Zehn Sterne für Wei(h)nnachten

Die Weinautorin Chandra Kurt hat für Tagesanzeiger.ch/Newsnetz zehn Tropfen herausgesucht, mit denen Weihnachten zu Weinnachten wird – ohne damit das Januarloch in den Dezember zu verlegen.

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Es wäre ja alles ganz einfach: Man zückt die dicke Brieftasche, blättert ein paar Hundert Franken auf den Tresen und geht mit einer schweineteuren französischen Flasche Wein fürs Weihnachtsfest nach Hause. Das Staunen und das Lob der Gäste sind einem sicher, das Weihnachtsessen wird zum glamourösen Festschmaus. Doch selbst in der Schweiz, wo die meisten Menschen bessergestellt sind als in anderen Ländern, können und wollen sich Herr und Frau Schweizer die überteuerten Tropfen unseres westlichen Nachbarn nicht leisten.

Kommt hinzu, dass es leichter fällt, einen krummen Tannenbaum gerade zu biegen, als einen verlässlichen Franzosen für wenig Geld zu finden. «Frankreich macht es einem unglaublich schwierig», bestätigt die Weinautorin Chandra Kurt: «An Weihnachten will man aber kein Theater.» Sprich, wenn das flüssig gewordene Loch im Portemonnaie entkorkt wird und der Saft nichts taugt, ist die Enttäuschung ein Geschenk, auf das man lieber verzichtet hätte.

Zehn fürs Geld

Chandra Kurt, Verfasserin des Weinsellers (siehe Kasten), hat zusammen mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz zehn Tropfen mit einem hervorragenden Preis-Genuss-Verhältnis ausgesucht. Was nicht bedeutet, dass sie alle nur billig sind: Unter der Auswahl befindet sich auch ein Saft für 39 Franken – der aber jeden einzelnen Tropfen seines Inhaltes Wert ist. Aus oben genannten Gründen wurden bewusst keine französischen Weine ausgewählt – obwohl sowohl für Chandra Kurt wie auch für den hier Schreibenden fast nichts über die göttlichen Tropfen aus dem Burgund und Bordeaux geht.

In der Auswahl findet sich hingegen etwas für jeden Geschmack – vom trockenen Weissen, um den Gaumen zu wecken, über den spannenden Pinot Noir aus Kalifornien, der die Glöcklein klingeln lässt, bis hin zum Liebling von Herr und Frau Schweizer schlechthin – einem Amarone. Chandra Kurt: «Es handelt sich um Tropfen, die auch bei mir auf dem Tisch stehen können, wenn ich Lust auf Wein habe.» Die Tropfen sind typisch für die Region, aus der sie stammen, jeder trägt eine eigene Handschrift und sie sprechen nicht jeden Geniesser gleich an. Bevor Sie deshalb gleich ein Dutzend Flaschen eines Safts, der Sie aus unserer Wahl anspricht, bestellen, empfehlen wir, zunächst eine einzelne Flasche zu kaufen und zu testen, ob sie Ihnen wirklich zusagt.

Und zuletzt noch dies: Die Weine sind zwar alle trinkreif und müssen nicht mehr gelagert werden. Machen Sie jedoch schon das Vorspiel zum Genuss, zu einem besinnlichen Erlebnis: Öffnen Sie die Flasche lange vor dem Trinken, dekantieren Sie den Wein und lassen Sie ihn atmen. «So kommen nicht nur Geniesser in Stimmung, sondern auch der Wein», sagt Chandra Kurt. Oder versuchen Sie ein Experiment, das garantiert für Tischgespräche sorgt: Tischen Sie zwei unterschiedliche Tropfen auf, zum Beispiel den vollmundigen, eleganten Sequana und daneben den Zinfandel von Kenwood. Beide Weine kommen aus Kalifornien und haben eine komplett andere Aromatik. Beide Säfte jedoch passen hervorragend zum Essen. Probieren Sie es aus!

Bleibt zu sagen: Viel Vergnügen bei der Bilderschau und o du Fröhliche!

Erstellt: 16.12.2010, 09:43 Uhr

Weinseller


Seit 13 Jahren schreibt und veröffentlicht die Weinautorin Chandra Kurt den «Weinseller» – die Einkaufsbibel für preisbewusste Weingeniesser. Darin besprochen werden ausschliesslich Tropfen der Grosshändler Aldi, Coop, Denner, Globus, Lidl, Manor, Spar und Volg. Für den «Weinseller 2010/11» hat Chandra Kurt 512 Weine aus 17 Ländern getestet, davon 304 Rotweine, 132 Weissweine, 30 Rosés und 10 Süssweine. Die Preisspanne der Weine reicht von 2,95 bis 75 Franken, wobei der Grossteil der Tropfen (245 Weine) zwischen 10 und 20 Franken kosten. 164 Weine gibt es zwischen 5 und 10 Franken, der Rest kostet über 20 Franken.

www.weinseller.com

Neben dem Weinseller verfasst Chandra Kurt auch Weinbücher und berät die Fluggesellschaft Swiss zur Weinauswahl der First-, Business- und Economy-Class. (Bild: jag)

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