Warum stures Powerdressing ein Erfolgsrezept sein kann

Komme, was wolle, die ehemalige Chefredaktorin der französischen «Vogue», Carine Roitfeld, hält seit Jahren an ihrem Stil fest.

Carine Roitfeld in ihrer Uniform an der Modeschau von Céline im vergangenen Herbst. Foto: Jacopo Raule (Getty)

Carine Roitfeld in ihrer Uniform an der Modeschau von Céline im vergangenen Herbst. Foto: Jacopo Raule (Getty)

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In einigen Wochen erscheint Carine Roitfelds Gastkollektion für Uniqlo. Der zweite Streich für die japanische Modekette. Offenbar hat der Plan, Roitfelds Lieblingsoutfits an die Kundinnen zu bringen, beim ersten Mal gut funktioniert. Und so besteht auch die neue Kollektion aus den «signature pieces» der ehemaligen Chefredaktorin der französischen «Vogue» und legendären Stylistin: aus ledernen Accessoires, knielangen ­engen Jupes, feinen Wolloberteilen und hauchzarten Strümpfen. Dazu sollen, selbstverständlich, hochhackige Schuhe kombiniert werden.

«Never underestimate the power of a good outfit on a bad day», man unterschätze nie die Wirkung eines guten ­Outfits an einem schlechten Tag, postete Carine Roitfeld kürzlich auf Instagram. Damit meint sie ein Outfit nach dem ­Geschmack von Helmut Newton oder Tom Ford: stark, sexy, unnahbar.

Die 61-Jährige ist Meisterin dieses Fachs. «Bourgeois mit ein wenig Rock ’n’ Roll», beschreibt die Pariserin mit russischen Wurzeln ihren Look – und hält an diesem Stil unermüdlich fest. Selbst dann, wenn wie in den letzten Jahren in der Mode andere Stimmungen in der Luft liegen: etwa wenn sportliche Einflüsse oder Alltagstauglichkeit engem Ledernem oder turmhohem Schuhwerk den Rang ablaufen.

Roitfeld kehrte Vogue den Rücken zu

Vielleicht sind es aber genau diese klare Linie und dieses sture Festhalten an einer bestimmten Idee von Mode, die Carine Roitfeld seit den Neunzigerjahren über Wasser gehalten haben. Als sie 2010 die französische «Vogue» verliess, kam das überraschend. Sie war ein Star der Branche, Liebling der Streetstyle­fotografen und Antithese zur asexuellen Businessfrau Anna Wintour.

Man mutmasste über die Gründe des Weggangs: Roitfeld habe sich den finanzstarken Anzeigenkunden gegenüber zu wenig kooperativ gezeigt und auf Druck von Verlagsseite bockig reagiert. Und es half bestimmt nicht, dass sie dafür bekannt war, Handtaschen lautstark zu verteufeln – Accessoires sind für die Modebranche überlebenswichtig. Hinzu kamen ihre provokativen Fotostrecken, zum Beispiel mit schwangeren Models, die Zigaretten rauchten. Aufregend war das, aber auf Dauer nutzte sich der Effekt ab: ein bisschen so, wie man bei «Game of Thrones» irgendwann nicht mehr aufschrie, wenn einem Ritter die Augen ausgestochen wurden – weil man sich daran gewöhnt hatte. Diesen knallharten Glamour ­betreibt Roitfeld nun weiterhin in ihrem eigenen Magazin «CR Fashion Book».

Eigenwilligkeit ist immer Trend

Ihre Outfits sind mittlerweile auch nicht mehr so aufregend wie anfangs, Sexiness als Konzept gilt aus modischer Sicht eigentlich nicht als sehr zeitgeistig. Ihr stures Stilkonzept ist jedoch insofern aktuell, als Carine Roitfeld darauf besteht, das zu tragen, was ihr steht und wofür sie steht, unabhängig von allen modischen Tendenzen. Diese Eigenwilligkeit ist immer ein wichtiger Trend. Und: Der unverkennbare Roitfeld-Stil funktioniert als Verkaufsargument, wie die Uniqlo-Zusammenarbeit Anfang Februar beweisen wird, wunderbar.

Erstellt: 18.01.2016, 08:36 Uhr

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