Warum gibt es so viele paarungsfreudige Bauern?

Heute Abend startet die 15. Staffel von «Bauer, ledig, sucht...». Wie erfolgreich sind eigentlich diese Verkupplungsversuche? Eine Hochrechnung.

Stars der Show: Der Berner Bauer Adrian mit seinen Hofdamen Nadine (links) und Cornelia. Foto: PD

Stars der Show: Der Berner Bauer Adrian mit seinen Hofdamen Nadine (links) und Cornelia. Foto: PD

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Adrian war früher Armdrücker. Jetzt widmet er sich vor allem den Ziegen und Schafen. Und er wechselt vom Berndeutschen ins Hochdeutsche, wenn er einen Satz besonders betonen will. Er könne einer Frau sehr viel bieten, sagt er im Vorstellungsvideo im urchigen Dialekt: die linke und die rechte Hand, um etwas zu flicken, und natürlich «das Zusammensein». Adrian lebt auf einem abgeschiedenen Hof – und sucht eine Partnerin.

Er ist damit nicht allein. Seit über zehn Jahren produziert der private Fernsehsender 3+ erfolgreich die Verkupplungsshow «Bauer, ledig, sucht...». Heute beginnt die 15. Staffel. Mit dabei sind acht Bauern, sechs davon aus dem Kanton Bern. Zum Sendestart haben wir uns gefragt, warum sich diese Show eigentlich so lange halten kann. Woher nimmt sie diese schier unerschöpfliche Reserve aus paarungsfreudigen Bauern?

Jeder Siebte fand sein Glück

Von den Showverantwortlichen ist dazu auch nach mehrmaligem Nachfragen nur eine selbstbewusste, schriftliche Standardantwort erhältlich. «Seit Staffelstart wurden schon 19 Hochzeiten gefeiert, 23 Babys kamen zur Welt, und viele glückliche Paare haben sich gefunden. Diese sehr erfolgreiche Verkupplungsquote hilft dem Sender, auch heute noch Bauern zu finden, die sich am TV verlieben wollen.» Ausserdem habe sich «der grosse Erfolg» herumgesprochen. So geschehe es oft, «dass auch ehemalige TV-Bauern Freunde und Bekannte anmelden». Weil wir es ein bisschen genauer wissen wollten, haben wir uns selbst in die Statistiken gestürzt.

Laut unseren durchaus anfechtbaren Auswertungen haben in den 14 ausgestrahlten Staffeln bisher 131 Bauern und Bäuerinnen eine Partnerin oder einen Partner gesucht. Wobei es effektiv weniger Personen waren, denn einige suchten mehr als einmal per Kuppelshow nach ihrem Liebesglück. Diese Liebesversuche endeten in 19 Hochzeiten. Gut jeder siebte Verkupplungsversuch war erfolgreich – wenn man eine Hochzeit allein als Indiz für einen erfolgreichen Versuch nimmt. Zum Vergleich: Eine Singlebörsen-Auswertung ergab 2018, dass der grösste und teuerste Anbieter Parship eine Vermittlungsquote von 35 Prozent hat, mehr als jeder Dritte fand sein Liebesglück.

Ein Detail ist uns noch aufgefallen: Von den 131 Bauern waren 32 aus dem Kanton Bern. Oder mit anderen Worten: Jeder vierte Kandidat war ein Berner oder, selten, eine Bernerin. Warum diese Häufung? Stellen sich Berner Bauern so ungeschickt bei der Partnerinnensuche an? Der Sender schreibt dazu: «In gewissen Kantonen, dazu gehört auch Bern, gibt es mehr Bauern als in anderen.» Aha.

Also rasch die Statistik konsultiert: Im Jahr 2018 gab es in der Schweiz 50'852 Bauernbetriebe, davon 10'396 im Kanton Bern. Im Jahr 2008, dem Jahr der Erstausstrahlung von «Bauer, ledig, sucht...», waren es noch 60 894 Bauernbetriebe (Bern: 12'424). Das Verhältnis blieb in diesen zehn Jahren etwa gleich. Laut diesen Zahlen sollte eigentlich gut jeder fünfte Kandidat bei «Bauer, ledig, sucht...» aus dem Kanton Bern stammen – und nicht jeder vierte. Das können nun natürlich statistische Schwankungen sein oder doch ein Indiz, dass sich Berner eine Spur schwerer tun in Liebesdingen.

Wie gross ist die Chance für den Berner Bauern Adrian, diesen Sommer seine grosse Liebe zu finden?

Und, wissend, dass wir nun Gefahr laufen, völlig unwissenschaftlich zu werden: Wie gross ist demzufolge die Chance für den Berner Bauern Adrian, diesen Sommer bei «Bauer, ledig, sucht...» seine grosse Liebe zu finden? Wir übergeben diese Sätzli-Rechnung gerne an die Grundschülerinnen und -schüler, die sich in den grossen Ferien schon langweilen.

Denn wir haben Wichtigeres zu tun: «Bauer, ledig, sucht...» schauen! Wo sonst gibt es noch dieses Landidyll gepaart mit markigen und rührigen Aussagen, echten und weniger echten Küssen und ab und zu bitteren Tränen? Und wir fühlen uns übrigens in guter Gesellschaft: Die Sendung erreicht regelmässig einen Marktanteil von 14 Prozent – sie überflügelt damit auch die öffentlich-rechtlichen Sender des Schweizer Fernsehens. Und 14 Prozent, das heisst doch... aber rechnen Sie selber.

«Bauer, ledig, sucht...», ab heute Donnerstag, 11. Juli, 20.15 Uhr, auf dem Fernsehsender 3+.

Erstellt: 11.07.2019, 17:04 Uhr

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