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Weltreise durch die Weinwelt

Mit Charme, Humor und einem Ozean an Weinwissen haben die bekannten Weinbuchautoren Jancis Robinson und Hugh Johnson die 6.Auflage ihres Weinklassikers vorgestellt.

«Wenn du von etwas keine Ahnung hast, dann schreib ein Buch darüber!», witzelte Hugh Johnson letzte Woche anlässlich der Präsentation von «Der Weinatlas». Sein Erstlingswerk ist eben in der 6.Auflage erschienen und gehört zu den ganz grossen Weinklassikern.

Als 32-Jähriger nahm er gemeinsam mit seiner Frau die Recherchen auf und zwei Jahre später, 1971, erschien das Werk unter dem Originaltitel «The World Atlas of Wine». Ein Jahr lang hatten die beiden die wichtigsten Weinbauländer dieser Welt bereist und anschliessend bestehende Hallwag-Landkarten mit Informationen über Rebberge und Besonderheiten im Rebbau der jeweiligen Gegend zu informativen Weinbaukarten aufbereitet.

Überraschende Nachfrage

Die Nachfrage nach dem Weinatlas überraschte sowohl den Herausgeber als auch den Autoren und dessen Freund, der die Idee bei einem gemeinsamen Glas Wein entwickelt hatte. In kürzester Zeit waren alle Exemplare der ersten Auflage restlos ausverkauft. 1972 brachte der Berner Verlag Hallwag die deutsche Übersetzung heraus. Heute zählt der Weinatlas zu einem der umfassendsten Weinbücher überhaupt.

Die fünfte Auflage erforderte eine vollständige Überarbeitung des bisherigen Werks. Die beschriebenen Rebgebiete hatten sich seit der ersten Ausgabe verdoppelt und neue Themen wie die fortschreitende globale Erwärmung, Rückbesinnung auf autochthone Rebsorten, wachsendes Interesse am biologischen Weinbau sowie neu hinzugekommene Weinregionen im asiatischen Raum wie unter anderen Vietnam, Kambodscha, Indien, China und Japan beschäftigen die Weinwelt. Johnson suchte Unterstützung und konnte mit Jancis Robinson eine erfolgreiche Kollegin verpflichten, die seit 1984 bereits über zwanzig Weinbücher verfasst hatte. Ihre Handschrift ist in der sechsten Ausgabe deutlich erkennbar. «Wendete sich der Weinatlas früher an Weinfreunde, Reiselustige und Leute, die nette Geschenke suchten, richten wir uns heute auch an die Weinproduzenten und Absolventinnen und Absolventen der Ausbildungslehrgänge ‹Master of Wine› und ‹Weinakademiker› des ‹Wine and Spirit Education Trusts (WSET)›, stellt der englische Buchautor fest. Entsprechend umfassender und detaillierter fallen die Berichte und geografischen Karten des neuen Weinatlas aus.

20 aufsteigende Weinregionen wurden erstmalig kartografiert. Insgesamt 200 Übersichts- und Detailkarten im Massstab 1:25000 erklären die Herkunft und geografischen Hintergründe der besten Weine aus allen fünf Kontinenten. Ausserdem wuchs der Teil Weinwissen um ein Vielfaches an. «Beispielsweise entwickelte sich der Weinbau in Deutschland in den letzten Jahren besonders gut. Die Qualitätszunahme ist hier unvergleichlich hoch», meint Robinson, die diese Tatsache dem Klimawandel zuschreibt: «Die deutschen Winzer haben Glück und reagieren richtig. Und auch strenge Qualitätskontrollen und Erntebeschränkungen wirken sich positiv aus.»

Geografie aus der Flasche

«Wein ist für mich Geografie in der Flasche», philosophiert die studierte Mathematikerin und Philosophin Jancis Robinson. Sie holt sich ihr Wissen auf Weinreisen durch die ganze Welt. Soeben von einer Asienreise zurückgekehrt, weiss die Autorin, dass Wein heute in fast ganz Asien angebaut wird – mit unterschiedlichen Zielen und Ergebnissen.

In Asien setzen klimatische Rahmenbedingungen mit grosser Kälte im Winter, Monsunregen und Taifunen im Sommer deutliche Grenzen. «In China gehört Weingenuss zum Prestigedenken, und Japan stellt die meisten Sommeliers der Welt», berichtet die in London lebende Engländerin. Ob die Japaner Sommeliers jedoch zu den Besten gehören, lässt die Buchautorin diplomatisch offen. «Auf meiner Reise durch Indien fasste ein Gesprächspartner die Meinung vieler seiner Landsleute zusammen: Weshalb Wein trinken, wenn man sich mit Whisky doppelt so schnell betrinken kann?», erinnert sich die dreifache Mutter mit einem herzlichen Lachen.

Drehverschluss im Kommen

Auf seinen Reisen durch die Weinwelt hat auch Johnson viel gesehen und gehört. «Wein ist zwar ein Teil davon, nicht aber das ganze Leben!», meint er heute augenzwinkernd. Zu einem Thema äussert er sich indessen besonders klar: «Der Drehverschluss hat seinen Siegeszug begonnen. Er ist gut, nötig, hässlich und billig», sagt der bald Siebzigjährige und lacht.

Unter dem Motto «Lasst dem Korken keine Chance» verschliesst Neuseeland heute 90 Prozent seiner Qualitätsweine mit «Screw Caps», was aber keinen Einfluss auf die Preise hat. In Australien sind es bereits über 50 Prozent. Mit dem Drehverschluss bleibt der Wein in der Flasche viel frischer und lebendiger. «Das Design kann aber noch stark verbessert werden und wer weiss», scherzt Johnson, «vielleicht werden nächstens Rinderdärme an Stelle der Korken oder der Drehverschlüsse verwendet.»

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