Der Trunk der Berge

Vom Verkaufspreis jeder Flasche der Cuvée «Sherpa» aus Salgesch VS wandern zwei Franken in den Topf für die Sherpa-Ausbildung.

«Es soll nicht der Eindruck eines billigen Marketingtricks entstehen»: Der Walliser Patrick Z’Brun unterstützt mit seinem Wein die Führer am Mount Everest. Foto: PD

«Es soll nicht der Eindruck eines billigen Marketingtricks entstehen»: Der Walliser Patrick Z’Brun unterstützt mit seinem Wein die Führer am Mount Everest. Foto: PD

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Im Museum im Schloss Aigle wird eine Sammlung von Weinetiketten aus aller Welt aufbewahrt. «350'000 bis 450'000 Stück, niemand weiss das so genau», heisst es dort. Die Etiketten decken ein gestalterisches Spektrum von Kunst bis Kitsch ab, sie sind Visitenkarten der Weingüter wie Ausdrucksformen verschiedener Epochen. Sie sollen zum Trinken einladen wie der legendäre Bacchus, der seit mehr als einem Jahrhundert unverdrossen von der Flasche Dézaley La Médinette zuprostet.

Im Museum liegts wohl noch nicht, aber eine Geschichte, wie sie das gelbe, mit fünf Zeichnungen und Lettern einer fremden Sprache vollgekritzelte Papier hat, findet man nicht alle Tage. Der Walliser Patrick Z’Brun, studierter Ökonom, gelernter Bergführer und ein Quereinsteiger im Weinbusiness, hat es für einen Wein schaffen lassen, der ihn sein Leben lang an ein Ereignis der Spitzenklasse erinnern wird: Am 21. Mai 2008 stand Z’Brun auf dem Gipfel des Mount Everest. Im Tagebuch notierte er: «Long Dorjie, der mich wie ein Freund begleitete, und ich fallen uns in die Arme.»

Zurückgekehrt suchte er eine neue Herausforderung. Er kaufte Vins des Chevaliers, ein traditionelles, aber verstaubtes Unternehmen in Salgesch. «Ich kannte die Weine, als Bub holte ich sie für meinen Vater aus dem Keller.» Die Firma verarbeitet jährlich Trauben von 30 Hektaren und war einst berühmt für ihren Dôle. Ist er zufrieden? «Ja. Das Weinbusiness ist hart. Aber der Everest hat mich beeinflusst, ich habe alte Werte entdeckt.» Natur und Natürlichkeit, Geduld und die Kunst des Wartens. Eigentlich sei er ungeduldig, aber im Weingeschäft sei man dem Wetter ausgeliefert. Wer die Geduld verliere, zerstöre seine Chancen, im Weinberg wie am Everest.

«Etwas eher Rustikaleres»

Die Expedition zeigte ihm, dem Bergführer vom Dach der Schweiz, auch seine Abhängigkeit von den Führern im Everest, den Sherpas. «Sie sind die wahren Helden. Was die leisten!» Noch in Nepal beschloss Z’Brun, die Sherpas zu unterstützen, «damit sie unabhängiger werden». Er gründete das Swiss-Sherpa-Projekt, dem er mit einem eigens assemblierten Wein Öffentlichkeit verschaffen will. Vom Verkaufspreis jeder Flasche wandern zwei Franken in den Topf für die Sherpa-Ausbildung. «Es soll nicht der Eindruck eines billigen Marketingtricks entstehen», hofft er, «es ist immerhin meine erste eigene Kreation.»

Mit seinem Önologen Marc-André ­Devantéry und Sherpa Puma, dem Koch der Expedition, selektionierte er eine Cuvée, die zu ihm und den Bergen passt: «etwas eher Rustikaleres», eine Assemblage von Pinot noir und Humagne rouge, ausgebaut im Stahltank und zurückhaltend in Barriques. Eine ideale Vermählung: Pinot noir, die elegante Weltsorte und Hauptrebe von Salgesch, die Gipfel stürmt, und die erdige Walliser Sorte Humagne rouge, die für Bodenhaftung steht. Ein bemerkenswerter Wein, dicht, mit feiner Frucht und einer herben Walliser Note.

Sherpa 2009, 75 cl, 19.50 Fr., Vins des Chevaliers, Varenstrasse 40, 3970 Salgesch, Tel. 027 455 28 28. www.chevaliers.ch.

Erstellt: 03.10.2014, 18:23 Uhr

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