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Wie Luxusmarken bei Indigenen abkupfern

Indigene Mexikanerinnen gingen bisher leer aus, wenn sich Modekonzerne ihrer Muster bedienten. Das könnte sich bald ändern.

Bunte Stickereien zieren die weissen Blusen der französischen Designerin Isabel Marant. Ein Fotovergleich zeigt: Sie sind fast identisch mit jenen, die auch auf den Blusen einer Gruppe Mexikanerinnen zu sehen sind. «Gestohlenes Design», schreibt die mexikanische Politikerin und Volkssängerin Susana Harp dazu. Denn die Frauen mit den bestickten Kleidern gehören der indigenen Mixe-Gemeinschaft von Santa Maria Tlahuitoltepec im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca an.

Einige der bunten floralen Muster, welche die venezolanische Designerin Carolina Herrera in ihrer «Resort 2020 Collection» präsentierte, sehen jenen aus Tenango de Doria im Bundesstaat Hidalgo zum Verwechseln ähnlich.

Die schwarz-weissen Stickereien auf Oberteilen der Modekette Zara gleichen jenen, die indigene Frauen aus Aguacatenendo im Bundesstaat Chiapas anfertigen – seit Jahrhunderten, als Teil ihrer Identität.

Laut der NGO Impacto würden insbesondere traditionelle Muster aus den drei genannten Bundesstaaten von internationalen Modekonzernen plagiiert und ungefragt kommerzialisiert. Die Preise, welche gerade die Luxusmarken, aber auch Zara für Bekleidung mit abgeschauten Mustern verlangen, übersteigen die Preise der lokal handgefertigten Originalvarianten oft um ein Vielfaches. So kostet etwa eine Bluse der Designerin Isabel Marant mehr als das Zehnfache als das, was die Frauen in Hidalgo pro Stück verdienen würden.

Und seien scheinbar traditionell bestickte Kleider in Modehäusern überall auf der Welt erhältlich, würden die Leute solche Mode nicht mehr bei Kunsthandwerkerinnen kaufen.

Die Frauen indigener Gemeinschaften sind gleichzeitig darauf angewiesen, Geld mit ihrem Kunsthandwerk zu verdienen. Die Gegenden, in denen sie leben, sind von Armut gebeutelt, viele von ihnen sticken und nähen, um für den Lebensunterhalt ihrer Familien aufzukommen.

 Links eine traditionell verzierte Bluse aus Aguacatenendo, Chiapas. Rechts: Eine Bluse des Modehauses Zara. Foto: Instagram Impacto
Links eine traditionell verzierte Bluse aus Aguacatenendo, Chiapas. Rechts: Eine Bluse des Modehauses Zara. Foto: Instagram Impacto

Doch seit einigen Jahren wehren sich die Indigenen gegen diese Praktiken. Letztes Jahr etwa verklagten die Frauen von Aguacatenendo die Modekette Zara mit der Unterstützung der NGO Impacto. Musikerin Susana Harp setzt sich als Senatorin des mexikanischen Kongresses dafür ein, dass die Kunst der indigenen Bevölkerung als ihr Eigentum gesetzlich geschützt wird. Die mexikanische Regierung wendet sich bereits jetzt in Schreiben direkt an die entsprechenden Firmen, welchen vorgeworfen wird, traditionelle Muster zu kopieren.

Der «Spiegel» berichtete diesen Monat, dass zu den Firmen, welchen die Regierung und indigene Organisationen kulturelle Aneignung vorwerfen, unter anderen Benetton, Louis Vuitton und Nestlé zählen. Das mexikanische Nachrichtenportal Sinembargo MX berichtete über ähnliche Fälle bei Dior, Nike und Mango.

Im Fall der «Resort 2020 Collection» verlangte die mexikanische Kulturministerin Alejandra Frausto von Designerin Herrera und dem Kreativdirektor der Firma, Wes Gordon, eine Erklärung – weshalb sie kulturelle Elemente verwenden würden, deren Ursprung gut dokumentiert sei. Dies sei nicht nur ein ethisches Anliegen, schrieb sie in einem Brief, sondern betreffe auch Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen wie etwa Inklusion.

Auf die Schreiben der Regierung habe das Modeunternehmen nicht reagiert, sagte Kulturministerin Alejandra Frausto der Nachrichtenagentur EFE. Auch Anfragen von EFE wurden nicht erwidert.

Vor einer Woche nun berichtete die mexikanische Zeitung «El Universal», dass die entsprechenden Kommissionen des Senats den nötigen Gesetzesreformen zugestimmt hätten, damit die Kunst und Kultur indigener Gemeinschaften in Zukunft geschützt werden können.

Muster mexikanischer Indigener sind nicht die einzigen, die sich die globale Modeindustrie aneignet, wie diese Bilder zeigen. Quelle: Instagram Give Credit.

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