacke (Kurt Cobain im Video zu «Come As You Are»), gepunktetes Vierzigerjahre-Kleid und rote Lippen (Gwen Stefani in «Don’t Speak»), blass-pinkfarbene Perücke (Scarlett Johansson in «Lost in Translation») oder rote Hotpants, Stirnband und Knieschoner (Abigail Breslins Bühnenoutfit in «Little Miss Sunshine»).

Das sind Kleider, die wiedererkennbar sind; solche, die als Ikonen gelten. Ausgesucht hat sie alle die Amerikanerin Nancy Steiner. In den Nirvana-Jahren wühlte sie sich – halb noch Punkrock-Fan, halb schon Stylistin – durch Secondhand-Läden. Heute ist sie eine gefragte Kostümdesignerin mit einem Händchen für Filmkleider, die in Erinnerung bleiben. Ihr jüngster Job: David Lynchs lang erwartete Fortsetzung der Serie «Twin Peaks» von 1990.

Über 238 Darsteller gab es für die neuen Folgen einzukleiden. David Lynch möge Silhouetten der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre, sagte Steiner in einem Interview mit der amerikanischen «Elle» über die Vorgaben des Regisseurs. Sie habe versucht, das Gefühl für diese Jahrzehnte in jedes der Kostüme einzubringen.

Bilder – die legendären Outfits von «Twin Peaks»

Es muss ein ungeheurer Druck gewesen sein. Denn die Vorgängerin von Nancy Steiner, Sarah Markowitz, hatte vorgelegt: Die Garderobe der Darsteller in der Originalserie war brillant. Selbst dass sich der Teenager Audrey Horne wie Elizabeth Taylor kleidete, wirkte seltsam real in diesem surrealen Universum, in dem ältere Damen mit Holzscheiten plaudern. Flanellhemden, Strickpullis mit auffälligen Motiven und übergrosse Lesebrillen hatten etwas Verschrobenes, Schräges. Und doch wirkten alle Kleider, als stammten sie aus einem Schrank in der echten Welt. Agent Coopers steife schwarze Anzüge etwa sahen so aus, als röchen sie nach Mottenkugeln. Kurz: Die «Twin Peaks»-Kostüme waren authentisch.

Wie die Outfits der neuen Kleiderchefin konkret aussehen, wird sich am 21. Mai zeigen, wenn «Twin Peaks» auf dem US-Sender Showtime startet. Gut so, denn die Welt braucht neue Ideen für ihre Kostümpartys.

Video – «Twin Peaks»: Das Phänomen (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2017, 15:02 Uhr

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