Unterschätzter Barbera

Barbera ist die wichtigste Rotweinsorte des Piemonts und die drittwichtigste Italiens.

Herkunft unbekannt: Barbera ist eine Traubensorte deren Herkunft trotz DNA-Forschung unbekannt.

Herkunft unbekannt: Barbera ist eine Traubensorte deren Herkunft trotz DNA-Forschung unbekannt. Bild: Keystone

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Letzte Woche stattete ich meinen Winzern im Piemont den alljährlichen Besuch ab. Glücklicherweise war das Wetter schön, und so waren wir bester Laune, als wir in den Langhe eintrafen. Diese von lieblichen Hügeln geprägte malerische Landschaft mit ihren gepflegten Rebgärten begeistert mich immer wieder. Besonders gefällt mir Monforte d’Alba, das die Heimat vieler berühmter Barolo-Produzenten ist.

Das Piemont hat in den letzten 30 Jahren einen geradezu atemberaubenden Wandel durchlaufen. Ich erinnere mich noch gut, als ich 1985 in der Region einige Barolo kaufte, die damals zumeist noch um die acht Franken pro Flasche kosteten. Heutzutage ist es schon ein ­absoluter Glücksfall, wenn man einen wirklich guten Barolo für unter vierzig Franken entdeckt! Ähnlich wie die grandiose Küche, die zu Recht zu den besten Italiens zählt, heben sich die Weine des Piemonts in wohltuender Weise vom uniformen Cabernet-Merlot-Einerlei der internationalen Weinszene ab. Der aus der Nebbiolo-Traube erzeugte, sperrige, sehr tanninreiche Barolo ist allerdings für Weinnovizen wenig geeignet. Erst durch eingehende Beschäftigung mit diesem ungestümen, herben Rotwein offenbart sich seine einzigartige Qualität.

Beliebt in den 70ern

Immer noch im Schatten des berühmten Barolo steht der Barbera. Es handelt sich dabei um eine Traubensorte, deren Ursprünge trotz neuerer DNA-Untersuchungen nach wie vor unklar sind. Man nimmt aber an, dass sie aus der piemontesischen Provinz Asti stammt. Die erste zuverlässige schriftliche Quelle findet sich im ampelografischen Buch von Giuseppe Nuvolone-Pergamo, der die Rebsorte 1798 beschrieb. Allerdings soll sie bereits im 13. Jahrhundert im Monferrato kultiviert worden sein.

In den 70er-Jahren war die Sorte äus­serst beliebt, da sie von Natur aus sehr hohe Erträge bringt. Wird sie nur mässig zurückgeschnitten, können Mengen von über 100 Hektoliter pro Hektare erreicht werden. Leider führte der Methanol­skandal 1985 zu einer dramatischen Reduktion der Anbaufläche, da zahlreiche Billig-Barbera davon betroffen waren. So sank der Anbau in Italien von knapp 50 000 Hektaren Anfang der 90er-Jahre auf die heutigen rund 20 000 Hektaren. Barbera ist aber nach wie vor die wichtigste Rotweinsorte des Piemonts und die drittwichtigste Italiens.

Auch in der Lombardei, besonders im Oltrepò Pavese, ist sie sehr verbreitet. Im Piemont wurde sie hoffähig dank Gia­como Bologna, der mit seinem Bricco dell’Uccellone erstmals erfolgreich einen barriquegereiften Barbera präsentierte. Seitdem bemühen sich immer mehr regionale Produzenten, hochwertige Weine aus dieser Rebsorte herzustellen. Tatsächlich kann man grossartige Barbera entdecken, die um ein Vielfaches preiswerter sind als Barolo. Der führende Piemonteser Winzer Gian­marco Ghisolfi teilte mir denn auch unumwunden mit, dass Barbera völlig unterschätzt sei. Ein prächtiges Beispiel dieser Sorte erzeugt Giorgio Rivetti, einer der Shootingstars der Piemonteser Weinszene: Sein 2010er ist komplex, von beeindruckender Statur und sollte noch ein gutes Jahr zur Abrundung gelagert werden.

Barbera d’Asti Cà di Pian, La Spinetta 2010, à 24.50 Fr. bei Steinfels Weine, Zürich. www.steinfelsweine.ch, Tel. 043 444 48 44.

Erstellt: 06.09.2014, 07:41 Uhr

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Philipp Schwander


Er schreibt im Wechsel mit Paul Imhof über Wein und Winzer und stellt edle Tropfen vor.

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