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Schön eingeseift

Das Zürcher Unternehmen Soeder führt in seinem Sortiment nur Produkte, welche die Firmenbeteiligten auch selber kaufen würden. Und stellt Naturseifen aus hochwertigen Zutaten her.

Arbeiten mit Gasmaske und im Overall: Johan Olzon und Karl Westbom schützen sich bei der Seifenproduktion vor  alkalischen Dämpfen und heissen Spritzern.
Arbeiten mit Gasmaske und im Overall: Johan Olzon und Karl Westbom schützen sich bei der Seifenproduktion vor alkalischen Dämpfen und heissen Spritzern.
Doris Fanconi
Johan Olzon (links) gehört zu den Gründern der Firma Soeder und ist unter anderem für die Seifenproduktion verantwortlich, Karl Westbom hilft ihm. Er ist im Unternehmen für den Textilbereich zuständig.
Johan Olzon (links) gehört zu den Gründern der Firma Soeder und ist unter anderem für die Seifenproduktion verantwortlich, Karl Westbom hilft ihm. Er ist im Unternehmen für den Textilbereich zuständig.
Doris Fanconi
Soeder verkauft die Flüssigseife in braunen Flaschen aus Glas. «Ein hochwertiges Produkt verdient eine entsprechende Verpackung», sagt Johan Olzon
Soeder verkauft die Flüssigseife in braunen Flaschen aus Glas. «Ein hochwertiges Produkt verdient eine entsprechende Verpackung», sagt Johan Olzon
Doris Fanconi
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Die beiden jungen Männer sehen aus wie die zwei Typen in der amerikanischen Kultserie «Breaking Bad»: Schutzanzüge mit Kapuzen, Gasmasken, Schutzbrillen, Stiefel, Plastikhandschuhe. Nur stellen Johan Olzon und Karl Westbom in der Fabrikhalle in Schwerzenbach nicht synthetische Drogen her wie Walter White und Jesse Pinkman in der 62-teiligen TV-Serie, sondern Seifen aus natürlichen und hochwertigen Bestandteilen – die sie schliesslich in gediegenen braunen Flaschen als Flüssigseife für Hände und Körper in ihrem Zürcher Geschäft Soeder sowie übers Internet verkaufen.

Nur bei zwei Produktionsschritten tragen Olzon und Westbom die volle Schutzausrüstung mit Gasmaske und Schutzbrille. Dies nicht etwa, weil sie mit giftigen Zutaten hantieren, sondern weil beim Mischen von Bestandteilen (Kaliumhydroxid mit Glyzerin und Wasser) ungesunde alkalische Dämpfe entstehen. Und weil sich die Masse durch eine chemische Reaktion innerhalb von Sekunden auf mehr als 100 Grad erhitzt, ohne dass von aussen Energie zugeführt wird. Spritzer würden also Verätzungen durch die alkalische Lösung und Verbrennungen durch die Hitze verursachen. Das Ganze tönt nach einer gefährlichen Arbeit. Doch Olzon sagt: «Wir haben die Prozesse immer unter Kontrolle und eine eigene Methode entwickelt, die sicher ist.» Durch die Öle und die Zitronensäure entsteht am Schluss die reinigende Seife mit dem richtigen, hautschonenden pH-Wert.

Produktion im Vakuum

Die alkalische Lösung haben die beiden Geschäftspartner einer Mischung von verschiedenen Ölen beigegeben. Alle stammen aus kontrolliert biologischem Anbau und sind zum Teil sehr teure Produkte: In der Soeder-Seife sind Kokosöl, Jojobaöl, Hanfsaatöl, Rizinusöl, Olivenöl und Palmöl — alle kalt gepresst. Erhielte die Seife destillierte Aromastoffe – zum Beispiel Schwarzkiefer und Mandarine –, würden die in diesem Arbeitsschritt ebenfalls beigegeben.

Olzon hebt nun den Tank mit der Masse hydraulisch an, schliesst die Luken und erzeugt im Topf ein Vakuum. Die Masse wird nun mit einem Rührwerk vermischt, das 5000 Umdrehungen pro Minute erreicht.

Der Vakuumierer ist die neuste Anschaffung des Unternehmens und erst seit kurzem im Einsatz. Es ist eine Occasionsmaschine. «Wir hatten Glück, die zu finden. Neu würde sie so viel kosten wie ein teurer Ferrari», sagt Olzon. Er muss nun den richtigen Zeitpunkt erwischen, um der klebrig-seifigen Masse Wasser beizugeben, damit die Viskosität der Flüssigseife stimmt. Schliesslich werden ihr Weizenprotein und Honig aus dem Zürcher Oberland beigemischt. Diese dienen der Pflege und Heilung der Haut.

Das Unternehmen Soeder (Schwedisch für Süden) mit Verkaufsläden in Zürich und Basel hat der gebürtige Schwede Olzon vor dreieinhalb Jahren mit Kollegen gegründet, es ist heute ein Kollektiv mit 17 gleichberechtigten Partnern. Sie verkaufen ausschliesslich Produkte, die sie selber im Alltag einsetzen: Lampen, Schuhe, T-Shirts, Portemonnaies, Pfannen und vieles mehr. Das Design soll schlicht und überzeugend sein, die Wertigkeit hoch.

Wenn möglich, sollen die Produkte in der Region hergestellt sein, vom europäischen Kontinent als Produktionsstandort geht das Kollektiv nicht weg. So lässt Westbom, der im Unternehmen für den Textilbereich zuständig ist, die Jeans in Italien nähen. «Warum soll man alles um die halbe Welt schippern, wenns auch mit kürzeren Wegen geht?», fragt er. Preis und Leistung sollen bei allen Produkten im Verhältnis sein. Mehr und mehr will das Kollektiv selber produzieren oder zumindest nach eigenen Entwürfen herstellen lassen.

«Die Seifenproduktion ist unser Pilotprojekt», sagt Olzon. Ein halbes Jahr hätten sie experimentiert, bis sie mit dem Resultat zufrieden waren. Externe Experten und Fachbücher haben geholfen. «Schlussendlich müssen wir aber den ganzen Prozess kennen und verstehen, um ein perfektes Produkt herzustellen.» Unterdessen hat er die Köperpflegelinie erweitert. Dazugekommen sind Shampoos, Lotionen und eine Lippenpomade. Demnächst lanciert das Kollektiv ein Deo. «Wichtig ist mir, dass keine nicht abbaubaren Fremdstoffe in den Körper oder die Umwelt gelangen», sagt er.

Die Seifen (250 ml für 22 Fr., 450 ml für 35 Fr.) passen sehr gut in den Laden an der Ankerstrasse 124 mitten im Kreis 4 – es ist eine ehemalige Apotheke. Doch nicht nur Privatkunden setzen auf das reinigende Produkt, das die Haut gleichzeitig pflegt und nicht austrocknet. In Restaurants wie der Bank am Helvetiaplatz können die Gäste ihre Hände damit waschen. Und Soeder stellt die Naturseife auch im Auftrag für Dritte her. Zum Beispiel für die Bellevue-Apotheke nach einer alten Rezeptur.

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