Wie Wein aus den Ferien schadlos nach Hause reist

Hitze schadet, geschüttelt werden darf er: Tipps, wie ein Wein die Reise aus den Ferien nach Hause heil übersteht.

Feriengefühl verflüssigt: Stimmt die Stimmung, nimmt man gerne auch kulinarische Souvenirs aus den Ferien mit nach Hause.

Feriengefühl verflüssigt: Stimmt die Stimmung, nimmt man gerne auch kulinarische Souvenirs aus den Ferien mit nach Hause.

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Ein perfekter Moment: Das Ende eines heissen Sommertages im Süden, ein laues Lüftchen sorgt für angenehme Kühlung, die sich im Weinglas reflektierende Abendsonne hängt träge über dem Horizont und der Blick verliert sich in der Ferne. Ferien, Entspannung – und der Tropfen im Glas schmeckt einfach hervorragend. So gut wie selten ein Wein zu Hause.

Verständlich also der Wunsch, die lukullische Erinnerung mit nach Hause zu nehmen, um zurück im Alltag neben den Fotos und ein paar Bildern im Kopf auch noch einmal den Geschmack des Südens erleben zu dürfen. Ein Weinladen oder ein nahe gelegenes Weingut, wo sich ein paar Flaschen des neu entdeckten Safts auftreiben lassen, ist schnell gefunden.

Plötzlich schiessen einem jedoch die Warnungen des Kollegen – möglicherweise selbst ein Weinkenner – durch den Kopf: Der Wein könne beim Transport kaputt gehen, weshalb viele Weine zu Hause nicht mehr so gut schmecken. Wein dürfe man nicht schütteln und die Luftdruckveränderung im Flugzeug schade ihm ebenfalls, hat er gesagt. Doch haben die Warnungen Hand und Fuss? Wein wird doch auch sonst verschifft? Wie also bringe ich den geliebten Tropfen nach Hause?

Hitze ist der Tod

Am besten in der richtigen Verpackung, lautet die erste Empfehlung des Önologen Alain Bramaz. Vor allem, wenn der Wein im Flugzeug mitfliegen soll, ist die gute Verpackung wichtig: In die Kabine darf der Wein nicht mit, er muss in den Frachtraum, wo mit dem Gepäckstück bisweilen unsanft umgegangen wird. Die Verpackung muss die Flaschen gut umschliessen und Schläge abfedern. «Jedes Weingut und jeder Weinhändler, der mit internationalen Kunden handelt, hat spezielle Styropor- oder Kartonverpackungen, die Platz für mehrere Flaschen bieten», sagt Bramaz.

Der tiefere Luftdruck im Frachtraum sei für den Wein indessen absolut kein Problem, weiss Bramaz. Und die kühlen Temperaturen sind sogar ein Vorteil, der Wein wird vor zu viel Wärme geschützt. Was uns zum grössten Feind des Weins bringt: die Hitze. «25 Grad für eine kurze Zeit kann ein Wein problemlos wegstecken», sagt der Bramaz. Im stehenden Auto wird es aber gerne mal vierzig Grad und mehr – für den Wein ein Super-GAU. Bramaz: «In der Hitze verlieren Weine ihre Frucht, sie werden flau.» Teure Weine würden zudem an Wert einbüssen. Reist der Wein im Auto mit, sollte er idealerweise einen Platz im Aircondition-gekühlten Passagierraum erhalten. Und falls das Auto in der Sonne stehen gelassen werden muss, muss man sich ein Zwischenlager suchen, entweder im Hotelzimmer oder vielleicht im Gepäckdepot eines Bahnhofs.

Auch UV-Strahlung des Sonnenlichts kann dem Wein schaden, besonders wenn er sich wie einige Weissweine in einem Weissglas befindet. Die UV-Strahlung löst chemische Reaktionen aus und führt zu Geschmacks- und Geruchsveränderungen des Tropfens. Dies jedoch nur, wenn er über längere Zeit dem Sonnenlicht ausgesetzt wird.

Schütteln schadet nicht

Eine Mär ist hingegen, dass Schütteln dem Wein schade. «Für Wein sind auch heftige Bewegungen kein Problem», bestätigt der Önologe. Bei Weinen mit Weinstein, der sandigen Substanz, die sich bei einigen Tropfen auf dem Boden sammelt, werde der Bodensatz allerdings aufgewirbelt. Am Ziel angekommen, sollte der Tropfen für eine gewisse Zeit ruhen gelassen werden, so dass sich der Weinstein wieder senkt.

Nicht ganz vergessen gehen sollten zudem die Grenzwächter: Personen ab 17 Jahren dürfen pro Tag zwei Liter Wein mit maximal 15 Volumenprozent Alkohol in die Schweiz einführen – was nicht mal drei 0,75-Liter-Flaschen entspricht. Soll mehr mitgeführt werden, heisst es Gebühren zahlen: Bei einer Einfuhrmenge von bis zu zwanzig Litern kostet der Wein pro Liter 60 Rappen. Darüber wirds teuer: Einfuhrmengen von über zwanzig Liter sind mit drei Franken pro Liter zu berappen.

Zurück zum Vergnügen: der flüssigen Ferienerinnerung. Wer kennt nicht das Problem, dass der Wein zu Hause einfach nicht mehr die gleiche Begeisterung auslöst wie in den Ferien? Der Grund ist indessen oft nicht im Transport zu suchen, sondern bei einem selbst. In den Ferien sind Menschen unkritischer: Die Stimmung des Moments stimmt, etwas Feines zum Essen wird aufgetischt, das besagte laue Lüftchen verweht möglicherweise die Aromen des Weins und der Sonnenuntergang sorgt für zusätzliche Verblendung.

Kritisch geniessen

Zu Hause hingegen herrscht Alltag: das Wetter ist nicht mehr so schön wie im Süden, vielleicht ist es kühler und die Arbeit fordert wieder ihren Tribut. Der Wein wird deshalb nicht mehr gleich wohlwollend aufgenommen. «Nicht der Wein verändert sich, sondern der Mensch und seine Umgebung», sagt Bramaz. Auch wenn der Wein über weite Strecken reist, verändert er sich nicht, weiss Bramaz.

Die Lösung: Auch in den Ferien sollte der Saft kritisch unter den Riecher genommen werden. Schmeckt er im kühlen Hotelzimmer (vielleicht bei geschlossenen Läden) genauso gut, wie er sich bei «sun, fun and nothing to do» zeigt? Falls ja: Kaufen, richtig einpacken und mitnehmen!

Erstellt: 15.07.2010, 13:52 Uhr

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