Die Magie der Medaillen

Weinprämierungen sind im Trend, vor allem auch Schweizer Weine werden mit Gold- und Silbermedaillen eingedeckt. Was bringen die Auszeichnungen den Konsumenten?

Volle Konzentration: An grossen Weinprämierungen müssen während Tagen Tausende eingereichte Weine probierte werden.

Volle Konzentration: An grossen Weinprämierungen müssen während Tagen Tausende eingereichte Weine probierte werden.

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Reihen von Pokalen und Medaillen in Gold und Silber an weissroten Bändeln befrachten die Wohnwand. Auf der Brust ranghoher Militärs präsentieren sich Orden wie ein säuberlich ausgerichtetes Bataillon. Filmstars posieren mit goldenen Bären und glitzernden Oskars. Und auf den Etiketten von Weinflaschen prangen reihenweise Reproduktionen goldener Scheiben. Keine Frage: Der Mensch liebt Auszeichnungen, die der Umwelt von seinen ausserordentlichen Leistungen erzählen. Und sie geben ihm die Sicherheit, dass er, zumindest in der Ansicht seiner Mitmenschen, etwas richtig gemacht hat.

In der Weinwelt sind Prämierungen und Auszeichnungen besonders beliebt und vor allem Schweizer Weingüter nehmen an der Wahl der Besten rege teil. «Die Schweizer machen bei fast allen Prämierungen mit», weiss Barbara Meier-Dittus, Chefredaktorin der Weinzeitschrift VINUM. «In der Schweiz herrscht ein gewisser Nachholbedarf. Man will beweisen, dass die Schweizer Gewächse so gut sind wie die ausländischen.» Besonders im Wallis ist die Teilnahme an Prämierungen beliebt. Nicht nur ist das Wallis der bedeutenste Weinbaukanton: «Die Walliser haben ein gesundes Konkurrenzdenken», ergänzt Meier-Dittus.

Preise en masse

Der Westschweizer Kanton ist denn auch selbst ein reger Veranstalter von Prämierungen – zuvorderst die Vereinigung Vinea. Ursprünglich von der Walliser Wirtschaftskammer zur Förderung der Walliser Weine gegründet, hat sich die Organisation mittlerweile dem ganzen Schweizer Markt geöffnet, gibt den Schweizer Weinführer heraus und hat sich als Veranstalter wichtiger Schweizer Weinprämierungen etabliert. Namentlich des Grand Prix du Vin Suisse, der zusammen mit VINUM organisiert wird, des Mondial du Pinot Noir und des Mondial du Merlot. Bei der Internationale Weinprämierung Zürich (IWPZ), die von der Expovina veranstaltet wird, sorgt Vinea zudem für die logistische Abwicklung der Degustation. Damit ist Vinea mittlerweile so etwas wie ein Garant für Qualität geworden.

Denn das Problem stellt sich jedem Winzer: Welche Teilnahme bringt ihm am meisten? Soll er bei einer der zahllosen lokalen, letztlich jedoch bedeutungslosen Prämierungen teilnehmen, damit die Chance auf eine Medaille steigt? Oder doch lieber das Geld für einen der grossen Wettbewerbe in die Hand nehmen, zu denen tausende Weine eingereicht werden, die Chance auf einen Spitzenplatz jedoch gering, der Ruhm im Fall eines Erfolgs dafür umso grösser ist? Allein zum Grand Prix du Vin Suisse wurden dieses Jahr über 2700 Tropfen eingereicht, die von 150 Juroren während fünf Tagen beurteilt wurden. Mehr als tausend Flaschen kamen aus dem Wallis, 674 aus der Waadt und 639 aus der Deutschschweiz. 176 Weine gewannen ein Golddiplom, 705 wurden mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

Bei dieser Medaillenflut stellt sich natürlich die Frage, wie viel Sinn eine solche Auszeichnung macht. Wenn jeder dritte eine Auszeichnung erhält: Wie viel sagt sie über den Wein aus? Andreas Etter, Marketingchef der Weinkellereien Aarau, bestätigt, dass es sich um zweischneidiges Schwert handle: «Die Flut der Medaillen führt fraglos zu einer Verwässerung der Wirkung», sagt er. Andererseits garantiere sie trotzdem eine gewisse Qualität. Denn zum einen würde das Weingut nur seine besten Weine zu einer Prämierung einreichen. Diese würde die Auswahl zum anderen zusätzlich filtern.

Schweizer Weine profitieren

Die Auszeichnungen seien vor allem für die Grosshändler interessant. «Weine, die zum Beispiel bei der IWPZ gewinnen, erfahren unmittelbar nach der Bekanntgabe der Sieger eine massiv höhere Nachfrage der Grossisten», sagt Etter. Vor allem grosse Händler wie Denner und Coop würden umgehend nach der Preisverleihung dominante Inserate schalten, um die prämierten Weine anzupreisen; die Medaillen sind ein entsprechend wertvolles Marketinginstrument. Etter bestätigt die höhere Nachfrage der Konsumenten und sieht deshalb auch für den Schweizer Weinbau Vorteile: «Preise wie der Grand Prix du Vin Suisse leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der einheimischen Weine.»

