Zum Hauptinhalt springen

Traf ich die richtige Entscheidung?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren häufig gegoogelte Fragen.

Denken Sie wirklich, Google könne wissen, ob Sie den richtigen Menschen geheiratet haben? Foto: Keystone
Denken Sie wirklich, Google könne wissen, ob Sie den richtigen Menschen geheiratet haben? Foto: Keystone

Also: Die Entscheidung, diese Frage zu googeln, war schon mal falsch. Keine Maschine kann wissen, ob Sie den richtigen Menschen geheiratet oder das richtige Sofa gekauft haben. Und wenn Sie sich dafür entschieden hatten, ein Verbrechen zu begehen oder eine Münze in die Nase zu stecken, dann wissen Sie ja auch ohne Google, dass das eher nicht richtig war.

Dennoch, die Frage ist menschlich. Denn wer kennt es nicht, jenes leicht panische Gefühl, das einen packt nach einer Entscheidung: War das andere Sofa nicht doch schöner? Wie man damit umgeht, ist eine Typfrage. Manche haken solche Zweifel ab, bevor sie aufkommen: Ist halt ein Sofa, nicht so wichtig, Hauptsache, man kann sich draufsetzen.

Andere dagegen brauchen die Bestätigung, tatsächlich die bestmögliche Entscheidung getroffen zu haben. Das sind dann jene, die in den Wochen zwischen Bestellung und Lieferung immer wieder ins Möbelgeschäft zurückschleichen, um noch einmal probezusitzen. Und nicht nur Freundinnen und Arbeitskollegen, sondern selbst Google mit ihrer Unsicherheit behelligen.

Für das Umfeld sind diese Entscheidungs-Überdenker anstrengend, für sich selber ebenfalls. Denn das nachträgliche Zaudern ist sinnlos: Man hat sich nun mal entschieden, für und damit auch gegen etwas. Ob eine andere Variante besser gewesen wäre, wird man nie wissen.

Sartre hilft weiter

Aber was tun, wenn einen die Zweifel wider alle Vernunft dennoch weiterplagen? Dann setzt man sich am besten aufs Sofa, auf welches auch immer, und liest Jean-Paul Sartres «Les jeux sont faits»: Darin sterben zwei Menschen, Eve und Pierre. In der Welt der Toten verlieben sie sich ineinander, und da sie eigentlich füreinander bestimmt gewesen wären, dürfen sie für 24 Stunden zurück zu den Lebenden. Schaffen sie es, sich in dieser Zeit wirklich füreinander zu entscheiden, können sie bleiben.

Sie schaffen es dann nicht, ihre alten Überzeugungen und Verpflichtungen verhindern den Neustart. Deshalb sterben sie, definitiv und entsprechend Sartres existenzialistischem Credo, dass der Mensch nichts anderes sei als «die Gesamtheit seiner Handlungen». Es ist kein bequemes Credo; es verleiht dem Menschen zwar Freiheit und Würde, bürdet ihm aber auch die «totale Verantwortung für seine Existenz» auf, wie Sartre einmal schrieb.

Wir müssen uns also entscheiden, immer wieder, ob wir wollen oder nicht. In wichtigen und unwichtigen Fragen, leichten Herzens oder nach schlaflosen Nächten. Und dann das Resultat geniessen, verfluchen, aushalten – oder wenn nötig und möglich auch mal durch eine weitere Entscheidung korrigieren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch