Wie reagiere ich auf Knauserigkeit?

Wenn einem die Bank mit einem Zehn-Franken-Gutschein für die Treue dankt, ist eine deutliche Antwort angebracht.

Viel zu naschen bekommt man in der Confiserie Sprüngli für zehn Franken nicht: Verkäuferin beim Abpacken von Luxemburgerli.

Viel zu naschen bekommt man in der Confiserie Sprüngli für zehn Franken nicht: Verkäuferin beim Abpacken von Luxemburgerli. Bild: Keystone

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Von der Kundenberaterin der Bank unseres Vertrauens erhielten wir als Dank für unsere Treue einen Gutschrift von Sprüngli für zehn Franken. Ich bin richtig beleidigt, hätte lieber nichts erhalten! Aber irgendwie muss ich ja reagieren. Ich denke an etwas wie: «Vielen Dank für den Gutschein; wir haben uns zwei Truffes du jour damit gegönnt.» Was meinen Sie dazu? Früher erhielten wir mal von der Bank eine Flasche Wein. Dieses Geschenk hatte mich wirklich gefreut.

M.-T. W.

Liebe Frau W.,

ich gebe frank und frei zu, beim Lesen Ihrer Frage schallend gelacht zu haben. Nicht Ihretwegen, wo denken Sie hin. Sondern wegen Ihrer Bank. Ein Gutschein für zehn Franken ist nun wirklich amüsant, um es einmal höflich zu formulieren. Wobei mich ja wundernähme, um welche Bank es sich handelt, aber Sie waren selbstverständlich diskret genug, das nicht zu erwähnen, ansonsten wir das umgehend aufgedeckt und das Geldinstitut knallhart mit dem Vorgehen konfrontiert hätten.

Ich meine: Das ist ein klassischer Fall von «Wenn mans gut meint, kommt es oft nicht gut raus». Die Bank hat sich vermutlich gesagt: Es geht um die Geste, und das ist ja schön und gut und von der Idee her durchaus richtig, aber wenn die Geste derart «schmürzelig» daherkommt, dann lässt man es wirklich lieber bleiben. Eine Geste sollte ansatzweise grosszügig daherkommen und nicht so knauserig, weil sich sonst der gewünschte Effekt ins Gegenteil verkehrt. Beziehungsweise: Es kommt als das rüber, was es ist – schäbig. Schäbig ist nicht gut, weil schäbig, «schmürzelig» und knauserig unsympathische Adjektive sind, sie deuten alle auf Engherzigkeit hin, und Engherzigkeit ist eine verachtenswerte Charaktereigenschaft.

Deshalb finde ich Ihre Antwort absolut adäquat, liebe Frau W.; Sie beweisen damit a) Höflichkeit und b) Humor. Selbstverständlich wird die Bank Ihren Seitenhieb nicht verstehen, denn wer solch kümmerliche Geschenke macht und nichts dabei findet, der hat es nicht so mit den Zwischentönen. Vielleicht sollten Sie also deutlicher werden. Ich finde: Hauen Sie so richtig drauf, liebe Frau W., Sie sind stilvoll genug, um das im genau richtigen Ton rüberzubringen.

Erstellt: 09.03.2015, 18:49 Uhr

Bettina Weber

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