Ob die Medaillen auch den Konsumenten etwas bringen, ist hingegen fraglich: Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und es darf bezweifelt werden, dass einem Weingeniesser der mit Gold ausgezeichnete Wein auch wirklich besser schmeckt als ein anderer, der keine Medaille trägt. Der Master of Wine Philipp Schwander hält deshalb herzlich wenig von solchen Prämierungen – selbst wenn er bisweilen auch als Jurymitglied bei Degustationen mitmacht: «Jeder halbtrümmlige Saft ergattert mittlerweile eine Medaille», kritisiert er. Für die Weinproduzenten andererseits mache die Auszeichnung durchaus Sinn.

Statt dem schimmernden Gold zu vertrauen, empfiehlt Schwander den Gang in eine gute Weinhandlung, die Weine vor Ort zu probieren, eine Flasche mit nach Hause zu nehmen und sie zum Essen zu probieren. Dann erst wisse man, ob einem der Tropfen auch zusagt. Als Betreiber einer Weinhandlung ist er indessen gar nicht auf die Zugkraft von Medaillen angewiesen, denn der Master of Wine ist sozusagen eine wandelnde Goldmedaille in Personalunion: Auch er verleiht den Weinen mit seiner Beratung einen Glanz, den sie sonst nicht hätten. Dies gilt indessen für jeden Weinhändler, der seine Kunden persönlich berät.

Ob der Weingeniesser lieber auf das schillernde Gold und Silber oder auf die direkten Tipps von Profis vertraut, ist letztlich eine Frage der persönlichen Vorliebe. Vom eigenen Urteil befreit ihn jedoch weder der Medaillen-Glanz noch das Wort des Profis.

Erstellt: 03.11.2010, 07:41 Uhr

Grand Prix du Vin Suisse

Alljährlich wird von VINEA und der Weinzeitschrift Vinum der Grand Prix du Vin Suisse verliehen – eine Auszeichnung nur für Schweizer Weine. Das sind die Gewinner 2010:

Chasselas
1. Saint-Saphorin Le Sémillant 2009, Jean-Michel Conne, Cave de Champ de Clos
2. Epesses Coup de l’Etrier 2009, Jean et Pierre Testuz, Cully
3. Fendant Grand Cru de Vétroz 2009, Les Celliers de Vétroz, Vétroz

Müller-Thurgau
1. Riesling x Sylvaner, Räckedorn Gächlingen 2009, GVS Schachenmann AG Schaffhausen
2. Arenenberger Müller-Thurgau Auslese 2009, BBZ Arenenberg, Salenstein
3. Müller-Thurgau Weinfelden 2009, Weingut Wolfer, Weinfelden

Andere sortenreine Weissweine
1. Amigne de Vétroz Saveurs Nobles 2007, Romain Papilloud, Cave du Vieux Moulin
2. Heida Grand Métral 2009, Provins Valais, Sion
3. Johannisberg 2009, Antoine et Christophe Bétrisey, Saint-Léonhard

Weisse Assemblagen
1. Défi Blanc Les Titans 2008, Provins Valais, Sion
2. Cuvée Madame Rosmarie Mathier 2009, Adrian Mathier Nouveau Salquenen, Salgesch
3. Enfer Blanc 2009 Histoire d’Enfer, Corin/Sierre

Rosé & Federweisse
1. Fläscher Rosé 2009, Weingut Familie Hansruedi Adank,
St. Luzi
2. OEil-de-Perdrix 2009, Caves du Château d’Auvernier, Auvernier
3. OEil-de-Perdrix La Matze 2008, Adrian Mathier Nouveau Salquenen, Salgesch

Pinot Noir
1. Le Satyre Pinot Noir La Côte 2009, Noémie und Noé Graff, Begnins
2. Sélection Barrique Nussbaumen, 2007 Weingut Saxer, Nussbaumen
3. Syydebändel Pinot Noir Sélection, Genossenschaft Syydebändel, Tenniken

Gamay
1. Gamay Corbassière 2009, Cave Corbassière, Saillon
2. Domaine de la Treille Gamay La Côte 2009, Les Frères Dutruy, Founex
3. Gamay de Fully 2009 Cave du Chavalard, Fully

Merlot
1. Merlot SanZeno Costamagna 2007, Claudio Tamborini, Lamone
2. Il Querceto Barrique 2008, Terreni alla Maggia, Ascona
3. Merlot Nadia Mathier 2008, Adrian Mathier Nouveau Salquenen, Salgesch

Andere sortenreine Rotweine
1. Cornalin 2009, Cave Nouveau St-Clément, Flanthey
2. Syrah St-Saphorin 2008, Cave des Rois, Villeneuve
3. Gamaret Collection Bernard Ravet 2008, Cave Cidis,
Tolochenaz

Rote Assemblagen
1. Sottobosco Rosso del Ticino 2008, Tenimento dell’Ör, Meinrad Perler, Agriloro SA
2. Ardevine 2008, Cave Ardévaz, Chamoson
3. Cuvée Cologny 2008, Domaine de la Vigne Blanche, Cologny

Süssweine
1. Miroir des Lumières, Marsanne & Roussanne flétries, Chamoson 2008, Olivier Cosendai, Les Vignes du Potier, Saint-Pierre-de-Clages
2. Prélude Neuchâtel 2008, Alain Gerber, Hauterive
3. Merle des Roches Ermitage 2007, Domaine du Mont d’Or, Conthey

Quelle: VINUM

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